Neue Leitungsstruktur für die Nordkirche
Lübeck. Die III. Landessynode der Evangelisch‑Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat nach langer und intensiver Diskussion das Eckpunktepapier zur Neukonzeption der bischöflichen Dienste beschlossen.
Im Kern: Ab Oktober 2027 wird es in der Nordkirche keine landesbischöfliche Person mehr geben. Das jetzt (24. September 2026) beschlossene Eckpunktepapier sieht vor, die bischöflichen Dienste künftig stärker kollegial und gleichgeordnet wahrzunehmen. Drei Bischöf:innen sollen künftig gemeinsam und gleichgeordnet die geistliche Leitung und die gesamtkirchliche Repräsentation verantworten. Kirsten Fehrs als Bischöfin im Sprengel Hamburg-Lübeck wird dann gemeinsam mit Nora Steen als Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein und Bischof Tilmann Jeremias in Mecklenburg und Pommern die Nordkirche führen.
Die regionale Präsenz in den Sprengeln bleibt dabei erhalten und wird durch klare und funktionale Zuständigkeiten und verbindlichere Abstimmungsprozesse im Rahmen gesamtkirchlicher Aufgaben ergänzt. Das neue Modell stärkt das protestantische Verständnis kollegialer Leitung und verbindet regionale Nähe mit gesamtkirchlicher Verantwortung.
Tragfähige Lösung für kommende Aufgaben
Präses Anja Fährmann blickt zuversichtlich auf den weiteren Weg. „Wir haben eine tragfähige Lösung für die kommenden Aufgaben gefunden. Die Nordkirche steht vor großen Veränderungen – gesellschaftlich, rechtlich und organisatorisch. Mit diesem Beschluss schaffen wir die Voraussetzungen für eine geistliche Leitung, die klar, gemeinsam und zukunftsfähig ist.“ Die Synode habe damit einen wichtigen Schritt getan, um die Leitungsstrukturen der Nordkirche auf die kommenden Herausforderungen auszurichten und zugleich die Einheit und Vielfalt der Kirche sichtbar zu halten.
Landesbischöfin geht vorzeitig in Ruhestand
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt hatte Anfang September 2026 mitgeteilt, zum 1. Oktober 2027 in den vorzeitigen Ruhestand zu treten. Die Landesbischöfin vollendet am 24. September 2027 ihr 63. Lebensjahr. Bis zu ihrem Eintritt in den vorzeitigen Ruhestand widmet sie sich deshalb zunehmend prioritär ihren internationalen Aufgaben in der Ökumene, insbesondere als vom Lutherischen Weltbund (LWB) gewählte Vizepräsidentin für die Region West- und Mitteleuropa sowie als Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) und ihren Ämtern und Aufgaben in der VELKD.
Mit dem Beschluss hat die Landessynode eine Grundsatzentscheidung getroffen. Die Kirchenleitung wurde von der Landessynode beauftragt, alle damit verbunden Veränderung der Leitungsstruktur weiter auszuarbeiten. Diese werden dann zur ausführlichen Beratung und Beschlussfassung der Landessynode vorgelegt.Dazu gehören die künftige Struktur und Arbeitsweise des Bischofsrates, die verbindliche Aufgabenteilung innerhalb der geistlichen Leitung, eine mögliche Neuordnung in der Geschäftsführung der Kirchenleitung sowie die notwendigen rechtlichen Anpassungen der Verfassung und weiterer Normen. Auch Überleitungsvorschriften und Zeitpläne sollen nun konkretisiert und der Synode zur weiteren Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden.
Hintergrund: die bisherige Leitungsstruktur der Nordkirche
Mit der Gründung der Evangelisch‑Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) im Jahr 2012 wurden unterschiedliche Leitungsmodelle aus den drei Fusionskirchen zusammengeführt. Eine Landesbischöfin bzw. ein Landesbischof mit Sitz in Schwerin übernahm die gesamtkirchliche Repräsentation und den Vorsitz der Kirchenleitung. Daneben wurden drei Bischöf:innen in den Sprengeln eingesetzt, deren Sitze sich an den bisherigen kirchlichen Zentren orientierten: Hamburg für den Sprengel Hamburg und Lübeck, Schleswig für den Sprengel Schleswig und Holstein sowie Greifswald für den Sprengel Mecklenburg und Pommern.