Was ist eigentlich ...?


Erde - Unser Element.

Alle Elemente unserer Themenkampagne finden Sie hier unter den Downloads.


Dass Gott den Menschen aus der Erde schuf und ihm das Leben einhauchte, steht in der Bibel. Darin steht auch, dass ein Mensch wieder zur Erde wird, wenn er einmal stirbt. In der Zwischenzeit darf er auf der Erde leben und eigene Erfahrungen machen, die später zu lebhaften Erinnerungen werden. Ein kostbarer Schatz, an den wir in der Trauerfeier denken, wenn Angehörige, Freunde und Freundinnen Abschied von einem Verstorbenen nehmen.

Neben dem, was bleibt, widmen wir uns bei einer Beerdigung dem, was fehlt und nicht wiederkommt. Der dreimalige Erdwurf versinnbildlicht, dass etwas zu Ende geht. Das Grab wird mit Erde bedeckt, die Verstorbenen weich zugedeckt. „Erde zu Erde, Asche zu Asche und Staub zu Staub.“ heißt es dann. Unter der Erde finden die Verstorbenen ihre letzten Ruhestätten. Für die Angehörigen, Freunde und Freundinnen ist so ein Grab oft wichtig: Dort werden Erinnerungen wach und es gibt Raum für Klagen, Bitten und Dank, für offene Fragen und manchmal sogar Antworten.

Auf das, was kommt, weist uns die Fruchtbarkeit der Erde hin. Ein Körper, der darin vergeht, wird zur Quelle neuen Lebens. Das weckt Hoffnung für die Seele. Denn Christinnen und Christen glauben, dass der Tod nicht das Ende ist.

(Text: Pastorin Sara Burghoff)


Radio SAW

Thorsten Keßler spricht mit Bernd K. Jacob über Reerdigung im Nachtprogramm von Radio SAW.


BILD Hamburg

Artikel „Es wäre schön, wenn aus mir Wildobst oder Flieder entstehen würde“


Podcast

The Funeralists Berlin, Barbara im Gespräch mit Pablo Metz


Deutschlandfunk Kultur

Beitrag vom 17.3.2022

Auf dieser Seite informieren wir über aktuelle Bestattungsthemen, berichten über neue Möglichkeiten und geben christliche Impulse sich neuen Wegen zu öffnen.


Ein Pilotprojekt

Die Bestattungskultur ist im Wandel - seit eh und jeh.

Seit es Bestattungsrituale gibt, verändern sich diese mit den Menschen, die eine Gesellschaft prägen. Traditionen sind so lange gut, wie sie gebraucht werden und sich Menschen damit wohl fühlen. Aber neue Denkweisen, veränderte Wahrnehmung, wissenschaftliche Erkenntnisse und Verantwortung für Umwelt und Natur sind Beweggründe, auch neue Wege zu versuchen.

Ein neuer Weg ist die Reerdigung (zweiaktige Erdbestattung), die zur Zeit auf einem Friedhof in unserem Kirchenkreis als Pilotprojekt erprobt wird. Am Ende ist es dann doch wieder nur "Erde zu Erde".

Neben der traditionellen Sargbestattung in einem Erdgrab oder der Einäscherung mit folgender Beisetzung der Asche in Erde oder Übergabe ins Wasser wird bei uns am Ende eines Lebens - sei es lang oder kurz, Ruhe gegeben, mit einer Zeremonie ein letztes Bild für die Erinnerung geschaffen, ein Körper zugedeckt, damit er seinen natürlichen Weg gehen kann.
Und dann ist es die Zeit, die dafür sorgt, dass Asche sich auflöst oder Sarg und Körper ganz in Ruhe zu Erde werden.

Die Circulum Vitae GmbH möchte in Europa ein Verfahren etablieren, dass die natürlichen Vorgänge unter optimalen Bedingungen so ablaufen lässt, dass ein verstorbener Mensch nach 40 Tagen zu fruchtbarem Boden geworden ist und neues Pflanzenleben daraus entstehen kann.

Wir als Kirche begleiten diese Erprobung, machen uns Gedanken zu den Aspekten einer passenden Seelsorge, wollen "neuem" positiv gegenübertreten und lernen, was eine neue Bestattungsart mit uns macht. Das Land Schleswig-Holstein prüft die gesetzlichen Voraussetzungen und schafft so die Grundlage für den gewerblichen Betrieb von Reerdigungen als Alternative zur Feuer- oder Sargbestattungen.
(Text: Bernd K. Jacob)


Natürliche Transformation fördert die Nachhaltigkeit und bewahrt die Bestattungskultur. Immer mehr Menschen versuchen, ein nachhaltiges Leben zu führen und auf Klima- und Umweltschutz zu achten. Wir fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit, verzichten auf Plastiktüten und setzen bei der Stromauswahl das Häkchen hinter die Öko-Option. Grün zu leben, ist zu einer wichtigen gesellschaftlichen Haltung geworden, die viele Menschen bewusst wählen. Was aber passiert mit unseren Vorsätzen am Ende des Lebens? Für Viele ist es ein Trost, dass es auch über den Tod hinaus, eine Option gibt, diesen Weg bewusst und vor allem sehr würdevoll zu Ende zu gehen. «Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden», spricht der Geistliche am Grab. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Seit 2022 finden in Norddeutschland Reerdigungen statt.

