Vier Jahre nach Kriegsbeginn: Lübeck steht an der Seite der Ukraine
Lübeck. Vor vier Jahren hat der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine begonnen. In Lübeck folgten am Dienstag (24. Februar 2026) rund 300 Menschen dem Aufruf zu einer Solidaritäts-Kundgebung auf dem auf Markt.
Sirenengeheul und klare Worte
Mit dem gellenden Heulen einer Luftalarm-Sirene, aufgenommen mit einem Mobiltelefon in der Ukraine, und einer Schweigeminute für die Opfer des Angriffskrieges begann die gut einstündige Veranstaltung. Viele Teilnehmende trugen gelb-blaue Flaggen als Zeichen der Solidarität, einige kamen in ukrainischer Tracht. Viele hatten Kerzen in Gläsern mitgebracht.
Knapp 30 Organisationen, Parteien und Verbände hatten zur Teilnahme an der Kundgebung unter dem Titel „Ukraine – Solidarität und Gedenken“ eingeladen. Für die Lübecker Kirchengemeinden hatte der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg den Aufruf unterzeichnet. Mehr als 300 Teilnehmende waren dem Aufruf am frühen Dienstagabend gefolgt.
300 Teilnehmende auf dem Markt in Lübeck
Maria Reznikova, erste Vorsitzende der Deutsch-ukrainischen Gesellschaft Dach Lübeck e.V., dankte den Menschen in Deutschland: “Wir werden mit ihrer Hilfe Teil dieser Gesellschaft. Ihre Unterstützung hilft uns, vier Jahre nach Beginn des Krieges auf unsere Heimat Mut und Hoffnung zu bewahren.” Sie ist überzeugt: “Gemeinsam können wir diesen Krieg beenden.”
Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau konnte aufgrund einer Sitzung im Rathaus nicht teilnehmen, ließ aber eine klare Botschaft verlesen: “Der Angriff Russlands ist eine klare Verletzung des Völkerrechts und ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Hansestadt Lübeck verurteilt dies aufs Schärfste und wird sich weiterhin solidarisch mit der Ukraine zeigen.” Als sichtbares Zeichen hatte Lindenau eine ukrainische Flagge vorm Rathaus hissen lassen. Auch im städtischen Hauptausschuss fand eine Schweigeminute statt.
Eindringliche Worte von Propst Graffam
Philip Graffam, Propst im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, sprach vor den Teilnehmenden auf dem Markt und fand deutliche Worte. Als Propst sehe er sich in besonderer Verantwortung: „Ich möchte als Kirche an der Seite der Leidtragenden stehen. Ich bete um einen gerechten Frieden und halte an der Hoffnung fest, dass Gottes Frieden weiter reicht als Hass und Zerstörung.“ Darum lade er ein, gemeinsam ein Zeichen zu setzen – „im Gedenken, im Gebet und in öffentlicher Verbundenheit“.
Mit Blick auf Psalm 34,15 – „Suche Frieden und jage ihm nach“ – beschrieb Graffam die innere Spannung, die ihn bewegt: „Dieser Ruf ist für mich eindeutig – und zugleich lebe ich als Christ und gläubiger Mensch in einer schmerzhaften Spannung. Ich sehne mich nach einem Ende aller Gewalt. Ich bete darum, dass Waffen schweigen. Und doch sehe ich, dass ein angegriffenes Land das Recht hat, sich zu verteidigen.“
Für Graffam gehöre diese Zerrissenheit zu einem ernstgenommenen Friedensglauben: „Christliche Friedenssehnsucht bedeutet nicht, Unrecht zu übergehen. Sie hält aus, dass Frieden ohne Gerechtigkeit nicht bestehen kann.“ Er benannte klar „die Gewalt des Aggressors“ und beklagte das Leid, das dieser Krieg über unzählige Menschen bringe. „Meine Solidarität gilt denen, die angegriffen werden, ihre Freiheit verteidigen und um ihr Leben fürchten.“
“Russischer Diktator könnte das Morden beenden”
Graffam zitierte Kirsten Fehrs, die Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck, mit den Worten: “Der russische Diktator könnte das Morden von heute auf morgen beenden, wenn er das wollte. Ich wünsche mir, dass wir auch vier Jahre nach dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine mit wachem Blick hinsehen, was dort passiert, dass wir nicht müde werden, das Unrecht zu benennen, und immer wieder unsere Herzen öffnen in Richtung derer, die kaum noch Hoffnungskraft haben.”
Ukrainische Musik, vorgetragen von Musikerinnen, rundete die Kundgebung ab. Emotional und hoffnungsvoll hieß es: “Es ist Zeit, zusammenzustehen. Es ist Zeit, zu erinnern. Es ist Zeit, Haltung zu zeigen.”