Für die Nordkirche in Durham: Lübecker Delegation bei Bischofseinführung
Lübeck. Mit einem gleichermaßen traditionellen wie symbolträchtigen Gottesdienst in der Kathedrale von Durham im Nordosten Englands ist der Right Reverend Rick Simpson jetzt (7. Juni 2026) offiziell als neuer Bischof von Durham in sein Amt eingeführt worden. Die Nordkirche wurde dabei durch Pastorin Margrit Wegner vom Lübecker Dom und Propst Oliver Erckens aus der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg vertreten.
Enge Freundschaft seit vielen Jahren
Beide überbrachten die Grüße und Segenswünsche von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Zwischen der Diözese Durham, der Nordkirche, dem Dom zu Lübeck und dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg besteht seit vielen Jahren eine enge und lebendige Partnerschaft, die durch regelmäßige Begegnungen und gemeinsame Projekte geprägt wird.
“Ich bin Rick, ein Freund von Jesus Christus”
Bereits der Beginn des Gottesdienstes setzte einen besonderen Akzent: Vor den mächtigen Toren der Durham Cathedral klopfte Rick Simpson mit seinem Bischofsstab an die Tür. Nachdem sie sich geöffnet hatte, trat ihm ein zehnjähriger Junge entgegen und fragte: „Wir grüßen dich im Namen Christi. Wer bist du und warum möchtest du eintreten?“ Die Antwort des neuen Bischofs lautete schlicht: „Ich bin Rick, ein Nachfolger und Freund von Jesus Christus.“
„Diese Sequenz hat mich tief berührt“, sagt Propst Oliver Erckens. „Hinter all den erhabenen Insignien und dem festlichen Gewand steht letztlich genau diese Haltung: Im Namen Jesu Diener der Menschen zu sein.“
Eindrucksvolle Momente für Lübecker Besucher
Auch Margrit Wegner, Pastorin im Dom zu Lübeck, zeigte sich beeindruckt von der Symbolik des Gottesdienstes. Besonders bewegend sei gewesen, dass sechs Kinder den neuen Bischof zu seinem Platz auf dem historischen Bischofsstuhl begleiteten. „In seiner Predigt hat Rick Simpson deutlich gemacht, dass er nicht auf diesem alten Stuhl sitzt, um sich selbst groß zu machen. Vielmehr versteht er sich als jemand, der gemeinsam mit den Menschen auf dem Weg ist.“
In seiner Antrittspredigt griff Simpson die Begegnung Jesu mit den Emmaus-Jüngern auf. Dabei zeichnete er das Bild eines Gottes, der Menschen auch auf ihren schwierigen und oft unübersichtlichen Lebenswegen begleitet.
„Bei all den Herausforderungen, mit denen die Kirche im Norden Englands ebenso wie im Norden Deutschlands zu tun hat, trägt der Glaube an Jesus Christus, der auf unserem oft holprigen Weg durchs Leben nie weit entfernt ist“, resümiert Erckens. „Ich habe einen Bischof kennengelernt, der sich getragen weiß von seinem Glauben und der langen Tradition, in der er steht. Er steht für eine Kirche, die Veränderungen als Chance begreift, ihre Wurzeln achtet und zugleich konsequent für die Würde jedes Menschen eintritt.“
Die Einführung des neuen Bischofs war zugleich Ausdruck der Jahrzehnte lange Verbindung zwischen der Nordkirche und der Diözese Durham. Offiziell wurde die Partnerschaft im Jahr 1999 begründet und 2015 durch die Unterzeichnung eines Bündnisses in Durham bekräftigt.
Landesbischöfin: Freundschaft ist ein Geschenk
„Die Verbindung zwischen der Diözese Durham und der Nordkirche ist seit vielen Jahren eine reiche Quelle gegenseitiger Ermutigung und geistlichen Wachstums“, betonte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt in einem schriftlichen Grußwort. „Über die Jahre sind daraus zahlreiche Begegnungen entstanden. Gerade in herausfordernden Zeiten schenkt uns diese Partnerschaft eine tragfähige Grundlage, um Gottes Liebe glaubwürdig in der Welt zu bezeugen.“
Zu diesen Begegnungen gehörten in den vergangenen Jahren unter anderem gemeinsame Pilgerreisen, Austauschprogramme für Konfirmandinnen und Konfirmanden, Besuche beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, Gottesdienste auf beiden Seiten der Nordsee sowie theologische Gespräche zu Fragen des Glaubens und kirchlichen Lebens. Auch gemeinsame Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs prägt die Verbindung bis heute.
Im Dom wird jeden Sonntag für Durham gebetet
Für Pastorin Wegner ist die Partnerschaft längst Teil des kirchlichen Alltags geworden. „Wir beten im Lübecker Dom jeden Sonntag für unsere Partnerkathedrale in Durham“, sagt sie. Umso größer sei die Freude gewesen, viele bekannte Gesichter wiederzusehen. Erst vor einem Jahr hatte eine Delegation aus Lübeck Durham besucht, inzwischen haben mehrere Gegenbesuche stattgefunden.
Marzipan für den neuen Bischof
„Die Partnerschaft lebt gerade sehr intensiv“, sagt Wegner. „Es ist großartig, wieder hier zu sein, die Menschen wiederzusehen und zu erleben, wie sich die Beziehungen weiterentwickeln. Wir haben unglaublich viele Eindrücke gesammelt und gespürt, wie wertvoll diese Verbindung für beide Seiten ist.“ Zur Einführung überreichten Oliver Erckens und Margrit Wegner dem neuen Bischof etwas, was nicht typischer für Lübeck hätte sein können: eine große Packung Marzipan.