Das Gleis 21 in Ratzeburg braucht Unterstützung

Seit 20 Jahren ist das Gleis 21 eine feste Größe im Ratzeburger Stadtteil St. Georgsberg. Täglich kommen hier Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr beschäftigt die Verantwortlichen eine bange Frage: Wie kann die Finanzierung der Einrichtung langfristig gesichert werden? Ab 2027 fehlen jährlich 10.000 Euro für die Miete. Die Diakonie Herzogtum Lauenburg sucht deshalb dringend Menschen und Institutionen, die das Gleis 21 finanziell unterstützen.

Gleis 21 in Ratzeburg: Finanzierung ab 2027 noch nicht gesichert

Ratzeburg (bm). Was vor 20 Jahren als offener Treffpunkt für junge Menschen begann, ist heute eine Anlaufstelle für einen ganzen Stadtteil. Das Gleis 21 in Ratzeburg hat sich längst zu einem generationsübergreifenden Begegnungsort entwickelt. Doch während die Bedeutung der Einrichtung über die Jahre gewachsen ist, steht ihre Finanzierung vor einer neuen Herausforderung: Ab Januar 2027 fehlt die Hälfte der jährlich benötigten Mietkosten in Höhe von 20.000 Euro.

Grund für die finanziellen Engpässe sind Veränderungen bei der Förderung: Das Bundesprogramm RespektCoaches wird eingestellt. Der Jugendmigrationsdienst darf künftig keine Mietkostenanteile mehr übernehmen. Damit brechen zwei elementare Finanzierungsbausteine weg.

Dr. Ulf Kassebaum, Leiter der Diakonie Herzogtum Lauenburg, erinnert an die Anfänge der Einrichtung: „Bevor wir hier mit unserer Arbeit begonnen haben, galten Teile von St. Georgsberg als Problemstadtteil. Mit dem Gleis 21 ist in kürzester Zeit ein Ort entstanden, der Menschen zusammenbringt, Perspektiven eröffnet und das Miteinander im Stadtteil nachhaltig verändert hat.“

Dass dies gelungen sei, liege auch an der herausragenden Partnerschaft mit der Stadt Ratzeburg, betont Kassebaum. Über zwei Jahrzehnte hinweg hätten Stadt und Diakonie gemeinsam Verantwortung übernommen und die Entwicklung der Einrichtung begleitet.

Stadt Ratzeburg hält an finanzieller Unterstützung fest

Ratzeburgs Bürgermeister Eckhard Graf unterstreicht die Bedeutung des Gleis 21 für die Stadt: „Was die Mitarbeitenden hier seit zwei Jahrzehnten leisten, ist herausragend. Das Gleis 21 ist weit mehr als eine soziale Einrichtung. Es ist ein Ort der Begegnung, der Unterstützung und des Zusammenhalts.“ Die Diakonie sei für Ratzeburg ein verlässlicher Partner. „Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen müssen wir Prioritäten setzen. Für uns steht fest, dass wir unseren Anteil an der Finanzierung auch künftig leisten werden.“ Die verbleibenden 10.000 Euro muss die Diakonie allerdings auf anderem Wege aufbringen.

Vom Jugendtreff zum Treffpunkt aller Generationen

Was als Bundesmodellprojekt zur offenen Jugendarbeit begann, hat sich über die Jahre erheblich verändert. „Längst sind wir kein reiner Jugendtreff mehr“, sagt Christian Klingbeil, Fachbereichsleiter der Diakonie im Gleis 21. „Wir haben unsere Angebote kontinuierlich erweitert und an den Bedürfnissen der Menschen im Stadtteil ausgerichtet. Heute sind hier alle Generationen zu Hause.“

Das beginnt bei Angeboten für Kleinkinder und Familien, reicht über die klassische Jugendsozialarbeit bis hin zu Begegnungsmöglichkeiten für ältere Menschen und Seniorengruppen. Durchschnittlich 50 bis 60 Menschen kommen täglich ins Gleis 21. Bei großen Veranstaltungen sind es bis zu 200 Besuchende.

Entscheidend sei dabei die enge Verbindung zum Stadtteil, sagt Klingbeil. Die Angebote orientierten sich nicht an einem starren Konzept, sondern an den Menschen, die dort leben. „Wir schauen, was gebraucht wird, und entwickeln daraus unsere Arbeit.“ So sei über die Jahre ein Ort entstanden, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und mit ganz verschiedenen Lebensgeschichten selbstverständlich zusammenkommen.

„Ein Beispiel dafür, was diakonische Arbeit bewirken kann“

Für Philip Graffam, Propst im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, steht das Gleis 21 beispielhaft für die gesellschaftliche Bedeutung kirchlicher und diakonischer Arbeit. „Das Gleis 21 zeigt auf beeindruckende Weise, was entstehen kann, wenn Menschen über viele Jahre verlässlich füreinander da sind. Hier wird nicht nur über Zusammenhalt gesprochen, hier wird er jeden Tag gelebt.“

Die Einrichtung sei ein Best-Practice-Beispiel dafür, wie stadtteilorientierte Sozialarbeit gelingen könne. Aus einem Angebot für junge Menschen ist ein Ort geworden, an dem Generationen und Lebenswelten zusammenfinden. Solche Orte sind für unsere Gesellschaft von unschätzbarem Wert, so Graffam.

Förderer für die Mietkosten gesucht

Die Suche nach einer Lösung läuft bereits. Gespräche mit potenziellen Geldgebern hat die Diakonie geführt, bislang jedoch ohne Erfolg. Dabei zeigt sich ein grundsätzliches Problem bei der Finanzierung sozialer Einrichtungen. „Viele sagen, dass sie keine Mieten von Einrichtungen finanzieren wollen oder dürfen“, berichtet Kassebaum. Während sich für einzelne Projekte und konkrete Angebote häufig Fördermöglichkeiten finden ließen, sei die Finanzierung der notwendigen Räume deutlich schwieriger.

Doch ohne Räume könne auch die beste soziale Arbeit nicht stattfinden. Deshalb wendet sich die Diakonie jetzt öffentlich an Unternehmen, Stiftungen, Institutionen und Privatpersonen und bittet, sich an der Finanzierung des Gleis 21 zu beteiligen. Die Stadt Ratzeburg unterstützt diesen Aufruf ausdrücklich. Viel Zeit bleibt den Verantwortlichen nicht: Schon zum Jahreswechsel entsteht die Finanzierungslücke. „Wir freuen uns über jeden und jede, die unsere Arbeit unterstützen“, sagt Kassebaum. 

 

So können Sie das Gleis 21 unterstützen:

10 000 Euro fehlen dem Gleis 21, um die Mietkosten für das kommende Jahr zu zahlen. Wer die Einrichtung finanziell mit einer Spende unterstützen möchte, die Kontonummer lautet:

Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg
Diakonisches Werk Herzogtum Lauenburg

Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg
IBAN: DE29 2305 2750 0086 0400 37

Verwendungszweck: “Gleis 21 Hilfe” (bitte unbedingt angeben!)

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