Delegation aus Papua-Neuguinea besucht den Kirchenkreis
Lübeck. Seit vielen Jahren verbindet die Kirchengemeinden Basthorst und Breitenfelde sowie den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg eine Partnerschaft mit Kirchengemeinden aus dem Kotte-District in der Provinz Morobe in Papua-Neuguinea. Drei Gäste aus der Region sind zurzeit zu Besuch im Kirchenkreis und berichten von ihrer Lebensrealität vor Ort.
Pastor Erena Waraga, Tanya Zeriga und Barnabas Hefanang haben in den drei Wochen ihres Besuchs viele Termine in und um Lübeck. So kamen sie auch in die Kirchenkanzlei in der Bäckerstraße, um sich dort den Mitarbeitenden der Verwaltung vorzustellen und mit ihnen auszutauschen.
Klimawandel gefährdet Lebensgrundlage
Im Rahmen eines Empfangs und einer Andacht unter der Leitung von Propst Philip Graffam und Ökumenepastor Kai Feller berichteten die drei Gäste von den Themen vor Ort.
Eine der größten Herausforderungen in Papua-Neuguinea mit seinen mehr als 10 Millionen Einwohnern und rund 800 verschiedenen Sprachen ist der Klimawandel. Die Menschen in den ländlich gelegenen Dörfern leben größtenteils subsistent von den Erträgen ihrer traditionellen Gärten, fernab von Märkten und Einkaufsmöglichkeiten. Mehr als 70 Prozent der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft.
Sie brauche zweieinhalb Tage, um aus der Hauptstadt in ihr Dorf zu gelangen, berichtete Tanya Zeriga, die sich als Umweltwissenschaftlerin vor Ort mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt. “Diese Tatsache zeigt, dass in den Dörfern grundlegende Dinge fehlen”, so Zeriga.
Leben mit der Gefahr einer Flut
Sie erläuterte in einer Präsentation die dramatischen Veränderungen der traditionellen Anbauweisen. Erst 2024 trat der Fluss Waria über die Ufer und zerstörte die Lebensgrundlage vieler Menschen. Vier große Überschwemmungen habe es in den letzten zehn Jahren gegeben, so Zeriga. Die Zerstörung der Wälder durch große Konzerne, verstärke das Problem. Die Regendauer und -häufigkeit habe sich massiv verändert. Ein eigens entwickelter Regenkalender soll den Menschen helfen, sich den Änderungen anzupassen. Auch die Entwicklung von Notfallplänen im Falle einer Flut sei zentral - mit der ständigen Gefahr zu leben, die große Herausforderung. “Mich bewegt es sehr, zu sehen, wie sich die Gartenkultur durch den Klimawandel verändert und welche Verluste ihr erleiden müsst”, so Propst Graffam.
Mangelnde Perspektiven für junge Menschen
Besonders für die Jugend seien die Bedingungen in Papua-Neuguinea schlecht, berichtete Barnabas Hefanang, der sich persönlich in dem Bereich engagiert. “Junge Menschen wollen die Dörfer verlassen, finden aber in den Städten oft keine Arbeit, keine Perspektive”, so Hefanang. “Die Arbeitslosigkeit ist eine große Herausforderung.”
Auseinandersetzung mit kolonialer Perspektive
Neben der Teilnahme an Konferenzen und Besuchen in den Partnergemeinden, steht auch Kultur auf dem Plan des knapp dreiwöchigen Aufenthalts. Im Anschluss des Empfangs erzählte Tanya Zeriga vom Besuch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte und der Galerie der Moderne auf Schloss Gottorf in Schleswig.
Anhand einiger Kunstwerke Emil Noldes kam das Gespräch auf den Umgang mit dem kolonialen Erbe. Der Künstler schuf bei seiner Teilnahme an der “Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition” (1913/1914) rund 250 Porträts von Indigenen in Papua-Neuguinea. Aus heutiger Sicht aus einer romantisierenden kolonialistisch geprägten Perspektive auf die sogenannten “unberührten Einheimischen”.
Kolonialisierung und Sprache
Wie sieht die heutige Sichtweise auf diese Kunst aus? Damals wie heute werde in dem Zusammenhang oft das Wort “ursprünglich” (Engl. “premordial”) verwendet, so Tanya Zeriga. Sie sehe das sehr kritisch. “Für mich heißt es, dass etwas ‘ohne Form’ existiert. So war es nicht. 1914 ist erst gut 100 Jahre her. Ich kann die Vergangenheit meiner Vorfahren bis zu den Ururgroßeltern nachvollziehen. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon organisiert, wir waren zivilisiert und hatten eine Kultur." Die Wortwahl sei problematisch - gleichzeitig gebe es solche Kategorisierungen auch heutzutage noch.
Wie eng die Geschichte Papua-Neuguineas mit der Kolonialisierung verbunden ist, zeigt sich an vielen Stellen. Zeriga betonte, dass die Menschen in ihrer Heimat nicht viel über die länger zurückliegende Vergangenheit wüssten, weil es darüber kaum Forschungen und Dokumentationen gebe. “Unsere Dokumentation startet mit der Missionierung.”
Im Rahmen des Empfangs dankten Propst Philip Graffam und Pastor Erena Waraga einander für die Verbundenheit. “Wir sind dankbar dafür, dass die Delegation hier ist und ihre Erfahrungen mit uns teilt. Die Partnerschaft lebt vom gegenseitigen persönlichen Austausch, für den ich ebenfalls sehr dankbar bin”, so Propst Graffam. “Wir werden von unseren Erfahrungen zuhause berichten und sie mit den Menschen teilen”, versicherte Pastor Waraga.
Am 25. September 2026 gibt es bei einem Gemeindeabend in der St. Marienkirche in Basthorst ab 19 Uhr die Gelegenheit, die Delegation zu treffen und ebenfalls Einblicke in ihre Themen zu erhalten.