Kleine Kapelle, großer Erfolg: Plattdeutsche Andachten immer beliebter
Klein Grönau. Zehn Bänke, 40 Plätze – und die reichten 2026 mitunter nicht aus. An einigen Sonntagen kamen mehr Menschen zu „Plattdüütsch in de Kark“, als in der Wegekapelle Klein Grönau sitzen konnten. Die Jahresbilanz der Reihe: 20 plattdeutsche Andachten, zwei Taufen, 630 Besucher und eine Kollekte von 3.000,30 Euro für den Bunten Kreis Lübeck.
Erfolgreiche Jahresbilanz 2026
„Wir erleben, dass sich inzwischen ein fester Kreis gebildet hat. Manche Menschen kommen tatsächlich fast jeden Sonntag, andere immer wieder einmal“, sagt Pastorin Byrthe Kröncke-Schultz, die die Reihe organisiert. Im Durchschnitt kamen 28 Menschen zu den Andachten, immer um 9.30 Uhr. „Und an manchen Sonntagen waren es sogar mehr Menschen, als wir mit unseren 40 Sitzplätzen unterbringen konnten. Da haben wir dann Stühle hinzugestellt. Das zeigt uns, wie sehr dieses besondere Angebot inzwischen angenommen wird.“
Der Ort selbst könnte kaum besonderer sein: Seit mehr als 600 Jahren steht die Wegekapelle an der Alten Salzstraße zwischen Lübeck und Ratzeburg. Im Jahr 1409 als christlicher Ort des Gebets für Aussätzige erbaut, haben ihre alten Backsteinmauern im Laufe der Jahrhunderte viel gesehen. Heute stehen in der kleinen Kirche zehn Bänke – und zwischen Pfingsten und Erntedank werden sie Sonntag für Sonntag zum Treffpunkt der plattdeutschen Gemeinde. 2026 wurden sogar zwei Taufen in der Wegekapelle gefeiert.
“Hier entsteht eine Gemeinde auf Zeit”
„Von Pfingsten bis Erntedank entsteht hier eine Gemeinde auf Zeit. Die meisten Menschen kennen sich, freuen sich aufeinander und bleiben nach der Andacht noch zusammen“, sagt Byrthe Kröncke-Schultz. „Diese alte Kapelle, die Nähe und die plattdeutsche Sprache – das alles trägt zu einer ganz besonderen Atmosphäre bei.“
Nach der Andacht ist deshalb längst nicht Schluss. Unter den Bäumen wird der Tisch gedeckt, es gibt Kaffee, Kekse und Zeit für Gespräche. Zu Erntedank gehören traditionell auch Schmalzbrote dazu. Die Reihe lebt davon, dass viele mitmachen. Hannelore Verwiebe und Andreas Roxin kümmern sich vor Ort um vieles, unterstützt von Karin Groeger und Thomas Boller. Roxin übernimmt dabei auch eine Aufgabe, die andernorts längst per Knopfdruck erledigt wird: Er steigt die steile Stiege zum Glockenturm hinauf und läutet die Glocke von Hand.
Auch inhaltlich folgt „Plattdüütsch in de Kark“ keinem starren Muster. Ehrenamtlich Predigende, Pastor:innen im Ruhestand oder im aktiven Dienst gestalten die Andachten. Psalmen und Bibeltexte werden auf Platt gesprochen, ebenso wird auf Platt gesungen. „Keine Andacht ist wie die andere. Wer sie vorbereitet, bringt die eigene Glaubensfarbe mit“, sagt Byrthe Kröncke-Schultz. „Genau von dieser Authentizität lebt die Reihe. Plattdüütsch ist dabei nicht Folklore, sondern eine Sprache, in der Menschen ihren Glauben ausdrücken und sich zu Hause fühlen.“ Ein festes Ritual gibt es dennoch: Zu Beginn und zum Abschluss der Reihe wird gemeinsam Abendmahl gefeiert.
Musik ist fester Bestandteil der Reihe
Ein wichtiger Teil jeder Andacht ist die Musik. Christoph Liedtke, Beauftragter für Popularmusik im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, koordiniert die Musizierenden. Darunter sind viele junge Menschen und Studierende der Musikhochschule Lübeck. Sie spielen klassische und elektrische Gitarre, Klavier oder Violine in der historischen Kapelle.
Drei Instrumentalstücke gehören jeweils zur Andacht. Welche Stücke erklingen, entscheiden die Musiker:innen selbst. Manchmal kommt auch Gesang hinzu. „Abgesehen von den Liedern aus dem Gesangbuch wissen wir vorher nicht immer, was uns musikalisch erwartet, und genau das ist schön“, berichtet Byrthe Kröncke-Schultz. „Diese Mischung aus alter Sprache, persönlichem Glauben und ganz unterschiedlicher Musik funktioniert erstaunlich gut.“
Pfingsten 2027 startet die 64. Andachtsreihe
Dass aus der Gemeinschaft in Klein Grönau auch Unterstützung für andere wächst, zeigt das Kollekten-Ergebnis. 3.000,30 Euro kamen 2026 für den Bunten Kreis Lübeck zusammen.
Und da bekanntlich nach der Saison vor der Saison ist: Auch im kommenden Jahr wird es wieder „Plattdüütsch in de Kark“ geben. Von Pfingsten bis Erntedank 2027 öffnet die Wegekapelle für die dann 64. Andachtsreihe ihre Türen. Die zehn Bänke werden also wieder gebraucht und sehr wahrscheinlich erneut ein paar Plätze mehr.