Was ist eine Reerdigung?

Der Körper wird in einem Gebäude auf einem Friedhof in einem speziellen Sarg (Kokon) auf einem Bett aus pflanzlichen Materialien wie Blumen, Grünschnitt und Stroh gebettet. Der 2,50 Meter lange Kokon ist aus langlebigem Edelstahl gefertigt. Damit kann jeder Kokon über viele Jahre genutzt werden und trägt maßgeblich zur Nachhaltigkeit bei. Während die oder der Verstorbene im Kokon ruht, transformieren natürliche Mikroorganismen den Körper in fruchtbare Muttererde. Dieser Vorgang ist einer der ganz ursprünglichen Prozesse der Natur. Alle biologischen Materialien können auf diese Art und Weise in ihre Einzelteile zersetzt und zu Erde werden.

Bei einer Reerdigung können die Organismen schnell und effizient arbeiten. Sie erzeugen bei ihrer Arbeit viel Wärme. Die hohen Temperaturen zerstören schädliche Krankheitserreger und verwandeln Körper, Grünschnitt, Stroh und Blumen in Humus, der für Mensch und Pflanze unbedenklich ist. Aktuelles Beispiel: Ein Corona-Virus überlebt bei diesen Temperaturen maximal 90 Minuten.

Nach Abschluss der Transformation wird die Erde dem Kokon entnommen und kontrolliert. Im Rahmen der Kontrolle können nicht zersetzte Stoffe wie künstliche Gelenke entfernt werden. Außerdem können eventuell verbliebene Knochensegmente ausgelesen, verfeinert und der Erde wieder beigegeben werden. Anschließend erfolgt die Beisetzung der Erde nach dem Willen der verstorbenen Person auf einem Friedhof. Die genaue Ausgestaltung der Grabart obliegt dabei weiterhin den Friedhöfen und den Angehörigen bzw. den Vorsorgenden. Bei einer Reerdigung wird die in jedem Körper enthaltene Kohlenstoffmenge in die Erde aufgenommen. Auf diese Weise werden weitere Nährstoffe im frischen Humus angereichert. Im Gegensatz zu einer Feuerbestattung werden auch keine Klimagase freigesetzt. Die positive CO2 Bilanz beträgt ca 1t pro Bestattung.

Das ist gut für das Klima und den Boden. Damit ist die neue Bestattungsvariante gut für diejenigen, die gehen und diejenigen, die bleiben und noch kommen werden, gleichermaßen.

Mehr erfahren Sie über das Bestattungshaus Ihres Vertrauens oder über Meine Erde

Pröpstin Frauke Eiben zur Projektbegleitung aus kirchlicher Sicht.

Wir sind da: Im stetigen Wandel der Bestattungskultur und der unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen. Wir sind die Experten für gute Rituale. Es gehört zum Kern unserer Aufgaben, Menschen seelsorgerlich in Krisensituationen zu begleiten. Die Bestattungsform Reerdigung knüpft an unsere Bestattungsformel „Erde zu Erde“ an. Wir stehen für die Vielfalt von Bestattungsformen auf unseren Friedhöfen: klassische Erdbestattungen, Urnenbestattungen, Baumgräber u.v.m.. Denn Vielfalt ist uns wichtig, um den Wünschen von Menschen gerecht zu werden. (jeder hat sein Lieblingselement). Dabei ist uns wichtig, bei jeder Bestattungsform das richtige Ritual zu gestalten. Bei der Bestattungsform Reerdigung ergibt sich die Chance nach 40 Tagen noch einmal seelsorgerlich für die Angehörigen da zu sein. 40 Tage sind im biblisch-theologischen Kontext eine wichtige Zahl. Sie steht für Veränderung, Befreiung, Klärung. Evangelische Friedhöfe sind mit dem Schöpfungsgedanken verbunden. Aus diesem Grund passt eine CO2 neutrale Bestattungsform in unser Bemühen die kirchlichen Friedhöfe zeitgemäß und attraktiv zu gestalten.


Download:
Gemeindebriefartikel vom 24.02.2022

Download:
Pressemeldung vom 24.02.2022


Was ist eigentlich genau ..?

