Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg

"Sie werden nicht namenlos beerdigt" - ökumenische Aussegnungen in Lübeck

Lübeck. Zwölf schwarze Urnen stehen auf dem Altar der Trauerhalle. Eine große Kerze brennt, ein schlichtes Kreuz ziert das Fenster. Nach und nach betreten Frauen und Männer den Raum, blicken zu den Urnen, verneigen sich, falten die Hände und nehmen leise Platz.  Einmal im Monat finden an einem Donnerstag im Bestattungshaus Müter Aussegnungen statt – eine seit 2013 gelebte ökumenische Praxis der evangelischen und katholischen Kirche. 

Jedes Leben hat seine Würde 

Im Auftrag der Hansestadt Lübeck wird ein würdevoller Abschied für Menschen gestaltet, die sich keine eigene Bestattung leisten konnten oder keine Angehörigen mehr haben. “Die Verstorbenen waren Mitglieder unserer Kirchen”, berichtet Marienpastor Robert Pfeifer, der gemeinsam mit Propst Christoph Giering von der katholischen Pfarrei “Zu den Lübecker Märtyrern” die heutige Aussegnung übernimmt. 

Die Urnen werden vom Krematorium in die Trauerhalle überführt und auf dem Altar aufgestellt. Bei der Verlesung jedes Namens wird eine Kerze entzündet, es wird gebetet, ein Lied gesungen und am Ende der Segen gesprochen. Im Wechsel mit Pastorin Lilly Schaack von St. Petri und Frank Gottschalk, Leiter der Telefonseelsorge im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, begleitet Pfeifer regelmäßig diese Feiern. 

Auch Vertreter der katholischen Kirche sind stets dabei. “Jedes Leben ist wertvoll und hat seine Würde. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, den Verstorbenen das letzte Geleit zu geben”, sagt Christoph Giering. Er wechselt sich mit Pastor Peter Otto und Diakon Gernot Wüst bei den Trauerfeiern ab. 

Verbunden über den Tod hinaus 

“Ich beteilige mich schon seit vielen Jahren an der Durchführung der Kollektivaussegnungen, weil sich hinter jedem Namen eine einzigartige und unverwechselbare Lebensgeschichte mit Höhen und Tiefen verbirgt”, sagt Frank Gottschalk. “Und ich möchte nicht, dass Menschen, die Kirchenmitglieder waren und die unter uns gelebt haben, einfach sang- und klanglos bestattet werden.” 

Robert Pfeifer freut sich besonders darüber, dass auch Menschen an den Aussegnungen teilnehmen, die die Verstorbenen nicht kannten. “Christinnen und Christen, die ihrer Verantwortung nachkommen und für die Verstorbenen beten. Das ist ein starkes Zeichen der Verbundenheit über den Tod hinaus”, sagt er. Und betont: “Sie werden nicht namenlos beerdigt.” 

Die Kollektivaussegnungen, die je zwischen 15 und 20 Minuten dauern, sind öffentlich - wer teilnehmen möchte, ist jeden letzten Donnerstag im Monat um 16 Uhr willkommen. Anschließend werden die Urnen auf dem St.-Lorenz-Friedhof am Lübecker Hauptbahnhof beigesetzt.