Mit Apfelpflücker und Fingerspitzengefühl: Imker rettet 25.000 Bienen
Lübeck. Als das laute Summen, Brummen und Surren am Mittwoch (3. Juni 2026) immer deutlicher zu hören war, richteten sich die Blicke vieler Mitarbeitenden der Kirchenkreisverwaltung in der Lübecker Bäckerstraße nach draußen. Am Rande des benachbarten Hermann-Hesse-Parks schwirrten Tausende Bienen durch die Luft. Wenig später hatte sich der Schwarm in einer Magnolie, direkt an der Kirchenkreisverwaltung, niedergelassen – und dort einen beeindruckenden, etwa basketballgroßen Bienentrichter gebildet.
Bienentrichter drohte der Absturz
Was zunächst wie ein faszinierendes Naturschauspiel wirkte, entwickelte sich jedoch zu einer Situation, die Handeln erforderte. Der Ast, an dem die Tiere am Donnerstag (4. Juni 2026) immer noch hingen, bog sich bereits bedenklich unter ihrem Gewicht. Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass er auf den darunter liegenden Gehweg stürzen würde, wurde der 43-jährige Imker Philipp Werner aus Lübeck-Schlutup um Hilfe gebeten.
Routine statt Hektik: Während zahlreiche Mitarbeitende das ungewöhnliche Schauspiel beobachteten, machte sich der Bienen-Experte an die Arbeit. „Mit meinem übergroßen Apfelpflücker habe ich die Bienen eingesammelt und ihnen ein neues Zuhause angeboten“, erzählt er. In einer vorbereiteten Transportbox fanden die Tiere schnell Zuflucht.
Einsatz an der Kirchenkreisverwaltung
Für den Imker gehört ein solcher Einsatz zur Jahreszeit. Noch bis Ende Juni dauert die sogenannte Schwarmzeit. „Von Anfang Mai bis Ende Juni kommt das sehr häufig vor. Wir haben dieses Jahr schon sechs oder sieben Schwärme eingefangen“, berichtet Werner.
Der Schwarm an der Kirchenkreisverwaltung hatte dabei beachtliche Ausmaße. „Das war ein ziemlich großer Schwarm. Als ich ihn in der Hand hatte, habe ich gemerkt, dass er einige Kilo wiegt“, sagt Werner. Seine Schätzung: Zwischen 20.000 und 25.000 Bienen waren unterwegs.
Bei den Tieren handelt es sich um sogenannte Carnica-Bienen. „Das ist eine ganz friedliebende Honigbienen-Rasse“, erklärt der Imker. Die Tiere seien in dieser Phase vor allem damit beschäftigt, gemeinsam eine neue Heimat zu finden.
Eine unmittelbare Gefahr für Menschen gehe von einem solchen Schwarm in der Regel grundsätzlich nicht aus. Dennoch sei es immer sinnvoll, Fachleute zu informieren. „Für Menschen besteht normalerweise keine Gefahr“, sagt Werner. „Aber für die Tiere schon. Wenn sie kein geeignetes Zuhause finden, können sie sich unter Dächern oder an anderen ungeeigneten Orten einnisten. Oder sie verhungern irgendwann. Damit ist niemandem geholfen.“
Ein neues Bienenvolk für den Imker
Auch der Zustand des Astes habe den Einsatz gerechtfertigt. „Das war ein sehr, sehr dünner Ast. Die Bienen haben praktisch an dem Ast gesägt, auf dem sie saßen“, sagt Werner mit einem Schmunzeln. „Das war schon grenzwertig. Ich glaube nicht, dass das noch lange gehalten hätte.“
Für Werner hatte der ungewöhnliche Einsatz noch einen weiteren Wert. Ein Bienenschwarm sei für Passanten vielleicht nur eine Ansammlung von Insekten. Für Imker bedeute er die Chance auf ein neues Volk. Am Ende ging der ungewöhnliche Einsatz glücklich aus. Zurück bleibt bei den Mitarbeitenden der Kirchenkreisverwaltung die Erinnerung an ein seltenes Naturschauspiel – und an einen Imker, der mit einem Apfelpflücker Tausenden Bienen eine Zukunft schenkte.