Kirchenkreis zum Weltflüchtlingstag: Menschenwürde kennt keine Grenzen
Lübeck/Ratzeburg. Vor 75 Jahren wurde mit der Genfer Flüchtlingskonvention ein international verbindlicher Rahmen geschaffen, um Menschen auf der Flucht Schutz zu gewähren. Anlässlich dieses Jubiläums und des Weltflüchtlingstages am 20. Juni 2026 haben die Evangelische Kirche in Deutschland, die Diakonie, Amnesty International, der Paritätische Gesamtverband sowie zahlreiche weitere Organisationen das Memorandum „Es geht auch anders! Gemeinsam für Schutz und Zusammenhalt“ veröffentlicht. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg und das Diakonische Werk Herzogtum Lauenburg haben das Memorandum mitunterzeichnet.
Kirchenkreis unterzeichnet Memorandum
Das Papier formuliert eine gesellschaftliche Vision für den Umgang mit Flucht und Migration und benennt fünf zentrale Handlungsfelder: globalen Schutz stärken, sichere Fluchtwege ermöglichen, faire Asylverfahren und Aufenthaltsperspektiven schaffen, soziale Rechte sichern sowie Teilhabe und Mitbestimmung fördern.
Geflüchtete werden instrumentalisiert
Die Unterzeichnenden kritisieren zugleich eine zunehmende Instrumentalisierung von Flucht und Migration in politischen Debatten. Geflüchtete würden häufig als Bedrohung dargestellt, während grundlegende Schutzrechte zunehmend unter Druck gerieten.
Für Elisabeth Hartmann-Runge, Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, fällt das Jubiläum der Genfer Flüchtlingskonvention in eine Zeit großer Herausforderungen. „Es ist ein bitteres zeitliches Zusammentreffen, dass der 75. Jahrestag der Genfer Flüchtlingskonvention nur wenige Tage nach dem Inkrafttreten des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems begangen wird. Während die Konvention nach den Erfahrungen von Krieg und Vertreibung die Menschenwürde und Schutzansprüche von Geflüchteten völkerrechtlich verankerte, erleben wir heute Regelungen, die vielerorts stärker auf Abschreckung und Ausgrenzung setzen“, sagt Hartmann-Runge.
Memorandum ist “kraftvoller Gegenentwurf”
Der Weltflüchtlingstag sei deshalb ein wichtiger Anlass, um auf die Bedeutung von Menschenrechten und Schutzverantwortung aufmerksam zu machen. Das Memorandum verstehe sie als „kraftvollen Gegenentwurf“, der konkrete Impulse für die politische Diskussion liefere.
„Ich bin froh, dass wir gemeinsam mit vielen kirchlichen und gesellschaftlichen Partnern ein Zeichen setzen. Das entspricht unserer langjährigen Arbeit für Menschen, die Unterstützung, Begleitung und neue Perspektiven benötigen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, in besonderen Härtefällen Kirchenasyl zu gewähren“, sagt Hartmann-Runge. Die Kirchenkreis-Synode habe diese Haltung zuletzt im November 2025 ausdrücklich bekräftigt.
122 Millionen Menschen auf der Flucht
Anne Freudenberg-Klopp, Leiterin der Dienste und Werke des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, verweist auf die aktuelle weltweite Situation. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen sind derzeit rund 122 Millionen Menschen auf der Flucht. „Der Weltflüchtlingstag erinnert daran, dass die Menschenwürde unteilbar ist – unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion“, sagt Freudenberg-Klopp. „Die Erfahrungen von Flucht und Fremdsein gehören zugleich zum Kern unserer biblischen Tradition. Die Bibel erzählt immer wieder von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und auf Schutz, Gastfreundschaft und Barmherzigkeit angewiesen waren.“
Würde ist das höchste Gut
Ulf Kassebaum, Leiter des Diakonischen Werkes Herzogtum Lauenburg, betont die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber Menschen in Not. „Die Würde des Menschen ist das höchste und schützenswerteste Gut. Unser Umgang mit Geflüchteten ist ein Gradmesser dafür, wie ernst wir es mit einem Miteinander meinen, in dem diese Würde für alle gleichermaßen gilt“, sagt Kassebaum.
Der Weltflüchtlingstag wurde im Jahr 2001 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Er soll weltweit auf die Situation von Menschen aufmerksam machen, die vor Krieg, Gewalt, Verfolgung oder anderen existenziellen Bedrohungen fliehen müssen.