Lübeck

Nach Entwidmung der Kreuzkirche: Wie geht es jetzt weiter?

Lübeck. Vier Wochen sind seit der Entwidmung der Kreuzkirche im Lübecker Stadtteil St. Jürgen vergangen (September 2026). Mehrere hundert Menschen haben während einer Abschiedswoche und beim letzten Gottesdienst ihre Verbundenheit mit dem Gotteshaus gezeigt. Seitdem beschäftigt viele in der Kirchengemeinde eine Frage: Wie geht es jetzt weiter – auch mit den anderen Gebäuden?

Dass diese Frage mit Unruhe und Sorge verbunden ist, wissen Pastorin Judith Fincke und Carsten Löbbert, 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderats, aus Gesprächen und Nachfragen. Denn: Seit einigen Jahren steht ein Gebäudekonzept im Raum, das weitreichende Veränderungen vorsah. 

2022 hatte die Kirchengemeinde einen Plan vorgestellt, nach dem vier Standorte innerhalb eines festgelegten Zeitraums aufgegeben werden sollten. „Das ist damals mit bestem Wissen und Gewissen beschlossen worden“, sagt Judith Fincke. „Einige Parameter sind allerdings nicht berücksichtigt worden oder haben sich seitdem verändert.“

Voraussetzungen haben sich verändert

So steht St. Augustinus mittlerweile unter Denkmalschutz. Auch das Interesse potenzieller Käufer an den einzelnen Standorten hat sich verändert – ebenso wie die finanzielle Situation der Kirchengemeinde. „Wir haben in dem Endwidmungsprozess der Kreuzkirche die Erfahrung gemacht, wie gut es ist, transparent, offen und emphatisch zu kommunizieren. Das wird uns auch in Zukunft leiten, sagt Löbbert.

Am grundsätzlichen Ziel habe sich nichts geändert: Nicht die Gebäude, sondern die Menschen sollen im Mittelpunkt stehen. Entscheidend sei deshalb, auch künftig ein aktives Gemeindeleben mit Angeboten zu ermöglichen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen im Stadtteil orientieren.

Eine Kernaussage des ursprünglichen Gebäudekonzeptes jedoch bleibt: Langfristig wird sich der Gebäudebestand weiter verringern. Einen Automatismus für die Aufgabe einzelner Standorte und deren Reihenfolge gibt es nach Angaben der Gemeinde jedoch nicht, betonen beide mit Nachdruck.

„Es gibt immer wieder Gerüchte, dass die Gebäude jetzt eiligst nacheinander veräußert werden sollen. Das ist aber nicht der Fall“, betont Fincke. Die weiteren Entscheidungen sollen Schritt für Schritt getroffen werden. „Es gibt keinen Zeitplan – und der Zeitplan, den es einmal gab, gilt ausdrücklich nicht mehr“, ergänzt Carsten Löbbert.

Erst einmal den Abschied verarbeiten

Nach der Entwidmung der Kreuzkirche gehe es zunächst darum, dass die Gemeinde zur Ruhe kommen können. Der Abschied habe viele Menschen bewegt und auch Wunden hinterlassen. Gruppen, die bislang in der Kreuzkirche zu Hause waren, müssen an neuen Standorten in St. Martin und im Lukas-Haus erst einmal heimisch werden. Gleichzeitig stehen weitere Veränderungen an, die sich auf die Zukunft der Kirchengemeinde auswirken können. Dazu gehören Gespräche über neue Strukturen und Kooperationen – sowohl mit Gemeinden im nördlichen Herzogtum Lauenburg als auch in Lübeck.

Welche Formen der Zusammenarbeit daraus entstehen, ist noch offen. Für Fincke und Löbbert ist deshalb klar: Erst wenn sich abzeichnet, wie die kirchlichen Strukturen künftig aussehen, lässt sich auch die Gebäudefrage verlässlich weiterdenken. Neue Kooperationen könnten schließlich verändern, welche Räume künftig wo benötigt werden.

Gemeinde wird sich neu aufstellen

Hinzu kommt eine personelle Veränderung: Eine Pastorin wird St. Jürgen verlassen, ihre Stelle wird nicht nachbesetzt. „Wir werden uns neu aufstellen müssen“, sagt Carsten Löbbert. Dabei gehe es um deutlich mehr als um die Frage, wer sonntags einen Gottesdienst übernimmt. Zur Arbeit der Gemeinde gehören Kontakte und Angebote für vier Schulen, sechs Kindertagesstätten und vier Seniorenheime im Stadtteil. Dazu kommen Seelsorge, Taufen, Trauungen, Bestattungen und zahlreiche weitere Aufgaben. Wie all das künftig organisiert werden kann, soll deshalb gemeinsam mit den Fragen nach Kooperationen, Angeboten und Gebäuden betrachtet werden.

Dass Veränderungen bevorstehen, daran lassen Fincke und Löbbert keinen Zweifel. Wie diese konkret aussehen, soll aber nicht vorschnell festgelegt werden. „Es kann und wird nicht bleiben, wie es ist“, sagt die Pastorin. „Wir werden diese Herausforderungen aber gemeinsam und transparent mit den Gemeindemitgliedern angehen und wollen dabei gern auch kreative Wege gehen.“