Lübeck

Hier kommt "Die Flut": Jugendmusical macht in Lübeck Halt

Lübeck. Schon wenn sich die Besuchenden an der Untertrave der "Swaensborgh", einem imposanten Dreimastschoner nähern, spüren sie: Hier ist etwas anders. Es wird Technik auf und ab geladen, von Bord dringt mehrstimmiger Gesang - und keine Seemannslieder, nein, Popsongs. Vom Mast baumelt eine Person. Und sie hängt nicht in den Seilen: Es ist pure Artistik.

Große Welle mit moderner Arche-Noah-Version

"Die Flut" macht in Lübeck Halt (21. Juli 2026). Und macht eine große Welle - im positiven Sinn: 26 Künstler:innen im Alter von 15 bis 26 Jahren und eine Crew segeln von Ostseehafen zu Ostseehafen, um Musical in einer modernen Arche-Noah-Version zu präsentieren, mit dem Schiff als Bühne. Kiel, Kappeln, Flensburg, Eckernförde und Burg auf Fehmarn sind schon "open air" bespielt worden, jetzt also macht das Projekt der Jungen Nordkirche auch in Lübeck Halt. "Als wir hier angekommen sind und ich die Türme gesehen habe, hat sich das schon wie Heimkommen angefühlt", sagt Darstellerin Nike Stöcklin, die aus der Hansestadt kommt. "Und trotzdem fühlt es sich ganz anders an, denn ich bin ja zum Spielen hier."

Hustenbonbons für das eingespielte Team

Gut zwei Wochen ist die Gruppe jetzt schon unterwegs, doch von schlechter Laune oder Lagerkoller keine Spur. "Durch die Proben davor sind wir schon echt zusammengewachsen", sagt die 19-Jährige. "Ich habe jetzt nicht das Gefühl, das wir uns auf dem Schiff in die Quere kommen - im Gegenteil: Man genießt es total mit den anderen zusammenzukommen und gemeinsam etwas zu machen." Inzwischen seien sie so ein eingespieltes Team, dass sie im Gespräch miteinander ständig in Zeilen aus dem Stück sprechen oder ständig Anspielungen auf die Liedtexte machen würden. "Und wir versorgen uns immer gegenseitig mit Hustenbonbons, denn wir singen einfach echt viel", so Nike.

"Was für Konsequenzen hat unser Handeln?"

Neben Musik und Gesang ist auch Artistik mit dabei: Lilith Diringer, freischaffende Künstlerin, testet gerade die Strapaten, die in der Luftakrobatik verwendeten Bänder, und zieht sich scheinbar mühelos in einen schwebenden Spagat. Aber es geht um mehr als nur den Effekt. "Ich denke, dass so ein Musical einfach ein total schöner Kanal ist, eine wichtige Botschaft zu kommunizieren", sagt die 26-Jährige. "Junge Menschen wollen eine Stimme haben, um zu hinterfragen: Wie handeln wir? Was hat unser Konsumverhalten eigentlich für Konsequenzen für uns und für zukünftige Generationen?" 

Botschaft “mit Gänsehaut”

Dieses gemeinsame Ziel, etwas auf die Beine zu stellen, sei es wohl auch, was die Gruppe so gut zusammenhalte, meint Roman Röpstorff, Diakon bei der Fachstelle für die Arbeit mit Jungen Menschen im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. Er begleitet die Gruppe von Tag 1 ihrer Fahrt und steht zur Seite - sogar bei schweren Überfahrten durch unangenehmes Wetter, was man bei einem Segelschiff nicht nur bildlich, sondern durchaus auch ganz wörtlich nehmen darf. Doch für ihn lohnt sich die investierte Zeit - schon allein, wenn er sich nach getaner Arbeit in der zweiten Hälfte ins Publikum schleicht, um sich die Aufführung anzusehen. “Nach wie vor bekomme ich jedes Mal Gänsehaut und Tränen in die Augen, weil die Botschaft, die die jungen Menschen da rüberbringen.”
Stark in mehrfacher Hinsicht: "Wahrscheinlich merkt man erst nach einem Jahr, wie sehr man dann doch an so einer Segelfahrt gewachsen ist mit so einer großen Gruppe", sagt Darstellerin Nike. "Ich denke, was vor allem bleibt, sind die Begegnungen. Hier haben sich Freundschaften gebildet, die darüber hinaus bestehen werden."

“Die Flut” zieht weiter nach Kühlungsborn

Die letzte Aufführung des Musicals “Die Flut” ist am 23. Juli 2026 an der Marina Kühlungsborn zu sehen.
Mehr zum Musical hier.