Friedensdekade 2026: Zwölf Orte, zwölf Tage, ein Anliegen
Lübeck/Ratzeburg. Was hat Schuldnerberatung mit Frieden zu tun? Welche Rolle spielen Seelsorge, Jugendarbeit oder der Umgang mit Geflüchteten? Und wie kann Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen gelingen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Ökumenische Friedensdekade vom 7. bis 18. November 2026 im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg.
Neue Akzente für die Friedensdekade
Unter dem Motto „Selig sind, die Frieden stiften“ laden zwölf Kirchengemeinden zu Gottesdiensten, Friedensgebeten und Gesprächen ein. Den Abschluss bildet ein Requiem für die Toten an den EU-Außengrenzen in der Lübecker St.-Jakobi-Kirche. „Gottes Frieden wächst dort, wo Menschen mutig handeln und Unrecht benennen“, sagt Anne Freudenberg-Klopp, Leiterin der Dienste und Werke im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg.
Für sie gehört zum Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es gehe auch darum, Verantwortung zu übernehmen, Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein zu lassen und gesellschaftliche Missstände anzusprechen. „Lassen Sie uns gemeinsam mutig und mitfühlend sein. Denn ohne Mitgefühl bleibt jeder Friedensruf leer.“
Frieden beginnt im Alltag
Die Veranstaltungen greifen unterschiedliche Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu auf und verbinden sie mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Dabei geht es um Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und den Umgang miteinander.
Die Kirchengemeinden haben sich dafür mit den Diensten und Werken des Kirchenkreises zusammengeschlossen. Mitarbeitende aus der Krankenhaus- und Telefonseelsorge, der Schuldnerberatung, der Jugendarbeit, dem Frauenwerk und der Flüchtlingsarbeit bringen ihre Erfahrungen ein. Auch Fragen der Generationengerechtigkeit, der psychischen Gesundheit und des interreligiösen Dialogs stehen auf dem Programm.
Ein sichtbares Zeichen verbindet die zwölf Veranstaltungen miteinander: Eine überdimensionale Friedenstaube wird während der Friedensdekade von einem Veranstaltungsort zum nächsten reisen und so durch den gesamten Kirchenkreis ziehen. Außerdem liegen bei allen Veranstaltungen Friedenspostkarten für die Besucherinnen und Besucher bereit. Sie sollen den Friedensgedanken über die Gottesdienste und Gespräche hinaus weitertragen.
Von der Technomesse bis zum Requiem
Wie unterschiedlich die Auseinandersetzung mit dem Thema Frieden aussehen kann, zeigt bereits der Auftakt: Am Sonnabend, 7. November 2026, beginnt die Friedensdekade mit einer Technomesse in der Maria-Magdalenen-Kirche in Lauenburg. Einen Tag später wird in der Martin-Luther-Kirche in Wentorf ein Gottesdienst gefeiert, an dem unter anderem Menschen aus der Schuldnerberatung, der Jugendarbeit und der Sozialstation mitwirken.
Am 9. November 2026 erinnert ein Friedensgebet in Lübeck-Kücknitz an die Reichspogromnacht von 1938. Weitere Veranstaltungen beschäftigen sich unter anderem mit Trauer, Krankenhausseelsorge und der Frage, wie unterschiedliche Generationen gerecht miteinander leben können.
Den Abschluss bildet am Buß- und Bettag, 18. November 2026, ein „Requiem für die Toten an den EU-Außengrenzen“ in St. Jakobi in Lübeck. Die Veranstaltung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Theater Lübeck, der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye und weiteren Partnern. Sie erinnert an Menschen, die auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind.
Eine Friedensbewegung mit Geschichte
Die Ökumenische Friedensdekade hat ihre Wurzeln in der kirchlichen Friedensbewegung der 1970er-Jahre. Seit 1980 wird sie in Deutschland begangen. Besonders in der DDR entwickelte sie sich zu einem wichtigen Ausdruck christlichen Engagements für Gewaltfreiheit und Abrüstung. Das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde zum Erkennungszeichen einer Bewegung, die sich auch gegen staatliche Widerstände für den Frieden einsetzte. Bis heute verbindet die Friedensdekade Gebet und gesellschaftliche Verantwortung. Im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg wird dieser Gedanke 2026 an zwölf Tagen und zwölf unterschiedlichen Orten aufgegriffen.
