Klein Grönau

"Plattdüütsche Kark" 2026: Andachten in Klein Grönau starten wieder

Lübeck. Eine Kapelle am Rande Lübecks wird jedes Jahr ab Pfingsten zum Treffpunkt für Menschen, die das Plattdeutsche lieben und kleine Andachtsformate schätzen. Am Pfingstsonntag, den 24. Mai 2026 beginnt wieder die "Plattdüütsche Kark". Die beliebte Reihe endet an Erntedank. 

Plattdeutsche Andachten in 600 Jahre alter Kapelle

Seit mehr als 600 Jahren steht sie an der Alten Salzstraße zwischen Lübeck und Ratzeburg – die Wegekapelle in Klein Grönau. Im Jahr 1409 als christlicher Ort des Gebets für Aussätzige erbaut, haben die alten Backsteinmauern der Kapelle im Laufe der Jahrhunderte viel gesehen. Heute ist sie ein Ort, an dem etwas Besonderes lebendig bleibt – die plattdeutschen Andachten zwischen Pfingsten und Erntedank.

Bewahrung des Plattdeutschen in Predigten und Gebet

In ihrem Inneren trägt die Kapelle nicht nur historische Schätze wie ein mittelalterliches Weihwasserbecken, eine geschnitzte Predella oder eine barocke Kreuzigungsgruppe. Sie bewahrt auch Klänge: das warme, vertraute Plattdeutsch, das hier wieder gesprochen, gesungen und gebetet wird.

Zwei Menschen die dazu beitragen und sich ehrenamtlich liebevoll um die Pflege der Kapelle, aber auch um den Erhalt des Plattdeutschen kümmern, sind die Predigerin Hannelore Verwiebe und der Küster Andreas Roxin. 

Plattdeutsch nach Jahrzehnten wiederentdeckt

In Verwiebes Familie wurde zuhause Platt gesprochen: “Aber wir Kinder durften es nicht – es galt damals nicht als ‘feine’ Sprache. Man sollte in der Schule das ‘richtige’ Deutsch lernen.” Dennoch blieben der Klang und viele Wörter in ihrem Gedächtnis hängen. Relativ spät ergab es sich, dass Verwiebe ihr Platt wieder aktivierte. Seit ein paar Jahren engagiert sie sich für die plattdeutschen Andachten. 

“Eine Freundin hat mich hergebracht”, erinnert sie sich. Das war 2018. Schnell wurde damals ihre Liebe zum Plattdeutschen wieder geweckt. Mit Wörterbüchern und viel Engagement fand Hannelore Verwiebe zurück in die Sprache – und wurde schließlich sogar Predigerin. Heute gehört sie fest zu den Stimmen, die die Kapelle mit Leben füllen. In ihren Predigten verbindet sie Alltag, Glauben und persönliche Erinnerungen – und lässt das Plattdeutsche genau das tun, was es hier am besten kann: nahbar sein. Ihr Credo: „Nu tro di mal. He passt schon op.“

Beisammensein bei Kaffee und Gespräch

Doch die Kapelle lebt nicht nur von Worten. Hannelore Verwiebe macht als gelernte Floristin die Blumen-Dekoration und fängt sonntags schon ab 6 Uhr an, Kaffee zu kochen: „An jedem Sonntag gehen schon acht Kannen Kaffee weg!”. Andreas Roxin ist Hüter des großen alten Kapellenschlüssels und läutet noch von Hand die Glocke. Nach den Andachten bleiben die Menschen – zum Reden und Beisammensein. Zwischen 20 und 30 Besucherinnen und Besucher füllen regelmäßig die zehn Bänke.

