Lübeck-Lauenburg

Live bei #liveline: Vanessa Poepping als neue Leiterin eingesegnet

Lübeck. Mit Segen, bewegenden Worten und viel Musik ist Pastorin Vanessa Poepping als neue Leiterin von #liveline eingeführt worden. Lübecks Propst Oliver Erckens übernahm die Einsegnung im Rahmen des #liveline-Gottesdienstes (30. August 2026) in der Auferstehungskirche in Lübeck.

“Die Aufregung war auf jeden Fall spürbar”

„Vor dem Gottesdienst war die Aufregung auf jeden Fall spürbar“, erzählt Vanessa Poepping. Schließlich gehöre ein offizieller Einführungsteil nicht zum üblichen Ablauf von #liveline. „Ich hatte schon Respekt davor, wie das bei der Community ankommt. Umso mehr haben mich die wertschätzenden Worte unseres Propstes und die Segensworte der Teammitglieder berührt und bestärkt.“

Auch die Musik habe den Gottesdienst für sie besonders gemacht. „Die Lieder und ihre Umsetzung waren unglaublich bewegend. Das war ein schöner und zugleich kraftvoller Gottesdienst.“

Vorfreude auf das “neue Normal”

Nach der Einführung richtet sich der Blick nun nach vorn. Poepping freut sich auf das „neue Normal“, wie Oliver Erckens es im Gottesdienst formulierte. „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam die Kraft finden, neue Formate zu entwickeln und gleichzeitig das Bestehende weiterzuentwickeln. Für mich persönlich geht es auch darum, eine gute Brücke zwischen der Gemeinde vor Ort und unserer Online-Gemeinde zu bauen.“

Die Predigt von #liveline-Pastorin Vanessa Poepping zum Nachlesen: 

Die Predigt im Wortlaut

Stell dir vor, du bist unterwegs und hast einen Plan.
Du weißt, was du heute noch erledigt musst. 
Du weißt, wo du hinwillst, wem du noch eine E-Mail schreiben musst. 
Du hast deine To-do-Liste und deine Zeit ist knapp. 

Und dann begegnet dir jemand, der nicht auf deinem Plan steht.

Jemand, der deinen Zeitplan durcheinanderbringt. 
Jemand, der erzählen möchte, obwohl du es eilig hast. 
Oder jemand, der Hilfe braucht.

Ich denke in solchen Momenten oft: 
„Oh nein. Das passt jetzt wirklich gar nicht.“ 

Aber ich muss mich entscheiden: Gehe ich weiter? 
Oder lasse ich mich unterbrechen?

Mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter antwortet Jesus auf die Frage „Wer ist eigentlich mein Nächster?“.

Ein Mann liegt am Straßenrand. Er ist verwundet und hilflos. 
Es kommen mehrere Menschen vorbei. Sie sehen ihn. 
Sie bemerken, dass dort jemand liegt. 
Sie gehen nicht einfach an ihm vorbei. 

Das passiert jetzt nicht wirklich?

Trotzdem gehen sie weiter. 
Die Leute, die an dem Verletzten vorbeigehen, sind eigentlich angesehen in der Gesellschaft für ihr richtiges Handeln. 

Ich finde das an dieser Geschichte ziemlich unangenehm. 
Vielleicht, weil ich meinen Gedanken vom Anfang wiedererkenne.

„Oh nein. Das passt jetzt wirklich gar nicht.“ 

Als letzter kommt ein Mann aus Samaria und bleibt stehen für einen Moment. Mehr noch. Er hilft. Gerade von ihm hätte das wohl niemand erwartet. Aber genau er ist es, der hinsieht. 

Ich sehe so viel. Erschöpfte Menschen, traurige Gesichter. 
Ich höre, wenn jemand anders spricht als sonst. 
Ich weiß manchmal sogar, dass jemand gerade durch eine schwere Zeit geht. Aber in meinen Zeitplan passt das nicht immer.
Es gibt einen Unterschied zwischen Sehen und Hinsehen. Sehen kann ich im Vorübergehen. Hinsehen bedeutet für mich, dass ich innehalte. Ich stelle meinen eigenen Plan zurück und nehme wahr: Da ist jemand, dem es gerade nicht gut geht. Da ist jemand, der mich jetzt braucht.

