Orgel-Restaurierung in Siebeneichen: Es gibt noch eine Lücke zu füllen
Siebeneichen. Die St. Johannis-Kirche in Siebeneichen steht derzeit ohne ihre Orgel da: Das historische Instrument wurde ausgebaut und befindet sich in einer umfassenden Restaurierung. Ziel ist es, die Orgel technisch und klanglich möglichst originalgetreu wiederherzustellen. Nun muss die Gemeinde noch ein Finanzierungsloch füllen und bittet um Mithilfe.
Restaurierung der historischen Orgel in Siebeneichen
Erbaut wurde das Instrument im Jahr 1847 von der Orgelbaufirma Eduard Meyer aus Hannover. Es handelt sich um die einzige erhaltene Meyer-Orgel in Schleswig-Holstein und damit um ein bedeutendes kulturhistorisches Zeugnis. Dass es die Meyer-Orgel sozusagen über die Elbe geschafft hat, ist dem damaligen Patron der Kirchengemeinde zu verdanken, der das Instrument für die St.-Johannis-Kirche bauen ließ. Im Laufe der Jahrzehnte wurden mehrfach Veränderungen im Aufbau und Klang vorgenommen, die sich langfristig als nachteilig erwiesen haben. Auch wenn die Orgel nie ganz ihren “Geist aufgab”, kam eine einfache Reparatur nicht mehr infrage. Deswegen entschied sich die Kirchengemeinde 2019 für eine umfassende Restaurierung.
Besonderer Klang der Meyer-Orgeln
Vor etwa zehn Jahren kam Cornelius Schneider-Pungs als Organist nach Siebeneichen. Er war lange als Professor für Orgel in Hannover tätig und kennt die Meyer-Orgeln, von denen es dort in der Region viele gibt, gut. „Der Klang ist eher etwas dunkler, melodiebetont, rund und kraftvoll, aber ohne die steilen und glänzenden Klänge einer Barockorgel“, erklärt er. „Eine Meyer-Orgel eignet sich für romantische Orgelliteratur wie von Mendelssohn, aber auch wunderbar zur Gemeindebegleitung.“
Die Meyer-Orgel in Siebeneichen wird anders klingen, wenn sie zurückkehrt: „Ich kenne ein romantisches Instrument, was in den 60er-Jahren barockisiert wurde und bin sehr gespannt auf das Ergebnis.“
Rekonstruktion der Pfeifen ist aufwändig
Seit 2025 wird die Orgel in der Werkstatt des Orgelbauers Jörg Bente restauriert. Dabei werden originale Bauteile und Pfeifen sorgfältig aufgearbeitet und, soweit möglich, wiederverwendet. Gleichzeitig zeigt sich, dass insbesondere das bleihaltige Material vieler Pfeifen stark oxidiert ist und aufwändig rekonstruiert werden muss. „Der Prospekt, also der sichtbare Teil der Pfeifen, wird erneuert, da es reine Zinkpfeifen sind“, erläutert Schneider-Pungs. „Die urprünglichen Zinn-Blei-Pfeifen wurden im 1. Weltkrieg zu Munition verarbeitet.“ Auch im Bereich der sogenannten Windladen, die die Luftzufuhr steuert, müssen viele Teile erneuert werden.
Anders als bei einem Neubau, ließ sich der gesamte Aufwand erst während der Arbeiten in der Werkstatt näher bestimmen. „Dass es jetzt teurer wird, ist schmerzlich, aber es wäre schade, wenn wir jetzt nicht alles erledigen könnten“, sagt der Organist.
Spendenkonto: Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg
IBAN: DE96 5206 0410 0000 0100 14
Zweck: Orgel-Sanierung Siebeneichen
Kosten des Projekts sind gestiegen
Die Finanzierung des Projekts wird maßgeblich durch den Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, den Bund und das Land Schleswig-Holstein getragen. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von rund 420.000 Euro haben sich im Zuge der Arbeiten auf etwa 500.000 Euro erhöht. Daraus ergibt sich derzeit eine Finanzierungslücke von rund 75.000 bis 80.000 Euro.
Die Kirchengemeinde Siebeneichen ruft derzeit auch mit einem Brief an die Gemeindemitglieder zu Spenden auf. Ziel ist es, die Restaurierung rechtzeitig abzuschließen, sodass die Orgel voraussichtlich zu Pfingsten 2027 – rund 180 Jahre nach ihrer Erbauung – wieder in der St. Johannis-Kirche erklingen kann.
Wichtig für Kultur und Tourismus
"Wir möchten mit dem Aufruf darauf aufmerksam machen, wie wichtig diese Orgel für Siebeneichen ist", sagt Syliva Paulsen, Vorsitzende des Kirchengemeinderats. “Die Orgel ist ein Schmuckstück. Wir haben hier vor der Haustür die Fähre über den Elbe-Lübeck-Kanal und so ist sie auch ein wichtiger Faktor für den Tourismus. Es zählt einfach jeder Euro, ich bin sehr optimistisch, dass wir es schaffen!"
Mit der Wiederherstellung des Instruments gewinnt die Kirche nicht nur ihr musikalisches Zentrum zurück, sondern stärkt zugleich ihre Bedeutung als Ort für Gottesdienste, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen in der Region, sind beide überzeugt. „Das restaurierte Instrument wird für die Orgel-Landschaft in der Region eine wunderbare Ergänzung. Denn so etwas haben wir in der Nähe nicht“, so Cornelius Schneider-Pungs.