Lübeck

Ein Stück Athen bleibt: Frauke Eiben ist wieder zu Hause

Lübeck/Athen. Zehn Monate lang war Athen ihr Zuhause. Nun ist Frauke Eiben zurück in Lübeck. Die ehemalige Pröpstin des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg hat als Pastorin die deutschsprachige evangelische Gemeinde in der griechischen Hauptstadt begleitet – mit Gottesdiensten, Taufen, Trauungen, Beerdigungen und vielen Begegnungen. Die Rückkehr nach Norddeutschland fühlt sich für sie noch ungewohnt an.

Pastorin auf Zeit: Zehn Monate in Griechenland 

„Ich habe mich sehr auf Zuhause gefreut. Auf meine Familie, Freundinnen und Freunde und auf meinen Garten“, erzählt Eiben. Doch ganz angekommen sei sie noch nicht. „Jetzt bin ich in der dritten Woche wieder hier und merke, dass es ein wenig Zeit braucht. Es fühlt sich noch irgendwie dazwischen an.“

Die deutschsprachige evangelische Gemeinde in Athen ist eine kulturell offene Gemeinschaft. Menschen aus Deutschland, Griechenland und Gäste aus weiteren Ländern kommen dort zusammen. Für Frauke Eiben wurde gerade diese Vielfalt zu einer der prägendsten Erfahrungen ihres Aufenthalts.

“Mein Wunsch hat sich erfüllt”

Mein Wunsch, vor allem für Gottesdienste, Kasualien und Seelsorge zuständig zu sein, hat sich erfüllt“, sagt sie. „Es hat mir große Freude gemacht, beinahe an jedem Sonntag auf der Kanzel zu stehen.“ Besonders bereichernd sei die interkulturelle Arbeit gewesen. „Bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen war die Gemeinde oft sehr gemischt – griechisch, englisch, spanisch, niederländisch, deutsch oder italienisch. Das braucht mitunter Kreativität, ist aber immer spannend. Ich habe dabei selbst unglaublich viel gelernt.“

Auch persönlich blickt die Theologin auf eine intensive Zeit zurück. Zum ersten Mal lebte sie über einen so langen Zeitraum allein im Ausland. „Ich habe gemerkt, dass ich alleine gut zurechtkomme. Aber ich habe auch festgestellt, dass es schöner ist, wenn die Familie in Rufweite ist.“ Umso mehr habe sie sich über Besuch aus Deutschland gefreut. „Jeder Besuch war etwas Besonderes. Es hat mir große Freude gemacht, meine Lieblingsorte in Athen mit anderen zu teilen.“

Leben mit zwei Identitäten

Nachhaltig bewegt haben sie vor allem die Geschichten vieler Gemeindemitglieder. „Viele Frauen sind vor Jahrzehnten der Liebe wegen nach Griechenland gegangen und haben einen Griechen geheiratet. Heute leben sie mit zwei Identitäten. Das ist eine große Bereicherung, brachte aber auch Entbehrungen mit sich.“ Diese Lebensgeschichten hätten sie tief beeindruckt.

Ebenso habe sie die soziale Not in der Millionenstadt nicht losgelassen. „Es gibt Menschen, die in Athen gestrandet sind und Hilfe brauchen. Papiere, Essen, Trinken oder finanzielle Unterstützung. Eine kleine Kirchengemeinde kann nicht alle Not lindern. Aber sie tut das, was sie kann. Das finde ich wunderbar.“

Als Herausforderung beschreibt Eiben die Beziehungen zur orthodoxen Kirche. „Die Zusammenarbeit war schwer.“ Gleichzeitig hebt sie die ökumenischen Kontakte zu den protestantischen Gemeinden hervor. „Es gibt ein wunderbares Netzwerk. Das war für mich eine sehr positive Erfahrung.“

Ich blicke anders auf Griechenland

Ob Athen sie verändert hat? Die Antwort fällt ihr schwer. „Vielleicht. Aber so genau kann ich das noch nicht sagen.“ Sicher sei jedoch, dass sie heute anders auf Griechenland blickt. „Ich höre die Nachrichten von dort viel aufmerksamer – gerade jetzt mit der Sorge um die Waldbrände.“ Außerdem lernt Frauke Eiben weiterhin Griechisch. „Einmal in der Woche habe ich Unterricht. Das möchte ich unbedingt fortsetzen.“

“Es sind Freundschaften entstanden”

Ganz verabschieden möchte sie sich von Athen ohnehin nicht. „Ich werde die Gemeinde auf jeden Fall wieder besuchen. Es sind Freundschaften entstanden.“ Gleichzeitig hofft sie auf Gegenbesuch in Lübeck. Besonders würde sie sich freuen, den Kirchenmusiker Christos Paraskevopoulos wiederzusehen. „Er ist ein großer Buxtehude-Fan. Für ihn wäre es das Größte, einmal auf der Orgel von St. Marien zu spielen. Wer weiß, vielleicht klappt das ja.“

Gefragt danach, ob die Kirche in Deutschland etwas von der Gemeinde in Athen lernen könne, muss Frauke Eiben nicht lange überlegen. „So viele Unterschiede gibt es eigentlich gar nicht. Aber vielleicht können wir uns ein Stück der selbstverständlichen interkulturellen Offenheit und ein wenig griechische Lockerheit abschauen.“

Was Frauke Eiben vermisst

Und obwohl sie froh ist, wieder in Lübeck zu sein, gibt es Dinge, die ihr fehlen. „Ich vermisse den Wochenmarkt mit dem wunderbaren Gemüse und dem Obst, das nach Sonne schmeckt. Ich vermisse den Blick von meinem Balkon auf die morgendliche Stadt und den Lykabettos-Berg.“ Vor allem aber seien es die Menschen, an die sie oft denke. „Viele sind mir in diesen zehn Monaten ans Herz gewachsen.“