Lübeck

Nach 36 Jahren Kirchenmusik in Kücknitz: Verabschiedung von Norbert Drechsler

Lübeck. Nach 36 Jahren als Kirchenmusiker in Kücknitz geht Norbert Drechsler im Oktober 2026 in den Ruhestand. In einem Gottesdienst wird er am Sonntag, den 27. September ab 10 Uhr in der St.-Johannes-Kirche verabschiedet. Am Tag davor, Sonnabend, den 26. September um 17 Uhr leitet er in St. Johannes sein letztes Konzert mit Chor, Orchester und Solisten. Auf dem Programm steht die Messe in B-Dur von Franz Schubert, der 95. Psalm von Felix Mendelssohn Bartholdy und Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104. 

Aus einer Übergangslösung wurde ein Beruf 

Seit Beginn seiner musikalischen Laufbahn war Norbert Drechsler Lübeck verbunden. In Kiel geboren, kam er als Kirchenmusikstudent an die Musikhochschule der Hansestadt. “Ich suchte eigentlich nur etwas, um die Zeit zum Zivildienst zu überbrücken. Ich hatte gar keinen konkreten Plan”, erzählt Drechsler. Die Zusage einer Zivildienststelle kam erst, nachdem er bereits die Kirchenmusik-B-Prüfung geschafft hatte, die Übergangslösung gefiel ihm und wurde für ihn zum Beruf. Noch während des Studiums trat er eine Stelle als zweiter Kirchenmusiker am Lübecker Dom an. 1988 legte er die A-Prüfung ab, 1990 bewarb er sich in St. Johannes in Kücknitz. 

Beständigkeit im Gemeindewandel 

Damals stand seine Tätigkeit noch unter anderen Voraussetzungen. Kücknitz hatte drei eigene Gemeinden mit St. Johannes, Dreifaltigkeit und St. Michael in Siems. Sie schlossen sich Ende der 1990er Jahre zu einer Gemeinde zusammen. Rund 10 Jahre später wurde St. Michael entwidmet, Ende 2026 wird auch die Dreifaltigkeitskirche schließen. 

Auch wenn er im Zuge der Umstrukturierungen seine Arbeitszeit verringert hatte, hat sich Drechslers “Tagesgeschäft” in den 36 Jahren in Kücknitz kaum verändert. Seit jeher spielt er die Orgel, leitet den St.-Johannes-Chor, ein Bläserensemble und den projektbezogenen “Vokalkreis”. Neben den Konzerten mit Chor und Orchester bot er regelmäßig Mitsing-Projekte an, bei denen Gäste für einige Proben und eine Aufführung dazukamen. Nur der Kinderchor fiel der Corona-Zeit zum Opfer. 

Seltene Werke und besondere Aufführungen 

Eine Leitlinie setzte er sich für die Chorarbeit: “Ich habe in den Konzerten nur wenige Werke wiederholt.” So erklang in Kücknitz eine Vielzahl von Werken, auch solche, die sonst nicht in Lübeck zu hören waren. Beispiele sind die zahlreichen Messen von Josef Rheinberger oder Werke wenig bekannter Komponisten wie Moritz Brosig.  

Nachhaltig in Erinnerung blieb ihm die Aufführung von Louis Spohrs Oratorium “Die letzten Dinge” im Jahr 1999. “Zu der Zeit gab es weder eine Aufnahme, noch eine moderne Notenausgabe von dem Werk”, erinnert sich Drechsler. Wegen des Umfangs fand das Konzert in der Lübecker St.-Petri-Kirche statt. Es war die erste Aufführung des Stücks seit 150 Jahren in Lübeck. 

Singen in der Gemeinde  

Aber auch das Chorsingen im Gottesdienst war ihm immer wichtig. Hier hält er mit seinem Chor oder kleinen Besetzungen die Schlagzahl hoch: “In den letzten drei Monaten haben wir zum Beispiel alle zwei bis drei Wochen im Gottesdienst gesungen”, überschlägt er. Bei eigenen oder Kirchenkreis-weiten Kantaten-Projekten war er mit Chor und Orchester dabei. Das gemeinsame Musizieren wird ihm fehlen: “Ich habe die nette Gemeinschaft in den Gruppen immer genossen”, sagt Drechsler. 

Rund eineinhalb Jahre konnte er noch in der sanierten St.-Johannes-Kirche wirken, mit einer generalüberholten und technisch verbesserten Orgel und einem wieder zugänglichen Emporenteil, den Drechsler gern für mehrchöriges Musizieren nutzte.  

Die Nachfolgerin und der Ausblick auf den Ruhestand 

Seine Nachfolgerin Olga Mull ist schon seit Anfang September in Kücknitz im Dienst. Ihre neue Stelle wurde wieder als Vollzeittätigkeit angelegt.

Norbert Drechsler bleibt nach dem Dienstende in Kücknitz der Kirche verbunden: Als Glockenbeauftragter der Nordkirche berät er weiterhin Gemeinden und hat damit noch viel zu tun: "Ich habe eine Liste von 30 Gemeinden in Mecklenburg, die auf meinen Besuch warten.” Auch ein neues Hobby muss er sich nicht zulegen. “Ich habe zwei Ponys zu Hause, die sind Hobby genug”, sagt Drechsler. 

Das Konzert am 26. September steht unter dem Titel “Messe Sinfonie Psalm” und findet bei freiem Eintritt statt. Es musizieren der St-.Johannes-Chor, ein Orchester und Gesangssolist:innen. 
 

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