Lübeck

Neuer Altar im "Raum der Stille" am UKSH: Schmeichelstein für die Seele

Ein Schiff, ein Sarkophag, ein Schmeichelstein - die Assoziationen zum neuen Altar im Andachtsort "Raum der Stille" am UKSH Lübeck sind vielfältig. Doch das neue sakrale Objekt aus Ahornholz ist vor allem eines: eine Einladung.

Lübeck. "Wenn ich etwas ein Meisterstück nennen würde, dann wäre es wohl dieses", sagt Markus Rehwald. Von Planung über den Modellbau bis zur Fertigung hat der Hamburger Tischler und Designer den neuen Altar im Raum der Stille nicht nur begleitet. Er hat sich mehrere Wochen lang intensiv damit beschäftigt - dem Holz, der Form - und auch mit seiner Bedeutung. Herausgekommen ist ein sehr moderner, trichterförmiger Altar mit feiner glatter Oberfläche, der passend zu der dahinterliegenden Wand gewölbt ist und sich somit ganz organisch in den Andachtsraum einfügt. "Es ist sehr emotional, ihn hier stehen zu sehen, denn es war eine sehr anstrengende Arbeit", sagt Rehwald. Schweres Material und eine neue Form, die der Tischler noch nie zuvor gebaut hat, machen das Stück zu einem Schlüsselwerk. Erfahrungen mit Altären hatte er zuvor auch noch nicht gesammelt. "Aber am Ende fühlte sich wirklich alles so fertig in einem positiven Sinne an - und er ist genau so geworden, wie ich mir das vorgestellt habe."

"Ein besonderes, individuelles Stück, das zur Berührung einlädt"

Der "Raum der Stille", der im Uniklinikum als für alle Konfessionen offener Rückzugsort für Patient:innen und Krankenhauspersonal dient, wurde nach dem Umbau des UKSH komplett neu gestaltet und im Februar 2026 eröffnet. Doch was bis jetzt immer noch fehlte: ein neuer Altar, der auch gut zu dem vom Glaskünstler Jörgen Habedank entwickelten Fenster-Design passt. Tenor: Nicht zu aufdringlich, aber doch so, dass er seine eigene Wirkung entfaltet. "Der neue Altar ist ein ganz besonderes, individuelles Stück, das zur Berührung einlädt", sagt Pastorin Dr. Anne Wehrmann-Kutsche, die zusammen mit ihrer Kollegin Cordula Zimmer-Kirchhoff die Krankenhausseelsorge verantwortet. "Das erscheint erst einmal vielleicht ungewöhnlich für einen Altar, doch wir sind hier in einem Haus, das viel mit Körperlichkeit und Haptik zu tun hat." In einem Raum, der immer geöffnet hat, lade so ein Altar dazu ein, sich ganz intuitiv zu verhalten, anders als im klassischen Kirchraum. "Der Raum der Stille ist in diesem Kliniksystem ein Andersort", ergänzt die katholische Seelsorgerin Petra Fiebelmann. "Und dieser Altar ist ein Teil davon." Deshalb sind die Assoziationen zu der für einen ungewöhnlichen Altar ungewöhnlichen Form auch ganz frei - von einem Schiff oder einem Sarkophag sprechen die einen - Wehrmann-Kutsche sagt gern "Schmeichelstein". Ein Schmeichelstein für die Seele.

Zeichen der Heilung und Stärkung am Andachtsort

Schon bei der Planung der Neugestaltung des Raums waren neue Möbel vorgesehen gewesen, ermöglicht durch finanzielle Mittel aus dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, dem Hauptbereich Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog der Nordkirche sowie aus dem Erzbistum Hamburg. Mit dem neuen sakralen Objekt wurde eine Brücke zu dem alten Altar geschlagen: Bei dessen Abbau wurde die große Holzscheibe, die ihn vorher schmückte, demontiert und an die Wand des neuen Raums gebracht - als besonderes Zeichen, das jedem Besuchenden direkt ins Auge fällt. "Die Risse, die das Holz zeigt, lassen einen an Wunden und Verletzung denken, in Verbindung mit dem Altar verweisen sie aber zugleich auf Heilung", sagt Anne Freudenberg-Klopp, Leiterin der Dienste und Werke. Denn im besten Fall gehen die Menschen aus dem Raum der Stille ein Stück gestärkt wieder hinaus." 

Gottesdienst mit neuem Altar 

Der neue Altar wird noch einmal gefeiert: Im Gottesdienst am Sonntag, 16. August 2026, ab 10.30 Uhr im Raum der Stille auf dem UKSH-Campus im Haus A, Infopunkt 12, 1. OG.