Engagiert im Solizentrum: Günter-Harig-Preis für Ilir Kryemadhi
Lübeck. "Motivation, weiterzumachen, brauche ich nicht. Die trage ich schon lange in meinem Herzen", sagt Ilir Kryemadhi. Der gebürtige Albaner engagiert sich seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich im Solidaritätszentrum in Lübeck. Für seinen ausdauernden Einsatz erhält er nun den Günter-Harig-Preis.
"Ich habe hier meine zweite Familie gefunden"
Sein Tag beginnt früh: Jeden Morgen steht Ilir Kryemadhi um fünf Uhr auf und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Der gelernte Maler und Lackierer arbeitet derzeit auf einer Baustelle im rund eineinhalb Stunden entfernten Rendsburg. Wenn er gegen 17 Uhr nach Lübeck zurückkehrt, ist sein Arbeitstag allerdings noch längst nicht vorbei. Oft führt ihn sein Weg anschließend ins Solidaritätszentrum zum CiclettaClub, einer Fahrradwerkstatt, in der Menschen Unterstützung bei der Reparatur ihrer Fahrräder bekommen.
Offiziell ist die Werkstatt sonnabends von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Doch Ilir Kryemadhi hilft auch außerhalb dieser Zeiten, wenn jemand seine Unterstützung braucht. Seit der Gründung des CiclettaClubs im Jahr 2016 gehört er fest zum Solidaritätszentrum. "Die Arbeit hier ist wie Luft zum Atmen für mich", sagt er. Und fügt hinzu: "Ich habe hier meine zweite Familie gefunden."
Solidaritätszentrum Lübeck: Helfen, wo Unterstützung gebraucht wird
Seine Geschichte im Solidaritätszentrum begann bereits ein Jahr zuvor. 2015 kam Ilir Kryemadhi aus Albanien nach Deutschland. Zunächst lebte er in einer Schule in Lübeck-Moisling und danach in Containern auf dem Volksfestplatz. Ende des Jahres führte ihn sein Weg spontan zum Solidaritätszentrum in der Willy-Brandt-Allee.
Das Solidaritätszentrum war im Sommer 2015 entstanden, um geflüchtete Menschen mit Übernachtungsplätzen, Nahrungsmitteln, Kleidung und medizinischer Hilfe zu unterstützen: "Dort sah ich, dass Hilfe gebraucht wurde. Ich durfte in der Zeit selbst nirgendwo arbeiten und fragte, ob ich dort mithelfen darf."
Von da an brachte er seine handwerklichen Fähigkeiten dort ein, wo sie benötigt wurden. Er half bei der Gestaltung und Instandsetzung der Gebäude und engagierte sich später auch im CiclettaClub. Aus der anfänglichen Unterstützung wurde ein dauerhaftes Ehrenamt. "Ich lebe dafür, dass ich helfen kann und die Leute zufrieden und glücklich sind", sagt Ilir Kryemadhi.
"Mit einer Menschenfreundlichkeit, die ihresgleichen sucht"
Dass sein Einsatz weit über gelegentliche Unterstützung hinausgeht, betont auch Heike Behrens vom Flüchtlingsforum Lübeck. Sie hat Ilir Kryemadhi beim St. Petri Kuratorium für den Günter-Harig-Preis vorgeschlagen: "Das Besondere an der Mithilfe von Herrn Kryemadhi ist, dass er nicht wie viele nur ein paar Monate im Solizentrum mithalf, sondern zu den ganz wenigen gehört, die bis heute dageblieben sind. Und das in einer Konstanz und mit einer Menschenfreundlichkeit, die ihresgleichen sucht."
St. Petri Kuratorium würdigt Einsatz für das Gemeinwohl
Mit dem Günter-Harig-Preis zeichnet das St. Petri Kuratorium seit 2016 jedes Jahr Menschen aus, die sich für das Gemeinwohl in Lübeck einsetzen. "Der Preis geht an Menschen, die ganz konkret anpacken – oft im Kleinen und dort, wo es kaum jemand sieht. Gerade dieses stille Engagement kann unglaublich viel bewirken", sagt St.-Petri-Pastorin Lilly Schaack.
Auch Ilir Kryemadhi stehe beispielhaft für dieses Engagement. Er gehöre zu den "Menschen, die selbst nicht das Rampenlicht suchen, sondern einfach sehen, wo sie gebraucht werden. Dass er das seit vielen Jahren mit einer solchen Verlässlichkeit und Bescheidenheit tut, hat das St. Petri Kuratorium besonders beeindruckt", so die Pastorin.
Ilir Kryemadhi selbst freut sich über die Wertschätzung durch den Günter-Harig-Preis, möchte aber auch betonen, dass ihn seine Kolleg:innen aus dem Solidaritätszentrum ebenfalls verdient hätten: "Es gibt hier Menschen, die schon so lange dabei sind und so viel machen. Auch für sie ist dieser Preis."
Preisverleihung am 21. Oktober in der Petrikirche
Die feierliche Verleihung des Günter-Harig-Preises findet am 21. Oktober 2026 in der Petrikirche in Lübeck statt. Die Laudatio hält Heike Behrens vom Flüchtlingsforum. Es wird Live-Musik geben und im Anschluss einen Empfang. Das Preisgeld von 1.500 Euro und den Festakt finanziert die Kurt-Werner-und-Anneliese-Mellingen-Stiftung. Der Eintritt ist frei. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung unter info@st-petri-luebeck.de gebeten.