St. Jakobi tickt wieder richtig
Lübeck. An St. Jakobi zu Lübeck stand die Zeit still - bis jetzt. Ein Uhrmacher hat die Ursache für den plötzlichen Halt der Zeiger auf der Turmuhr von Lübecks Innenstadtkirche gefunden. Ab Dienstag (11.8.2026) um ca. 14 Uhr - nämlich zu der Uhrzeit, als die Zeiger stehen blieben - soll sie wieder normal die Zeit anzeigen.
"Die Uhr ist ein Monster", sagt Martin Stadermann - und meint damit weniger ihre Gefährlichkeit, sondern ihre schiere Größe. Der Uhrmacher aus Preetz (Kreis Plön) kennt sich aus mit alten Turmuhren - hat er doch zum Beispiel schon in Hamburg, Herrenhausen oder Hannover dafür gesorgt, dass die großen Zeitmesser wieder richtig ticken. "Ich finde die klasse, weil sie den Menschen schon seit so langer Zeit die Zeit anzeigen - und man sich zumindest meistens auf sie verlassen kann."
Auch bei der Uhr von St. Jakobi hat er schnell den Fehler gefunden. Schon kurze Zeit nach seinem Aufstieg über Wendeltreppe und Holzleitern in ca. 60 Meter Höhe erklingt in der kleinen Einhausung in dem Dach von St. Jakobi wieder das vertraute Klacken der Zahnräder.
Kurz vor zwei Uhr stehengeblieben
Doch kurz einen Schritt zurück: Erst vor rund drei Wochen war die Uhr aus dem 17. Jahrhundert regulär gewartet worden und lief einwandfrei. In den 1990er-Jahren wurde sie nämlich mit einem Motor ausgerüstet, damit nicht jeden Tag jemand den Aufstieg in luftige Höhen auf sich nehmen muss, um sie händisch wieder aufzuziehen. Doch schon vor einigen Tagen bemerkten aufmerksame Passant:innen: Die Zeiger der einzigen Kirchturmuhr in der Lübecker Innenstadt waren bei kurz vor zwei Uhr stehen geblieben - Ursache unklar.
Mögliche Ursache: Ein Stromausfall
"Bei dieser Uhr vermute ich, dass durch den Stromausfall das Gewicht bis ganz nach unten gelaufen ist und auf dem Boden aufgesetzt hat", sagt Stadermann. Eines der Gewitter in den vergangenen Wochen könnte vielleicht dafür verantwortlich sein. "Normalerweise regelt die Uhr das Aufziehen und Stoppen selbstständig", sagt der Uhrmacher. "In diesem Fall konnte sie sich jedoch nicht wieder eigenständig aufziehen. Deshalb mussten die Motoren von Hand angesteuert werden, damit das Gewicht wieder nach oben gezogen werden konnte." Was außerdem händisch erledigt werden musste: das schwere Pendel "anzuschubsen", damit die Uhr wieder in Gang kommt.
„Wir sind sehr froh, dass das Problem an der Turmuhr so schnell behoben werden konnte und sie nun wieder zuverlässig laufen kann", sagt Jan-Dirk Verwey, Vorstand der Stiftung 7Türme+ und Mitglied des Kirchengemeinderats von St. Jakobi. "Eine Turmuhr ist schließlich weit mehr als nur ein Uhrwerk: Seit Generationen gibt sie den Menschen den Takt des Tages vor und gehört ganz selbstverständlich zum Leben in der Stadt." Dass sie funktioniere, sei keine Selbstverständlichkeit. Verwey: "Auch solche technischen Anlagen sind Teil unserer sieben Türme und müssen gepflegt und erhalten werden, damit sie weiterhin das tun können, was sie seit Jahrhunderten tun: für die Menschen da sein.“
Die Uhr tickt ab Dienstag wieder
Und trotzdem: Am Montag (10.08.2026) sind die Lübecker noch nicht in den Genuss einer funktionierenden Turmuhr gekommen. Der Grund dafür: Da man bei einer Uhr dieser Größe nicht einfach beliebig eine Zeit einstellen kann, muss noch einmal gewartet werden, nämlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie stehengeblieben ist - wieder zwei Uhr, und zwar am Dienstagnachmittag. Dann wird jemand vom Jakobi-Personal das Werk wieder in Gang setzen. Da die vier Zeigerwerke durch ein Gestänge miteinander verbunden sind, wird "automatisch" auf allen vier Seiten die gleiche Uhrzeit angezeigt. Stadermann resümiert: "Und dann tickt die Uhr wieder brav und genüsslich vor sich hin – und zeigt den Lübeckern, was die Stunde geschlagen hat.“