Lübeck-Lauenburg

Ausgezeichnet! Der Kirchenkreis ist jetzt ökoFair

Lübeck. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg ist offiziell als „ökoFair“ ausgezeichnet worden. Damit wird ein Prozess gewürdigt, der vor gut zwei Jahren begonnen hat und Nachhaltigkeit sowie faire Beschaffung stärker im Arbeitsalltag der Kirchenkreisverwaltung verankert. Gleichzeitig soll die Auszeichnung Ausgangspunkt für den nächsten Schritt sein: Bis Ende 2028 sollen möglichst alle 50 Kirchengemeinden sowie die Dienste und Werke im Kirchenkreis ökoFair werden.

Propst spricht von einem Etappenziel

„Ich freue mich sehr, dass unser Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg heute als ökoFair ausgezeichnet wird“, sagt Propst Philip Graffam. „Die Auszeichnung ist für uns aber kein Schlusspunkt. Sie ist eher ein Doppelpunkt. Wir haben uns entschieden, in welche Richtung wir gehen wollen – und diesen Weg wollen wir gemeinsam weitergehen.“

Den Grundstein dafür hatte der Kirchenkreisrat im März 2024 gelegt. Mit seinem Beschluss verpflichtete sich der Kirchenkreis, durch ökologisches und faires Handeln einen konkreten Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung und zur Sicherung der Menschenrechte zu leisten. Seit April 2024 haben Indra Stülcken und Sandra Jäkel aus der Kirchenkreisverwaltung die vorhandenen Strukturen und Abläufe überprüft, Maßnahmen dokumentiert und Veränderungen angestoßen.

Konkrete Entscheidungen im Arbeitsalltag

Dabei ging es vielfach um ganz konkrete Entscheidungen im Arbeitsalltag: Recyclingpapier, zertifizierte Reinigungsmittel und fair gehandelter Kaffee gehören ebenso dazu wie Ökostrom und LED-Beleuchtung. Bei der Mobilität setzt der Kirchenkreis unter anderem auf Jobticket, Jobrad, einen Elektrodienstwagen und Carsharing. Mehrweggeschirr sowie möglichst regionale, ökologische und bevorzugt vegetarische Verpflegung bei Veranstaltungen sind weitere Bausteine.

„Wenn man alle Bereiche einmal systematisch durchgeht, merkt man schnell, an wie vielen Stellen ökologische und faire Kriterien eine Rolle spielen können“, sagt Indra Stülcken. „Vieles lässt sich ganz praktisch verändern. Entscheidend ist, die eigenen Abläufe immer wieder zu überprüfen und zu schauen, wo der nächste Schritt möglich ist.“

Manchmal zeigt sich der Nachhaltigkeitsgedanke auch abseits von Beschaffung und Energieverbrauch. Vor der Kirchenkreisverwaltung musste eine erkrankte Linde gefällt werden. Ein Teil ihres Stammes blieb stehen und bietet heute Insekten einen Lebensraum. Für Graffam ist das ein anschauliches Beispiel dafür, „achtsamer mit dem umzugehen, was uns anvertraut ist, und auch dort neues Leben zu ermöglichen, wo zunächst nur Verlust zu sehen ist“.

Es geht nicht nur um Klima- und Umweltschutz

Hinter den einzelnen Maßnahmen stehe mehr als ein Nachhaltigkeitsprogramm, betont der Propst. Für ihn hat das Engagement eine theologische Grundlage. „‚Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist‘ – dieser Satz aus Psalm 24 ist einfach und zugleich weitreichend“, sagt Graffam. „Die Erde gehört nicht uns. Sie ist Gottes Schöpfung. Wir leben von ihr, wir dürfen sie gestalten und gebrauchen – aber sie ist uns anvertraut.“

Dabei gehe es nicht allein um Klima- und Umweltschutz. „Wenn die Erde Gottes ist, dann gehören auch die Menschen in unseren Blick, deren Arbeit in den Produkten steckt, die wir kaufen und verbrauchen“, sagt Graffam. „Deshalb gehören diese beiden Worte für mich untrennbar zusammen: ökologisch und fair. Bewahrung der Schöpfung und die Achtung der Würde und der Rechte von Menschen sind zwei Seiten derselben Verantwortung.“

50+ ökoFair: Prozess soll ausgeweitet werden

Mit der Auszeichnung soll der Prozess nun auf den gesamten Kirchenkreis ausgeweitet werden. Der Klima- und Nachhaltigkeitsausschuss hat dafür die Initiative „50+ ökoFair“ entwickelt. Die Zahl 50 steht für die rund 50 Kirchengemeinden im Kirchenkreis, das Plus für die Dienste und Werke. Ziel ist, dass sie bis zum 31. Dezember 2028 ebenfalls ökoFair werden.

Über dieses Ziel soll die Kirchenkreissynode beraten. Dabei soll es nicht um ein einheitliches Vorgehen für alle gehen. „Wir wollen das nicht verordnen. Wir wollen einladen, ermutigen und unterstützen“, sagt Graffam. „Die Voraussetzungen vor Ort sind unterschiedlich und deshalb dürfen auch die Wege unterschiedlich sein. Aber das gemeinsame Ziel kann uns verbinden.“

“Es gibt noch Luft nach oben”

Auch die jetzt ausgezeichnete Kirchenkreisverwaltung sieht ihren eigenen Prozess noch nicht als abgeschlossen. „Bei manchen Dingen gibt es noch Luft nach oben“, sagt Graffam. „ÖkoFair zu sein heißt nicht: Wir haben alles erreicht. Es heißt: Wir haben uns entschieden, in welche Richtung wir gehen wollen.“

Für Indra Stülcken gehört gerade diese Weiterentwicklung zum Konzept: „Die Auszeichnung zeigt, was wir bereits geschafft haben. Gleichzeitig hilft sie uns, genauer hinzusehen, wo wir noch besser werden können. Nachhaltigkeit ist nichts, was man einmal abhakt – sie muss im Alltag immer wieder mitgedacht werden.“

Der Blick richtet sich deshalb bereits auf die kommenden gut zwei Jahre. Aus der Auszeichnung der Verwaltung soll möglichst eine Bewegung im gesamten Kirchenkreis werden. Propst Graffam fasst das Ziel so zusammen: „Heute unser Kirchenkreis – und bis Ende 2028: 50+ ökoFair.“