"Das reizt mich an der Aufgabe": Fünf Fragen an Ralf Nagel
Lübeck. Ralf Nagel wird interimsweise die Leitung der "Expedition Kirche" übernehmen. Fünf Fragen an den künftigen Projektleiter.
Weshalb übernehmen Sie interimsweise die Leitung der Expedition Kirche?
Ralf Nagel: Das Projekt Expedition Kirche ist für die Zukunft der Kirchengemeinden und des Kirchenkreises von existentieller Bedeutung. Denn es geht um nicht weniger als die Frage, wie Glauben in Gemeinschaft lebendig gestaltet werden und gesellschaftlich wirksam bleiben kann. Und das unter sich dramatisch verändernden äußeren Rahmenbedingungen. Es wurde schon sehr viel Arbeit in diesem Projekt geleistet, die jetzt durch eine personelle Veränderung nicht liegen gelassen werden darf.
Erhebliche Relevanz für unsere Kirche
Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Die erhebliche Relevanz für unsere Glaubensgemeinschaft und unsere Gesellschaft sowie die Komplexität dieser Expedition. Oder: Das muss doch bei gutem Willen aller zu schaffen sein und auch noch Freude machen können.
Die Expedition Kirche wird engagiert diskutiert. Worauf kommt es in dem Prozess in den kommenden Monaten an?
Soweit ich es bis jetzt übersehen kann, ist es für den weiteren Prozess unerlässlich, die im wesentlichen drei Gestaltungsvarianten entscheidungsreif durchzuarbeiten. Das ist weit mehr als eine Strukturfrage. Es geht um das gemeinsame Verständnis, was eine lebendige Glaubensgemeinschaft eigentlich ausmacht. Eine ganz wichtige, wenn nicht lebenswichtige Frage dabei ist die künftige Rolle der Ehrenamtlichen auf allen Ebenen. Nur auf einem solchen Fundament können die weiteren Entscheidungen über den Fortgang sinnvoll getroffen werden.
Jüngere Menschen motivieren
Sie haben im Change-Management langjährige Erfahrung. Welche Schwerpunkte sehen Sie jetzt im Fokus?
Transparenz und ganz viel Kommunikation sind genauso wichtig wie eine klarer Fahrplan mit Meilensteinen. Und: Verbindlichkeit und Wahrhaftigkeit aller, die aktiv mitwirken. Es dürfte auch von Bedeutung sein, ob es gelingt, möglichst viele jüngere in den Gemeinden und im Kirchenkreis zu motivieren, sich einzubringen. Denn es geht letztlich darum, wie sie ihren Glauben und ihr Engagement in einer sehr veränderten kirchlichen Welt leben und gestalten können.
Hart arbeiten, Neues schaffen
Was wünschen Sie sich von den am Prozess beteiligten Menschen?
Ich wünsche mir, dass sie zuversichtlich bleiben, hart arbeiten, bisweilen Kompromissbereitschaft zeigen und Neues schaffen. In Gemeinschaft. Und all das trotz des enormen Drucks durch schwindende Kirchenmitglieder - auch die Demografie schlägt jetzt brutal zu!-, den dadurch hinwegschmelzenden Finanzen und das Fehlen von ausreichend Pastorinnen und Pastoren.