Klein Grönau

"De Plattsnacker" Henning Eggers verabschiedet sich

Klein Grönau. Henning Eggers braucht nicht viel, um ins Erzählen zu kommen. Ein Stichwort genügt, und schon ist er wieder mittendrin: in seiner Kindheit in Kiel, an Bord eines Frachters, auf einer Werft oder in einer plattdeutschen Andacht in der Wegekapelle in Klein Grönau. Seit vielen Jahren ist er in Lübeck und Umgebung als "De Plattsnacker ut de Kark" unterwegs. Jetzt zieht er sich aus den Andachten in Klein Grönau zurück. Am 4. Oktober 2026, an Erntedank, wird er dort ab 9.30 Uhr verabschiedet.

Plattdeutscher Beginn in der Kindheit

Geboren wurde Henning Eggers 1936 in Kiel. Seinen ersten intensiven Kontakt mit dem Plattdeutschen hatte er als Kind. Gegenüber der Familie wohnte ein Feuerwehrmann und Handwerker, bei dem er viel Zeit in der Werkstatt verbrachte. „Und mit dem habe ich Plattdeutsch gesprochen“, erzählt er. 

Sein Vater teilte diese Freude an der Sprache jedoch nicht und forderte seinen Sohn auf, mit dem Plattschnacken aufzuhören und ausschließlich Hochdeutsch zu sprechen. Henning Eggers erzählt mit einem Zwinkern: „Hab ich nie gemacht“, und weiter: „Ik heff jümmers Platt snackt.“

Ein Leben an Land und auf See

Sein beruflicher Weg führte ihn in den Maschinen- und Schiffbau. Er arbeitete auf Schiffen und später als Ingenieur. Eine Zeit lang war er auch auf See – unterwegs auf einem Frachter als Maschinenassistent. Dem Wasser fühlt er sich noch immer verbunden und denkt rückblickend gern und mit Stolz an seine Arbeit auf den Werften, an großen Schiffen und Anlagen zurück. 

Von Ascheberg nach Lübeck: Plattdeutsch als Ehrenamt

Mit dem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2003, begann für Henning Eggers eine neue Zeit. Er engagierte sich verstärkt für das Plattdeutsche und fand viele Möglichkeiten, die Sprache weiterzugeben. Dabei ging es ihm nicht darum, das Plattdeutsche als Museums-Sprache zu bewahren: Die Sprache sollte Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Sein Weg führte ihn von Ascheberg über Plön nach Lübeck: Er besuchte Schulen und Seniorenkreise, hielt Vorträge, schrieb Texte – und übernahm plattdeutsche Andachten. 

Andachten in der Wegekapelle

2013 ist seine erste Andacht in der Wegekapelle in Klein Grönau dokumentiert. Dorthin kam er über Pastor Siemers, der damals die plattdeutschen Andachten in der Kapelle betreute. Henning Eggers wurde über die Jahre zu einer festen Stimme in Klein Grönau. Was ihm daran besonders gefallen hat? Die Antwort kommt ohne lange Überlegung: „Die niederdeutsche Sprache.“ Manchmal übernahm er bis zu fünf Andachten im Jahr. Das war vor allem dann nötig, wenn andere Menschen fehlten, die diese Aufgabe übernehmen konnten.

Rückzug aus der Wegekapelle

Nun, mit 90 Jahren, zieht Henning Eggers sich aus dieser Aufgabe zurück. Ganz leicht fällt ihm das nicht, aber als er merkte, dass wieder mehr Menschen für die Andachten da waren, entschied er sich, "den Platz freizumachen".  

An Erntedank würdigt Pastorin Byrthe-Verena Kröncke-Schultz das langjährige Engagement von Henning Eggers in der Wegekapelle Klein Grönau. Dort, wo er über viele Jahre plattdeutsche Andachten gestaltet hat, verabschiedet ihn die Klein Grönauer Gemeinde aus seinem ehrenamtlichen Engagement. Und vielleicht passt zu diesem Abschied ein Psalm aus einer seiner früheren Andachten: „Danken will ik di, Gott, wunnerbor sünd jo dien Warken. Mien Seel ward dat wies!“