Lübeck

"Christus und die Kinder" wieder im Lübecker Dom

Lübeck. Nach zwei Jahren Restaurierung ist die Figurengruppe “Jesus und die Kinder” wieder in den Lübecker Dom zurückgekehrt - und damit ein vertrauter Anblick, so Dompastorin Magrit Wegner: “Ich bin sehr glücklich darüber, denn ich habe diesen Jesus im Taufrund bei jeder Taufe, die ich hier gefeiert habe, vermisst. ‘Christus und die Kinder’ gehören einfach dazu!”

Jesus vom Taufbecken mit viel Sorgfalt restauriert

Zwei Jahre war die historische Skulptur, die bis Palmarum 1942 den Taufdeckel aus dem 17. Jahrhundert bekrönte, aushäusig im Atelier Butt untergebracht. Hier erhielt sie eine schonende Reinigung und behutsame Restaurierung, angelehnt an historische Fotografien. Nun ist sie wieder an ihrem Platz am Taufrund des Gotteshauses zurückgekehrt. 

“Ich freue mich sehr”, sagt auch Britta Butt. “Die Statuette so glänzen zu sehen, ohne Fehlstellen und mit frischen Farben, macht mich sehr froh.” Die Kunsthistorikerin und ihre Mitarbeiterinnen betreuen seit vielen Jahren die Kunstwerke im Dom zu Lübeck und behalten alle historischen Schätze im Blick – sodass sie für die Nachwelt erhalten bleiben.

Stiftungen unterstützten Restaurierung

Möglich gemacht hat die Restaurierung die großzügige Unterstützung der Engelbert und Hertha Albers-Stiftung. “Für uns ist es eine Ehrensache, die Wiederherstellung der Skulptur möglich zu machen”, betont Dirk Rhodgeß vom Stiftungsvorstand. Gemeinsam mit seinem Kollegen Burkhard Schräger lauscht er den Ausführungen von Britta Butt, die vor der Anbringung die einzelnen Arbeitsschritte und die historische Bedeutung anhand alter Fotos erläutert.

“Wir können nur 'Danke' sagen!“, erklärt Frank Geuenich, Fundraiser im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. ”Ohne die Stiftungszuwendungen würden sich Projekte wie dieses nicht realisieren lassen. Auch ich bin sehr froh, dass ‘Christus und die Kinder’ nun wieder in den Dom zurückgekehrt sind.“

Zeugnis des zerstörten Taufdeckels

Einst bekrönte die Figurengruppe “Christus und die Kinder” den reich verzierten hölzernen Taufdeckel der Bronze-Fünte von Lorenz Grove aus dem Jahr 1455. Der Taufdeckel aus dem 17. Jahrhundert wurde beim Luftangriff auf Lübeck am 29. März 1942 zerstört. Die Jesusfigur ist das einzig erhaltene Fragment dieses bedeutenden Kunstwerks.

Bei der Restaurierung wurde die Figur zunächst schonend gereinigt, von Schimmelpilz befreit und gegen weitere Schäden gesichert. Historische Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem St.-Annen-Archiv halfen dabei, die ursprüngliche Gestaltung besser nachzuvollziehen. Sie zeigen unter anderem, dass über der Christusgruppe ursprünglich eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes schwebte.

Auch die beiden heute fehlenden Arme der Kinder sind auf den Aufnahmen zu erkennen. “Eine Rekonstruktion war aber nicht möglich, da die Fotografien nicht die ausreichenden Details lieferten”, so Britta Butt.

Historische Spuren bleiben sichtbar

Die Restaurierung orientierte sich bewusst am gewachsenen Zustand der Figur. Die zuletzt sichtbare Farbfassung blieb erhalten, auch wenn sie Schäden und Spuren früherer Restaurierungen zeigt. “Unsere Untersuchungen ergaben, dass von der ursprünglichen Fassung nur noch wenige Reste vorhanden sind.” Deshalb wurden Fehlstellen nur dort ergänzt, wo sie das Gesamtbild deutlich beeinträchtigen und frühere, unvollendete Restaurierungsmaßnahmen und störende Ergänzungen behutsam überarbeitet. “Bei unserer Arbeit haben wir reversible Materialien nach heutigen restauratorischen Standards verwendet”, so die Kunsthistorikerin abschließend.

Auf Augenhöhe mit den Kindern

Für Dompastorin Margrit Wegner hat die Skulptur eine besondere Symbolkraft: “Die Figurengruppe zeigt Christus auf Augenhöhe mit den Kindern. Sie suchen seine Nähe, werden von ihm angenommen und gesegnet. Genau darum geht es bei der Taufe: Jeder Mensch ist von Gott angenommen und geliebt – unabhängig von Alter, Herkunft oder Leistung.”

Gemeinsam mit der bronzenen Taufe hat die Christusgruppe heute ihren Platz im Taufrund zwischen Lettner und Ostchor. Die mittelalterliche Bronzetaufe überstand die Zerstörung des Doms im Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Das heutige Taufrund entstand beim Wiederaufbau des Doms in den 1960er-Jahren nach einem Entwurf des Architekten Friedhelm Grundmann und rückte die Taufe bewusst in die Mitte des Gemeindelebens.