Nach Spendenaufruf: Erste Menschen wollen Gleis 21 unterstützen
Ratzeburg. Die ersten Unterstützer haben sich bereits gemeldet: Seit bekannt wurde, dass dem Gleis 21 in Ratzeburg ab 2027 jährlich 10.000 Euro für die Miete fehlen, gibt es erste Menschen, die helfen wollen. „Das freut uns natürlich sehr und zeigt, wie wichtig das Gleis 21 für viele Menschen ist“, sagt Dr. Ulf Kassebaum, Geschäftsführer der Diakonie Herzogtum Lauenburg. „Jede Unterstützung hilft uns dabei, diesen besonderen Ort langfristig zu erhalten. Wir hoffen, dass sich noch viele weitere Menschen und Unternehmen anschließen.“ Mehr auf unserer Schwerpunktseite.
Drei Geschichten aus dem Gleis 21
Seit 20 Jahren ist das Gleis 21 im Stadtteil St. Georgsberg eine Anlaufstelle für Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft. Was einst als Jugendtreff begann, ist längst zu einem Ort geworden, an dem Menschen Unterstützung im Alltag, Gemeinschaft und neue Perspektiven finden. Wie viel die Einrichtung bewirken kann, zeigen die Geschichten von Witali Wedler, Yuliia Petrova und Alireza Asadollahi.
Witali Wedler: „Wir wussten nicht, wohin mit uns“
Witali Wedler weiß aus eigener Erfahrung, was passiert, wenn Jugendlichen ein Treffpunkt fehlt. Als in den 1990er-Jahren die sogenannte „Kiste“ in Ratzeburg schloss, standen er und seine Freunde plötzlich ohne Anlaufstelle da. „Wir wussten nicht, wohin mit uns“, erinnert sich der heute 43-Jährige. Die Jugendlichen trafen sich fortan am Bahnhof, auf Spielplätzen oder vor Wohnblocks. Konflikte blieben nicht aus.
Als 2006 das Gleis 21 entstand, packte Witali beim Umbau mit an. Später bot er ehrenamtlich Kickboxkurse an, um jungen Menschen durch Sport Disziplin, Selbstvertrauen und Respekt zu vermitteln. Bis heute trainiert er unentgeltlich Jugendliche und hält dem Gleis 21 die Treue. Für ihn steht fest: „Das Gleis 21 ist super wichtig, weil es Zufluchtsort, Auffangort und ein Ort ist, an dem Lösungen gefunden werden.“
Yuliia Petrova: Aus einer fremden Stadt wurde ein Zuhause
Für Yuliia Petrova begann die Geschichte mit der Flucht aus der Ukraine. Gemeinsam mit ihrer Mutter und drei Geschwistern kam sie nach Ratzeburg. Die Familie lebte zunächst in einer Sporthalle. Eine fremde Sprache, unbekannte Abläufe und die Sorge um die Zukunft bestimmten den Alltag.
Mitarbeitende des Gleis 21 und des Jugendmigrationsdienstes halfen der Familie bei den ersten Schritten. „Wir wurden sehr schnell unterstützt“, erzählt Yuliia. Sie lernte Deutsch, schaffte ihren Schulabschluss und fand schließlich ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule. Dort unterstützte sie selbst Kinder, die erst seit Kurzem in Deutschland lebten. Inzwischen möchte sie eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin machen.
Ratzeburg ist für sie längst zur Heimat geworden. Die Verbindung zum Gleis 21 besteht weiterhin. „Wenn ich mir vorstelle, dass das Gleis 21 schließen muss, weil Geld fehlt, würde ich das sehr traurig finden. Denn es ist für mich ein Anker.“
Alireza Asadollahi: „Mein zweites Zuhause“
Auch Alireza Asadollahi fand im Gleis 21 Menschen, die ihm halfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Als er 2018 aus dem Iran nach Ratzeburg kam, war er allein, sprach kein Deutsch und hatte Angst vor der Zukunft. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung empfahl ihm, sich an das Gleis 21 zu wenden.
Dort half man ihm beim Deutschlernen, bei Behördengängen und schließlich auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Alireza wurde Maler und engagiert sich heute bei der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg. Mehrmals in der Woche kommt der inzwischen 31-Jährige ins Gleis 21, um selbst Kinder und Jugendliche zu unterstützen. „Ich möchte etwas zurückgeben“, sagt er.
Was ihm die Einrichtung bedeutet, fasst er in einem Satz zusammen: „Die Menschen hier, diese Einrichtung – das sind meine zweite Familie, mein zweites Zuhause.“
10.000 Euro fehlen jährlich
Drei Lebensgeschichten, die zeigen, welche Bedeutung das Gleis 21 für Ratzeburg hat. Doch die Finanzierung der Einrichtung ist nicht vollständig gesichert. Bislang betrugen die jährlichen Mietkosten rund 20.000 Euro. Durch den Wegfall bisheriger Finanzierungsmöglichkeiten fehlen ab 2027 noch 10.000 Euro pro Jahr.
Die Diakonie Herzogtum Lauenburg sucht deshalb Menschen, Unternehmen und Institutionen, die das Gleis 21 mit Spenden oder einer längerfristigen finanziellen Unterstützung fördern möchten.
Für Kassebaum geht es dabei um mehr als die Finanzierung von Räumen: „Hier bekommen Menschen nicht nur Hilfe. Sie entwickeln Perspektiven, gewinnen Vertrauen und übernehmen später selbst Verantwortung für andere. Diese Arbeit möchten wir unbedingt fortsetzen.“
So können Sie das Gleis 21 unterstützen:
10 000 Euro fehlen dem Gleis 21, um die Mietkosten für das kommende Jahr zu zahlen. Wer die Einrichtung finanziell mit einer Spende unterstützen möchte, die Kontonummer lautet:
Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg
Diakonisches Werk Herzogtum Lauenburg
Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg
IBAN: DE29 2305 2750 0086 0400 37
Verwendungszweck: “Gleis 21 Hilfe” (bitte unbedingt angeben!)