Das Programm 2026
Sa, 7. November 2026 | 19-21 Uhr | Technomesse
Maria-Magdalenen-Kirche, Kirchplatz 3, 21481 Lauenburg
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ – „Demokratie und Frieden“ mit Pastor Hans-Christian Baden-Rühlmann
So, 8. November 2026 | 10 Uhr | Gottesdienst
Martin-Luther-Kirche
Reinbeker Weg 27, 21465 Wentorf bei Hamburg
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ – Auftakt der Friedensdekade mit Katrin Thomas (Präses der Kirchenkreissynode), Pastorin Ulrike Lenz und Vertreter aus der Schuldnerberatung, Jugendarbeit und Sozialstation
Mo, 9. November 2026 | 18:30 Uhr | Friedensgebet
St.-Johannes-Kirche
Kirchplatz 6, 23569 Lübeck-Kücknitz
„Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.“ – Gedenken an die Reichspogromnacht 9. November 1938 mit Pastor Albrecht Martins und Ökumenepastor Kai Feller
Di, 10. November 2026 | 19 Uhr | Friedensgebet
St.-Petri-Kirche, Hauptstraße 19a, 21483 Gülzow
„Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ – „Trauer und Frieden“ mit Pastor Stephan Krtschil und Mareike Hansen (Pastorin für Trauerbegleitung und Hospizseelsorge)
Mi, 11. November 2026 | 19 Uhr | Friedensgebet
St.-Johannis-Kirche, Kanalstraße 3, 21514 Siebeneichen
„Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ – „(Krankenhaus-)Seelsorge und Frieden“ mit Pastor Stefan Wilmer und Pastorin Christine Grossmann (Krankenhausseelsorge, Sana-Klinikum Lübeck)
Do, 12. November 2026 | 18:30 Uhr | Friedensgebet
St.-Philippus-Kirche, Schlutuper Straße 52, 23566 Lübeck
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ – „Interreligiöser Dialog und Frieden“ mit Pastor Björn Maagk und Diakonin Sigrid Awe sowie einer Lehrerin mit Schüler aus Berufsschulklassen der Hanseschule Lübeck
Fr, 13. November 2026 | 16:30 Uhr | Friedensgebet
Simeonkapelle im Seniorenwohnsitz „Augustinum“
Sterleyer Str. 44, 23879 Mölln
„Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“ – „Generationengerechtigkeit und Frieden“ mit Pastor Torben Stamer, Konfirmand und Gemeindepädagogin Simone Siemers (Seelsorgerin im Augustinum)
Sa, 14. November 2026 | 18-19 Uhr | Friedensgespräch
Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Petri
Schrangenstraße 3, 23909 Ratzeburg
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ – „Gemeinsam für den Frieden“ mit Pastorin Wiebke Keller, Respektcoach Nina Hehn oder Karoline Michaelis (Leiterin Familienbildungsstätte Ratzeburg)
So, 15. November 2026 | 10 Uhr | Gottesdienst
Dom zu Lübeck, Domkirchhof, 23552 Lübeck
„Selig sind, die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ – „Telefonseelsorge und Frieden“ mit Pastorin Margrit Wegner und Pastor Frank Gottschalk (Telefonseelsorge Lübeck)
Mo, 16. November 2026 | 18:30 Uhr | Friedensgebet
Maria-Magdalenen-Kirche
Kirchstraße 4, 23919 Berkenthin
„Selig, die die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“ – „Frauen und Frieden“ mit Vikarin Marie Drube, Lexa Harloff-Düring, Johannes Düring, Ansgar Byron von der Initiative „Schau genau hin“ und Silke Meyer (Leiterin des Ev.-Luth. Frauenwerk)
Di, 17. November 2026 | 19 Uhr | Friedensgebet
St.-Stephanus-Kirche, Dornierstraße 52, 23568 Lübeck
„Selig sind, die geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich.“ – „Mental Health und Frieden“ mit Pastor Reinhard von Kries, Prädikantin Ursula Hauser und Pastorin Dr. Anne Wehrmann-Kutsche (Krankenhausseelsorge UKSH in Lübeck)
Mi, 18. November 2026 | 18 Uhr | Abschluss
St.-Jakobi-Kirche, Jakobikirchhof 3 in 23552 Lübeck
„Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.“ – „Requiem für die Toten an den EU-Außengrenzen“ mit Pastorin Susanne Reich (Pastorin an St. Jakobi), Pastorin Elisabeth Hartmann-Runge (Flüchtlingsbeauftragte im Kirchenkreis) und in Kooperation mit dem Theater Lübeck, dem Büro der Landesbeauftragten Flucht/Asyl und Zuwanderungsfragen SH, der Seenot-Rettungs-Organisation Sea Eye und dem Lübecker Flüchtlingsforum e.V.