Propstei Lauenburg Michaelis-Empfang: 100 Gäste in St. Petri zum Thema Migration, Flucht und Integration

Philip Graffam (v.l.), Sylwia Sobottko, Sonja Lohf, Carina Treloar, Christian Klingbeil, Ulf Kassebaum beim Michaelis-Empfang. Copyright: Guido Kollmeier

Ratzeburg. Der diesjährige Michaelis-Empfang in der St. Petrikirche zu Ratzeburg im Herzogtum Lauenburg stand ganz im Zeichen des Themas Migration, Flucht und Integration. 100 Gäste nahmen an der Feierstunde teil. In Interviewrunden erzählten Mitarbeitende des Diakonischen Werks über ihre persönlichen Erfahrungen in diesem Themenfeld.

Vor dem Hintergrund gestiegener Flüchtlingszahlen, aktuellen Medienberichten und dem Welttag des Flüchtlings ist das Thema in aller Munde. Es zeigt, wie wichtig der Umgang mit Flüchtlingen und deren Integration ist. Auf dem Michaelis-Empfang standen insbesondere die Erfahrungen Betroffener des Diakonischen Werks im Herzogtum Lauenburg mit Flüchtlingen im Mittelpunkt.

„AnErkenntnis“ als Motto des Abends

Nach einer Begrüßung der Gäste durch Propst Philip Graffam erläuterte Ulf Kassebaum, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Lauenburg, das Motto des Abends: „Anerkenntnis, ein Wort mit dem Anklang von Anerkennung und Erkenntnis ist ein Begriff, der viele Facetten und Bedeutungen in sich trägt“. Dabei ging es zum einen um „Anerkennung von Flüchtlingen und Migranten, ihrer individuellen Geschichten, Belastungen und Stärken“. Zum anderen aber auch darum, „wie unsere Gesellschaften, Gemeinden und Organisationen die Herausforderungen anerkennen, die mit der Integration und Unterstützung dieser Menschen einhergehen“.

„Flucht und Migration, ein gesellschaftliches Thema, was es immer war“

Propst Philip Graffam hat selber ganz persönliche Erfahrungen mit dem Thema Flucht und Migration. In Äthiopien geboren, musste er als Kind mit seiner Familie aus politischen Gründen das Land, seine Heimat verlassen. „Es ist aber ein gesellschaftliches Thema, was es immer war. Unsere Großeltern und Vorfahren, alle haben immer mit Flucht und Migration gelebt. Ein Thema, das uns immer begleitet.“ Ulf Kassebaum, der sehr in seiner Region verwurzelt ist, ergänzte: „Ich kann mir vorstellen, wie schmerzhaft der Prozess ist, seine Heimat zu verlassen und was es für mich bedeuten würde, in einem fremden Land zu sein, mich komplett neu orientieren zu müssen in einer neuen Sprache und mit Anforderungen, die mir völlig unvertraut sind.“

Erlebnisgeschichten von Mitarbeitenden im Diakonischen Werk

 „Die heutige Veranstaltung bietet uns eine einzigartige Gelegenheit“, so Kassebaum, „von Mitarbeitern und Leitenden aus verschiedenen Angeboten der Flüchtlingshilfe, Migrations- und Integrationsberatung zu hören“, und zu erfahren, „wie Anerkenntnis in der Praxis umgesetzt wird“. Was bewegt uns? Was sind die größten Herausforderungen? Welche Unterstützungen und Hilfen werden erwartet? Welche schönen Momente gab es? Propst Philip Graffam und Ulf Kassebaum stellten die Interviewgäste vor als „sechs inspirierende, interessante Individuen, die sich leidenschaftlich für die Integration von Menschen mit Fluchterfahrungen und Migrationshintergrund einsetzen.“

So berichtete Karsten Fries, Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie, Schulen und Soziales, in seinem Impulsvortrag von der Aufnahme eines ukrainischen spezialisierten Kinderheimes mit Kindern bis fünf Jahren, die z.T. schwerst mehrfachbehindert oder herzkrank waren. Durch eine große Einsatzbereitschaft von Mitarbeitern, der Stadt Ratzeburg, dem Technischen Hilfswerk, Ärzten, Therapeuten und Spendern konnte den Kindern schnell geholfen werden. Carina Treloar aus der Gemeinschaftswohnanlage Mölln war es besonders wichtig, dass die „Freiheit und Selbstbestimmtheit der Menschen bewahrt werden“, die aber in Gemeinschaftsunterkünften, in denen wenig Privatsphäre herrscht, eingeschränkt sind.

Mehrfach wurde berichtet, wie schwer es ist, sich in einer fremden Sprache zurechtzufinden und von Mitarbeitern, die an ihre Belastungsgrenzen stießen. Bei allen Hürden und Unwägbarkeiten gab es aber auch viel Positives und eine große Solidarität in der Bevölkerung und in den Kommunen. Sylwia Sobottko, die einen interkulturellen offenen Stadtteiltreff in Lauenburg betreibt, erzählte, sie habe „sehr viel Hilfe erhalten von allen, von privaten Menschen und auch vom Bürgermeister aus Lauenburg“, von dem sie den Raum für eine Begegnungsstätte zur Verfügung gestellt bekam. In einem Punkt waren sich alle einig und Treloar fasste es so zusammen: „Wenn wir schon weit gekommen sind, ist es noch ein weiter Weg, den wir gehen müssen.“

Zum Schluss der Veranstaltung wurde es noch einmal sehr still. Pastorin Elisabeth Hartmann-Runge, Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg hielt gemeinsam mit Propst Philip Graffam das Abendgebet in Form einer Zwiesprache des 139. Psalms.

 

Die geladenen Gäste des Empfangs in der St. Petri-Kirche in Ratzeburg.

Die Big Brass Company aus Mölln spielt.

Propst Philip Graffam eröffnet den Michealisempfang.

Philip Graffam beschenkt Interviewpartner:innen

Dr. Uwe Kassebaum erläutert das Motto des Abends.

Karsten Fries berichtet in seinem Impulsvortrag aus seinem Fachbereich.