Lübeck

Propst Graffam bei Radio Lübeck: Fußball ist mehr als ein Spiel

Lübeck. Fußball und Glaube, Gemeinschaft und große Emotionen: Über diese Themen sprach Propst Philip Graffam im Interview mit Moderator Timo Kempinski bei Radio Lübeck. Anlass war die laufende Fußball-Weltmeisterschaft, die der Fußballfan mit großer Leidenschaft verfolgt.

Radio-Talk zur Fußball-WM

„Ich bin Fußballfan seit meinem zehnten Lebensjahr und verfolge Weltmeisterschaften seit 1974“, sagte Graffam. Die Faszination des Turniers liege für ihn nicht nur in den großen Momenten, sondern auch in den überraschenden Geschichten. Besonders beeindruckt zeigte er sich von Außenseitern, die über sich hinauswachsen. Das 0:0 von Kap Verde gegen Spanien erinnere ihn an das biblische Bild von David und Goliath. „Es zeigt, dass auch die vermeintlich Kleinen Großes erreichen können.“

Parallelen zwischen Fußball und Kirche sieht der Propst vor allem im Gedanken der Gemeinschaft. „Der Fußball lebt davon – wie unsere Gesellschaft auch –, dass das Team wichtig ist, dass das Zusammenspiel wichtig ist und dass die Herkunft nicht entscheidend ist, sondern die Frage: Was kann ich in der Mannschaft zum Gelingen des Ganzen beitragen?“

“Fußball schafft Momente, die man nie vergisst”

Fußball schaffe Momente, die Menschen lange in Erinnerung blieben, sagte Graffam. „Das sind Momente, die vergisst man nicht.“ Gleichzeitig zeige der Sport, wie schnell sich öffentliche Wahrnehmung ändern könne – zwischen Held und Antiheld lägen oft nur wenige Sekunden.

Mit Blick auf religiöse Bekundungen einzelner Spieler während der Weltmeisterschaft warb der Propst für Augenmaß. „Ich habe nichts dagegen, wenn Spieler sagen: ,Ich glaube an Gott und ich möchte beten.‘ Aber Glauben ist zunächst einmal auch eine persönliche Sache.“ Problematisch werde es, wenn Menschen das Gefühl bekämen, dass ihnen etwas übergestülpt werde.

Fußball kann religiöse Züge tragen

Dass Fußball durchaus religiöse Züge tragen könne, stellte Graffam nicht infrage. „Jeder gute Fußballfan kennt seine Liturgien, seine Gesänge, seine Rituale und seine Praktiken“, sagte er mit einem Schmunzeln. Dennoch gelte: „Es hat religiöse Momente, aber am Ende ist es Sport und ein Spiel.“

Sorgen bereitet dem Propst hingegen die politische Begleitmusik rund um das Turnier. Dass ein Schiedsrichter aus Somalia nicht einreisen konnte oder Fans der Elfenbeinküste kein Visum erhielten, stimme ihn nachdenklich. „Davon will ich mir meinen Sport und meine Liebe zum Fußball nicht kaputtmachen lassen. Aber kritisch angemerkt werden muss es.“

Propst würde England den WM-Sieg gönnen

Wer am Ende den WM-Pokal in die Höhe streckt, wollte Graffam nicht mit Sicherheit vorhersagen. Einen Favoriten hat er dennoch: „Momentan bin ich bei England. Denen würde ich es gönnen.“

Das Interview ist am Sonntag, 5. Juli 2026, um 8.10 Uhr bei Radio Lübeck zu hören. Wiederholt wird es noch einmal um 12.40 und 18.10 Uhr.