„Diese Mauern müssen leben“, sagt der Küster. Er ist vor Ort, wenn die Kapelle für Taufen, Hochzeiten und eben die plattdeutschen Sonntagsandachten vorbereitet werden muss. „Mir sind diese kleinen Gottesdienste sehr wichtig, weil mir die plattdeutsche Sprache viel bedeutet – weil ich möchte, dass das Niederdeutsche erhalten bleibt, weil ich möchte, dass unsere Kapelle nicht zu einem reinen Denkmal wird.“

Zugang zum Plattdeutschen erhalten

Die Zeiten haben sich geändert – auch in der Bevölkerung. Laut einer Erhebung des Leipniz-Instituts für Deutsche Sprache aus dem Jahr 2016 können in Schleswig-Holstein 24,5 Prozent der Menschen Plattdeutsch sprechen. In den Sechziger und Siebziger Jahren war der Anteil noch mehr als doppelt so hoch. Vor allem finden aber immer weniger junge Menschen Zugang zu der niederdeutschen Sprache. „Umso wichtiger ist, dass es unsere plattdeutschen Andachten gibt, die natürlich von älteren Menschen besucht wird, wir freuen uns aber immer, wenn auch jüngere den Weg zu uns finden“, sagt Roxin. 

Neben Beiträgen op Platt bildet die Musik einen wesentlichen Faktor der 30- bis 45-minütigen Andachten in der Wegekapelle, die auf zehn Bänken Platz für 40 Besuchende bietet. Verschiedene Musizierende wechseln sich jede Woche ab.

Wenn im Herbst Erntedank gefeiert wird, spürt man in ihren Mauern viel Dankbarkeit und etwas Wehmut. Denn dann kehrt für ein halbes Jahr Ruhe ein. Doch die Kapelle weiß – mit Pfingsten kommen die Stimmen zurück. Und mit ihnen das Plattdeutsch. „Wir freuen uns dann alle auf Pfingsten, wenn es wieder losgeht”, sagt Hannelore Verwiebe lachend.

Plattdeutsche Andachten in Klein Grönau Termine 2026

Pfingstsonntag, 24. Mai2026 
mit Abendmahl
Volker Schauer, Pastor i.R.
Plattdüütsch

31. Mai 2026
Hannelore Verwiebe, Plattdüütsch-Predigerin
Plattdüütsch

7. Juni 2026
Udo Burchardt, Prädikant
Platt- und Hochdüütsch

14. Juni 2026
Dörte Eitel, Diakoniepastorin
Plattdüütsch

21. Juni 2026
Byrthe-Verena Kröncke-Schultz, Pastorin
Platt- und Hochdüütsch

28. Juni 2026
Arne Lentföhr, Lyriker
Plattdüütsch

5. Juli 2026
Robert Pfeifer, Marienpastor zu Lübeck 
Plattdüütsch

12. Juli 2026
Andreas Weiß, Propst i.R.
Platt- und Hochdüütsch

19. Juli 2026
Christian Kiesbye, Pastor i.R.
Plattdüütsch

26. Juli 2026
Byrthe-Verena Kröncke-Schultz, Pastorin 
Platt- und Hochdüütsch

2. August 2026
Christian Kiesbye, Pastor i.R.
Plattdüütsch

9. August 2026
Hannelore Verwiebe, Plattdüütsch-Predigerin
Plattdüütsch

16. August 2026
Byrthe-Verena Kröncke-Schultz, Pastorin
Platt- und Hochdüütsch

23. August 2026
Fachstelle “jung + evangelisch”
Katharina Schneider, Bildungsreferentin und Niklas Brose, Student 
Platt- und Hochdüütsch

30. August 2026
Byrthe-Verena Kröncke-Schultz, Pastorin
Platt- und Hochdüütsch

6. September 2026
Björn Maagk, Pastor
Platt- und Hochdüütsch

Tag des offenen Denkmals
13. September 2026
Hannelore Verwiebe, Plattdüütsch-Predigerin
Plattdüütsch

20. September 2026
Byrthe-Verena Kröncke-Schultz, Pastorin
Platt- und Hochdüütsch

27. September 2026
Volker Schauer, Pastor i.R.
Plattdüütsch

Erntedank, 4. Oktober 2026
mit Abendmahl
Byrthe-Verena Kröncke-Schultz, Pastorin
Platt- und Hochdüütsch

Die Kollekte der gesamten Andachtsreihe geht an: Der Bunte Kreis Lübeck, Nachsorge für Frühgeborene sowie chronisch- und schwerstkranke Kinder.