Aus dem Fremden wird der Nächste

Der Samariter hatte wahrscheinlich auch eigene Pläne. 
Er war auch unterwegs. 
Aber dann lässt er sich unterbrechen: 

Aus dem Fremden wird der Nächste.

Ich glaube, wir unterschätzen manchmal, was es bedeutet, wenn jemand wirklich hinsieht. Nicht dieses schnelle: „Alles gut bei dir?“ Und noch bevor ich die Frage ganz gestellt habe, bin ich mit den eigenen Gedanken eigentlich schon wieder woanders.

Hinsehen heißt: „Ich habe gemerkt, dass es dir gerade nicht gut geht. Und ich bin bereit, einen Moment bei dir zu bleiben.“

Ich kann nicht jedes Problem lösen

Ich weiß: Ich kann nicht jedes Problem lösen. Die passenden Worte habe ich auch nicht immer parat. Wunden heilen nicht „von jetzt auf gleich“, nicht jede schwierige Situation lässt sich einfach so aus der Welt schaffen. Aber wir können für einen Moment bleiben. 

Der Samariter lässt sich unterbrechen und sieht hin. Er hält an. Er kennt aber auch seine Grenzen und weiß, dass er nicht alles selbst leisten kann. Deshalb kümmert er sich darum, dass der Verletzte von anderen Hilfe bekommt.

Das ist für mich gelebte Nächstenliebe. Er lässt den Verletzten nicht allein. Er eröffnet eine Perspektive der Hoffnung. 

Barmherzigkeit bedeutet für mich nicht immer alles machen zu müssen. 
Für mich bedeutet Barmherzigkeit, dass mich das Leben eines anderen Menschen berührt. Dass sein Schmerz nicht etwas bleibt, das ich wahrnehme und dann wieder vergesse.

Lass dich unterbrechen!

Ich stelle mir vor, dass ist Jesu Einladung an uns heute hier und jetzt:

Lass dich unterbrechen!
Nicht jede Unterbrechung ist etwas, das uns nur aufhält. 
Lass dich unterbrechen!

Und auf einmal ist da eine Begegnung, die tiefer geht und etwas eröffnet, Nächstenliebe spürbar macht. 

Unserer Gesellschaft würde ein solcher Blick füreinander guttun. Weniger: ‚wenn jeder an sich selbst denkt, dann ist an alle gedacht‘. Und mehr Begegnung und Hoffnung.

Wo und wann wir diesem Menschen begegnen? Ich weiß es nicht. Vielleicht wirst du morgen einem Menschen begegnen, der nichts von dir erwartet. Vielleicht wird er dich nicht einmal um Hilfe bitten.

Aber du wirst sehen, dass etwas nicht stimmt. Dann hast du die Wahl.

Du kannst weitergehen. Oder du kannst stehen bleiben.

Genau dann ist dieses Stehenbleiben schon mehr, als du denkst.

Ein Blick füreinander, der bleibt und zeigt, dass wir nicht alleine durch die Tiefe gehen müssen. Ohne viele Worte. Einfach mit der Gewissheit, dass jemand da ist.

Manchmal ist das Wertvollste, was wir einem Menschen geben können, nicht die ungefragte Antwort, sondern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

Der barmherzige Samariter ist für mich ein Hoffnungsbringer und Jesus gibt uns mit dieser Geschichte eine wichtige Botschaft mit: Lass dich unterbrechen! 

Ich denke an meine To-do-Liste

Ich denke noch einmal an meine To-do-Liste. Kürzer ist sie inzwischen nicht geworden. Die Nachrichten sind auch noch da. Die ganzen Aufgaben sowieso. 

Aber vor mir steht etwas, das wichtiger ist als der nächste Punkt auf meiner Liste. Dieser Moment passt auf keine To-do-Liste. Es ist ein Mensch, der gerade meine Aufmerksamkeit braucht. Nur für einen Moment.
Also: Lass dich unterbrechen. Nicht alles, was deinen Plan durcheinanderbringt, muss eine Störung sein. Manchmal ist es Beginn von einer ganz besonderen Geschichte.

Amen.