Zwischen Vorfreude und Verantwortung: Oliver Erckens wird Propst in Lübeck
Lübeck. Oliver Erckens wird neuer Propst in Lübeck. Nachdem sich die Synode des Kirchenkreises im November 2025 für den 41-Jährigen entschieden hatte, findet nun die Einführung in das neue Amt statt. Der Gottesdienst mit Bischöfin Kirsten Fehrs findet am 9. Mai 2026 ab 14 Uhr in St. Marien zu Lübeck statt. Im Interview spricht der künftige Propst in der Hansestadt über das, was ihm Hoffnung macht, über Schwerpunkte zukünftiger Arbeit und über seinen Lieblingsplatz in Lübeck.
Ein Interview vor der Einführung
Petra Kallies ist verabschiedet worden, der Tag Ihrer Einführung naht. Wächst die Anspannung bei Ihnen?
Oliver Erckens: Ich freu mich sehr auf den Gottesdienst am 9. Mai. Gleichzeitig bin ich vor solchen Ereignissen immer auch aufgeregt. Viele Menschen, die mich in meinem Leben begleitet haben, werden da sein sowie viele Menschen, mit denen ich in Zukunft in Lübeck zu tun haben werde. Auf den Dienstbeginn selbst freue ich mich.
Sie haben in den vergangenen Wochen bereits viele Kennlerngespräche geführt und einen intensiveren Einblick in die Strukturen der Propstei gewonnen. Wie ist Ihr erster Eindruck?
Oliver Erckens: Das war ein Luxus! Zeit für Gespräche im Vorfeld zu haben. Ich habe mit den Lübecker Pastorinnen und Pastoren sowie vielen Ehren- und Hauptamtlichen gesprochen. Dazu kamen Menschen aus der Stadtgesellschaft, denen ich begegnet bin. Mir ist dabei Offenheit und Gastfreundschaft entgegengebracht worden und konstruktiver Austausch über die wichtigen Themen unserer Zeit. Insgesamt kann ich sagen: Die evangelische Kirche hat in Lübeck einen guten Stand, das wurde mir von vielen Seiten gespiegelt. Mein Eindruck ist, dass dazu viele Menschen beitragen, die für ihren Glauben und die christliche Botschaft von Gottes Liebe zu den Menschen einstehen – in Wort und Tat und mit Haltung.
Lübeck ist so kompakt als Stadt
Gibt es Dinge, die Sie überrascht haben?
Oliver Erckens: Mindestens zwei Dinge: Erstens, wie “kompakt” Lübeck als Stadt letztlich ist. Viele kommen „mal eben“ in der Bäckerstraße, also im Bürogebäude des Kirchenkreises vorbei. Und zweitens, wieviel Freude und Sinn die Lübecker Pastorinnen und Pastoren und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Beruf sehen. Das so gebündelt von den Einzelnen gesagt zu bekommen, macht mir viel Hoffnung.
Wo sehen Sie Ihre wichtigste Aufgabe: geistlich führen, organisieren oder vermitteln?
Oliver Erckens: In der Verknüpfung von allem drei. In jedem Bereich bin ich mit anderen Menschen unterwegs: Mit meinem Propstkollegen Philip Graffam, mit den ehrenamtlich Leitenden aus Synode und Kirchenkreisrat sowie mit vielen Mitarbeitenden in Kirchenkreis und der Verwaltung. Meine Vorgängerin hatte einen guten Blick für das Gleichgewicht all dieser Kräfte und dabei ihre eigenen Akzente gesetzt. Darin ist sie mir Vorbild.
Sie treten Ihr Amt in schwierigen Zeiten an. Gab es nach Ihrer Wahl im Winter einen Moment, wo Sie sich selbst gefragt haben, ob das eine gute Idee war?
Oliver Erckens: Die schwierigen Zeiten haben wir in allen Ebenen unserer Kirche. Ich bin daher mit dieser Last, wenn Sie so wollen, nicht allein. Die Momente, in denen mir das Neue schwerfällt, gab es eher an anderer Stelle: Ich war überaus gern Pastor im Mariensprengel mit einem großartigen Team und mir lieb gewordenen Menschen in den Gemeinden. Da fiel mir der Abschied schwer.
Wir können nie achtsam genug sein
Wo sollte Kirche aus Ihrer Sicht mutiger werden – und wo vielleicht auch vorsichtiger?
Oliver Erckens: Worte und Handeln von Jesus waren enorm gewagt. Dort, wo uns Menschen anvertraut sind oder sich uns anvertrauen und wir für sie Verantwortung übernehmen, können wir nie achtsam genug sein. Und es erfordert weiterhin Mut, für die Menschen einzutreten, die von Diskriminierung, Ausgrenzung oder Rassismus bedroht sind. Gerade in einer Zeit, in der es vielfach der einfachste Weg scheint, vermeintlich Schuldige für die eigene Lage zu identifizieren und damit die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben.
Wo sehen Sie die größten Spannungsfelder in den kommenden Jahren?
Oliver Erckens: Zwischen all den guten Ideen und Projekten, die es gibt, und den immer weniger Ressourcen, die wir haben. Das geht einher mit einem Generationen-Wechsel: Es kommen weniger Meschen als Ehren- und Hauptamtliche nach, die im Grunde die gleiche Arbeit stemmen müssen.
Gibt es in den kommenden Wochen und Monate Termine in Ihrem Kalender, auf die Sie sich jetzt schon freuen?
Oliver Erckens: Den Gottesdienst zu meiner Einführung, das große Kirchenmusikfest in Lübeck im Juni und die ersten Termine in den Gemeinden.
Waren Sie eigentlich schon Lübecker Marzipantorte essen?
Oliver Erckens: Schon lange vor der Wahl in dieses Amt!
Zu Fuß oder per Rad durch die Stadt
Hatten Sie schon die Gelegenheit, sich ein wenig in Lübeck treiben zu lassen? Gibt es einen Lieblingsort?
Oliver Erckens: Ich nutze jede Gelegenheit, möglichst jeden Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Besonders gern gehe ich aktuell an der Wakenitz spazieren.
Gibt es einen Rat, den Ihre Vorgängerin Ihnen mitgegeben hat?
Oliver Erckens: Petra Kallies neigt nicht so sehr zu Ratschlägen. Umso besser war es für mich, sie einen Monat intensiv begleiten und erleben zu können. Das hat mir viel Freude gemacht und gezeigt, mit welcher Klarheit und Präzision sie geleitet hat. Ich habe gelernt, wie wertvoll diese innere Haltung und persönlich gelebter Glaube ist.