"Für jüdisches Leben": Gedenk-Aktion vor Lübecker Synagoge
Lübeck. “Für jüdisches Leben - mitten in Lübeck und überall!” - Das Bündnis gegen Antisemitismus in der Hansestadt ruft zum Gedenken am Mittwoch, 25. März 2026, zwischen 16 und 18 Uhr vor der Carlebach-Synagoge in der St. Annen-Straße 11–13 in Lübeck auf. Anlass ist der Jahrestag der Brandanschläge auf die Lübecker Synagoge in den Jahren 1994 und 1995.
Zwei Brandanschläge binnen eines Jahres
Am 25. März 1994 verübten vier junge Lübecker aus der rechtsextremen Szene einen Brandanschlag auf das jüdische Gotteshaus – der erste Angriff dieser Art nach dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland. Die Tat löste weltweit Entsetzen aus, und bereits am Folgetag gingen 4000 Menschen unter dem Motto „Lübeck hält den Atem an“ auf die Straße, um gegen Fremdenhass und Antisemitismus zu demonstrieren. In der Nacht zum 8. Mai 1995 kam es zu einem weiteren Brandanschlag. Bis heute steht die Synagoge unter Polizeischutz.
Antisemitismus nimmt zu
Das Bündnis macht deutlich, dass Antisemitismus nie verschwunden sei und in jüngster Zeit erneut stark zugenommen habe. Es sei unerträglich, dass jüdisches Leben in der Öffentlichkeit inzwischen ohne Polizeischutz kaum denkbar ist. Jüdisches Leben gehöre seit Jahrhunderten zu Lübeck und soll auch künftig sichtbar und sicher mitten in der Stadt möglich sein. Dafür setzt sich das Bündnis ein – für den Abbau von Vorurteilen, für eine lebendige Erinnerungskultur und für ein respektvolles Miteinander.
Kirche unterstützt Aufruf
Lübecks Pröpstin Petra Kallies und viele Kirchengemeinden unterstützen den Aufruf an Bürgerinnen und Bürger, am 25. März 2026 zur Synagoge zu kommen und mit einer Schnittblume ein Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Lübeck zu setzen.
Pröpstin: Es braucht unseren Mut
Propstin Petra Kallies folgt den Worten von Dr. Charlotte Knobloch, die als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Schirmherrin des Bündnisses sagt: ‚Wir dürfen Antisemitismus nicht als Begleiterscheinung hinnehmen. Er ist ein Angriff auf unsere Demokratie und verlangt entschlossenes Handeln." Petra Kallies: "Wir alle, seien wir Juden, Christen, Muslime, Menschen anderer Religion oder ohne Konfession, sind gehalten, uns einzusetzen – gegen den immer wieder aufflammenden Judenhass und für die Unversehrtheit jüdischen Lebens. Dieses ‚Nie wieder ist jetzt‘ braucht unseren Mut und unser Handeln.“