Eineinhalb Jahre unter einem Kirchendach: Ökumene in Eichholz bewährt sich
Lübeck. Ein Handgriff genügt: Das Bücherregal im Eingangsbereich der St.-Christophorus-Kirche wird vor dem Gottesdienst einfach umgedreht. Auf der einen Seite stehen die evangelischen Gesangbücher, auf der anderen die katholischen. Ganz unkompliziert und ohne viel Aufwand – wie auch das Zusammenleben der evangelischen Kirchengemeinde St. Christophorus und der katholischen Liebfrauen-Gemeinde. Seit eineinhalb Jahren nutzen die Gemeinden die Kirche gemeinsam und es zeigt sich: Ökumene unter einem Kirchendach funktioniert gut. Gottesdienste, Gruppenangebote und Veranstaltungen finden Tür an Tür statt.
Bereits vor dem Umzug am 1. Dezember 2024, nach der Schließung der katholischen Liebfrauenkirche, verband beide Gemeinden eine langjährige ökumenische Zusammenarbeit. Mit der gemeinsamen Nutzung von Kirche und Gemeinderäumen hat sich diese Partnerschaft weiter vertieft: „Das Schönste für mich ist, dass die beiden Gemeinden immer weiter zusammenwachsen. Wir leben alle im selben Stadtteil und begegnen uns inzwischen ganz selbstverständlich im Alltag“, sagt Sabine Trilke, Vorsitzende des Kirchengemeinderates der St.-Christophorus-Gemeinde.
Auch im Kirchenraum spiegelt sich dieses Miteinander wider: Die Figuren des heiligen Christophorus und der Gottesmutter Maria stehen bewusst auf Augenhöhe nebeneinander. „Gerade diese kleinen Dinge waren uns wichtig. Niemand sollte das Gefühl haben, mehr oder weniger Raum zu haben“, sagt Trilke.
„Wir haben von Anfang an offen miteinander gesprochen.“
Die gemeinsame Nutzung brachte Veränderungen mit sich. Beide Gemeinden mussten Abläufe abstimmen und den Kirchenraum teilweise neugestalten. Vieles ließ sich jedoch unkompliziert lösen: „Den Kerzenopfertisch nutzen wir für alle und jede Gemeinde hat ihre eigene Liedanzeigetafel.“ Verbrauchsmaterial bestellen beide Gemeinden zusammen, Lagerflächen wurden neu organisiert, Termine stimmen sie eng miteinander ab und für liturgische Besonderheiten fanden sie praktische Lösungen.
„Entscheidend war, dass wir von Anfang an offen miteinander gesprochen haben. Jeder sollte sich ernst genommen fühlen und niemand den Eindruck haben, zurückgesetzt zu werden. Das hat vieles erleichtert“, so Trilke.
An Weihnachten zeigt sich, wie selbstverständlich die Zusammenarbeit geworden ist. Beide Gemeinden wechseln sich beim Aufbau der Krippe ab. „Im vergangenen Jahr entstand daraus sogar zufällig eine ökumenische Krippe mit den Figuren der katholischen Gemeinde und dem Stall der evangelischen Gemeinde“, erzählt die Gemeinderatsvorsitzende.
Ökumenische Gottesdienste, Feste und neue Traditionen
Mit dem Zusammenleben der beiden Gemeinden ist außerdem die Zahl der ökumenischen Gottesdienste gewachsen. Neben dem Schulanfängergottesdienst und dem Gottesdienst zum Reformationstag feiern die Gemeinden inzwischen einen gemeinsamen Neujahrsgottesdienst sowie eine ökumenische Bibelwoche zusammen mit der Paulus-Kapelle in Eichholz.
Auch musikalisch verbinden sich die beiden Gemeinden: Bei den vergangenen ökumenischen Gottesdiensten bildeten der katholische Chor und der Eine-Welt-Chor der St.-Christophorus-Gemeinde erstmals einen gemeinsamen Chor. Sabine Trilke erinnert sich: „Da war ich richtig gerührt. Das kann man nicht anordnen. Das ist einfach gewachsen.“
Wie von selbst entstehen neue Traditionen. Zum Reformationstag pflanzten beide Gemeinden einen Apfelbaum und feierten anschließend bei Apfelkuchen zusammen. „Den Reformationstag wollen wir auch in diesem Jahr wieder mit Apfelkuchen feiern“, betont Trilke. In diesem Sommer fand zudem erstmals ein gemeinschaftliches Sommerfest statt.