Operationsplan Deutschland: Bundeswehr informiert Kirche über Krisenvorsorge
Ratzeburg. Der „Operationsplan Deutschland“ der Bundeswehr stand jetzt (28. Oktober 2026) im Mittelpunkt des Gesamtkonvents der Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg im Petri Forum in Ratzeburg. Oberst Michael Skamel, Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein, stellte die Grundzüge des Plans vor, mit dem sich die Bundeswehr auf unterschiedliche Konfliktszenarien vorbereitet. Begleitet wurde er von Pastor Stefan Link, Bevollmächtigter für Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) und Notfallseelsorge im Dekanatsbereich des Evangelischen Militärdekanats Nord.
Gesamtkonvent im Ratzeburger Petri Forum
Zum Hintergrund: Der Operationsplan Deutschland verbindet militärische Verteidigungsplanungen mit den notwendigen Unterstützungsleistungen ziviler und staatlicher Stellen. Dabei berücksichtigt er unterschiedliche Eskalationsstufen – vom Frieden über hybride Bedrohungslagen und Krisen bis hin zum Krieg. Es geht sowohl darum, wie die Bundeswehr die Zivilverteidigung unterstützen kann, als auch um die Frage, welche Leistungen zivile Einrichtungen im Verteidigungsfall übernehmen können. Der Plan beschreibt dafür Abläufe und Zuständigkeiten und soll die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Behörden und weiteren Organisationen im Ernstfall regeln.
Skamel erläuterte den Pastorinnen und Pastoren, welche Bedeutung diese Zusammenarbeit für Schleswig-Holstein hat. Zugleich machte er deutlich, dass es bei der Vorbereitung auf Krisensituationen nicht ausschließlich um einen militärischen Ernstfall gehe. Auch Naturkatastrophen oder größere Störungen der Infrastruktur erforderten abgestimmte Abläufe und verlässliche Strukturen. Als Beispiel nannte er den großflächigen Stromausfall, von dem vor wenigen Wochen Teile der schleswig-holsteinischen Westküste betroffen waren.
Seelsorge als zentrale Aufgabe der Kirche
In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Frage aus den Reihen der Teilnehmenden, was das Landeskommando Schleswig-Holstein konkret von Pastorinnen und Pastoren erwartet. Skamel machte deutlich, dass zunächst die Sensibilisierung für mögliche Krisensituationen im Vordergrund stehe. Es gehe darum, sich frühzeitig mit denkbaren Szenarien auseinanderzusetzen, bestehende Strukturen zu kennen und die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und kirchlichen Stellen vorzubereiten.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der Seelsorge. Gerade in Ausnahmesituationen brauchen Menschen Ansprechpartner, die zuhören, Orientierung geben und sie in ihrer Unsicherheit begleiten. Pastorinnen und Pastoren bringen dafür Erfahrungen aus der Gemeindearbeit, der Begleitung von Menschen in persönlichen Krisen sowie der Notfallseelsorge mit. Diese Kompetenzen können auch dann gefragt sein, wenn größere Teile der Bevölkerung von einer Krise betroffen sind.
Pastor Stefan Link brachte dazu die Perspektive der Militärseelsorge und der psychosozialen Notfallversorgung ein. Dabei wurde deutlich, dass kirchliche Unterstützung nicht allein in der unmittelbaren Begleitung Betroffener besteht. Auch Angehörige, Einsatzkräfte und Menschen, die durch eine Krisensituation besonders belastet sind, können seelsorgerliche Unterstützung benötigen.
Kirchen und Gemeindehäuser als mögliche Anlaufstellen
Ein weiterer Aspekt war die vorhandene kirchliche Infrastruktur. Kirchen und Gemeindehäuser sind vielerorts bekannte und gut erreichbare Orte. In einer Krisensituation könnten sie deshalb auch als Versammlungsorte oder Anlaufstellen für Menschen dienen.
Der Gesamtkonvent knüpfte damit an die friedensethischen Beratungen vom Juni 2026 an, bei denen sich die Pastorinnen und Pastoren aus Lübeck und dem Herzogtum mit der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beschäftigt hatten. Während damals grundsätzliche Fragen nach Frieden, Sicherheit und christlicher Verantwortung im Mittelpunkt standen, ging es in Ratzeburg um die praktischen Herausforderungen möglicher Krisensituation.