Fragen stellen und Antworten bekommen. Rund um das Thema Friedhof auf unserem YouTube-Kanal #Wirsindda.
Noch viel mehr Begriffe erklären wir auch in unserem Friedhofs-Wiki.

Bestattung:

ist die mit religiösen oder weltanschaulichen Gebräuchen verbundene Übergabe des menschlichen Leichnams an die Elemente. Die Bestattung erfolgt traditionell in zwei Formen, die gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Durch die Erdbestattung (Begräbnis) und die Feuerbestattung (Kremation).

Erdbestattung:

Die Erdbestattung ist beendet, wenn der Leichnam in die Erde versenkt ist. Bei der Feuerbestattung ist zu unterscheiden zwischen der Einäscherung der Leiche und der Übergabe der regelmäßig in einer Urne verschlossenen Aschereste in die Erde oder einen anderen dafür bestimmten Platz. Diese Übergabe wird daher als Beisetzung bezeichnet. Erst mit dieser Beisetzung ist die Feuerbestattung abgeschlossen.

Sarg

Ein Sarg ist ein Behältnis für den Transport, die Aufbahrung und die Bestattung eines Leichnams. In der Regel wird der Sarg beerdigt oder für die Feuerbestattung im Krematorium verwendet. Erdbestattungssärge sollen so beschaffen sein, dass sie in der Ruhezeit voll vergehen können. Für Erdbestattungen darf kein Sarg verwendet werden, der geeignet ist, nachhaltig die physikalische, chemische oder biologische Beschaffenheit des Bodens oder des Grundwassers zu verändern und der die Verwesung der Leiche nicht innerhalb der festgesetzten Ruhefrist ermöglicht.

Beisetzung:

ist die Übergabe der Urne oder des Substrates in die Erde oder die See oder dafür vorgesehene Orte/ Behältnisse.

Grabstätte (Grabstelle):

ein für Bestattungen oder Beisetzungen vorgesehener, genau bestimmter Teil des Friedhofsgrundstücks mit dem darunterliegenden Erdreich. Eine Grabstätte kann mehrere Grabstellen (Gräber) umfassen.“ bekannt.

Grab:

Teil der Grabstelle oder Grabstätte, der der Aufnahme eines menschlichen Leichnams oder – als Urnengrab – der Asche dient.

Gruft (von griechisch Krypta: unterirdischer Kirchenraum):

sind Räumlichkeiten, die zur Bestattung von Särgen, Sarkophagen und Urnen von Verstorbenen dienen, man nennt sie auch ausgemauerte Grabstätten oder Grabgewölbe.

Krematorium

Gebäude zur Einäscherung von Verstorbenen. Den Mitarbeitenden der Krematorien obliebt auch die Handhabung der menschlichen Asche, vollständiges verfüllen in eine Aschekapsel und das ordnungsgemäße versiegeln.

Neue Erde:

Der bei einer Reerdigung durch die natürliche Transformation des Körpers gewonnene Humus, wird "Erde" genannt. In Abgrenzung zur Friedhofserde wird auch von "neuer Erde" gesprochen.

Mausoleum:

ist eine oberirdische Gruft.

Urnen

Urnen, Überurnen oder Schmuckurnen dürfen nicht aus Kunststoffen oder sonstigen nicht verrottbaren Werkstoffen hergestellt werden oder geeignet sein, nachhaltig die physikalische, chemische oder biologische Beschaffenheit des Bodens oder des Grundwassers zu verändern. Auch Urnen und Aschekapseln sollen innhalb der Ruhefrist vollständig vergehen und die Asche an Boden oder Wasser übegeben.

Kolumbarium:

oberirdisch aneinandergereihte Nischen, die in architektonischen Wänden untergebracht sind und die nach der Beisetzung mit einer Abdeckplatte verschlossen werden

Reerdigung

Die Reerdigung ist eine Form der Erdbestattung. Im Rahmen der Reerdigung erfolgt eine natürliche biologische Transformation des Leichnams zu Erde. Der Umwandlungsprozess erfolgt gleichartig, aber wesentlich schneller als bei einer herkömmlichen Erdbestattung.

Alvarium:

Gebäude, in dem Reerdigungs-Kokons und Waben stehen.

Kokon:

Sarg eigener Art, bzw. Reerdigungs-Sarg, in welchen der Leichnam für die Dauer der Transformation gebettet wird.

Wabe:

Schrankähnliche Vorrichtung für die Aufbewahrung des Kokons. Die Wabe enthält einen Mechanismus für das langsame Wenden des Kokons.

Substrat:

organisches Material aus Stroh, Grünschnitt und Blumen, auf welchem der Körper in dem Reerdigungs-Kokon gebettet wird.