Lübeck-Lauenburg

Synode fasst Beschluss für "Expedition Kirche"

Lübeck-Lauenburg. Wie könnte die zukünftige Struktur des Kirchenkreises und der Kirchengemeinden in Lübeck und im Kreis Herzogtum-Lauenburg aussehen? Mit dieser und anderen Fragen hat sich die Synode des Kirchenkreises in ihrer digitalen Sitzung am 5. September 2026 befasst.

Zukünftiges Organisationskonzept

Es wurde intensiv diskutiert an diesem Sonnabendvormittag. Nicht zum ersten Mal beschäftigte die Synodalen die große Frage, wie eine zukünftige Struktur und ein Organisationskonzept des Kirchenkreises bei sinkenden Ressourcen und Personal aussehen könnte.

Auch diesmal ging es um den zukünftigen Körperschaftsstatus von Kirchenkreis und Kirchengemeinden. Damit verbunden ist die Frage: Wer übernimmt langfristig welche Pflichten und Aufgaben? Bereits 2025 hatte die Synode einen Prüfauftrag an die Landessynode gerichtet, der jedoch nicht berücksichtigt werden konnte. „In unseren Gesprächen mit dem Rechtsdezernat des Landeskirchenamts wurde deutlich, dass wir unsere Anfrage schärfen müssen”, erläuterte Propst Oliver Erckens, der die Beschlussvorlage vorstellte. 

Mit frischem Wind in die Zukunft

Erckens erörterte die aktuelle Lage anhand einer Schiffsmetapher: „Es ist so, dass unser bisheriges Schiff in die Jahre gekommen ist. Es ist schlicht zu groß, braucht enorm viel Personal, um überhaupt bedient zu werden. Es ist für 90 Prozent Kirchenmitgliedschaft gebaut worden", so Erckens. 

„Die Idee ist also, dass wir wir neu bauen und dabei im Blick haben, was wir aus dem bisherigen Schiff lernen und mitnehmen können. Kleiner soll es werden, aber auch wendiger und so, dass die Menschen nicht nur mit der Bedienung des Schiffs beschäftigt sind, sondern auch in Richtung Ziel schauen können. Wie kommen wir mit Gott in Kontakt und wie handeln wir möglichst im Sinne Jesu.”

Beschlussvorlage an die Landessynode

Die Kirchenkreissynode bittet die Landessynode, von der Kirchenleitung prüfen zu lassen, ob folgende Neustruktur rechtlich umsetzbar wäre. Damit verbunden ist die Bitte, ein entsprechendes Gesetz bis Ende Herbst 2027 vorzubereiten: Der Kirchenkreis und die Kirchengemeinden bilden gemeinsam eine neue Körperschaft öffentlichen Rechts mit übergreifenden Aufgaben. Die Kirchengemeinden sind als Körperschaften des kirchlichen Rechts mit eigenen Aufgaben, eigenem Budget und eigenen Gremien ausgestattet.

Rückendeckung durch die Synode

Mehr als zwei Drittel der anwesenden Synodalen stimmten nach einer ausführlichen Diskussion und einem abgelehnten Änderungsantrag für den Beschluss. „Diese Rückendeckung ist sehr wichtig. Sie bildet die Grundlage dafür, dass wir einen Rahmen schaffen, der uns als Leitschnur für unsere zukünftige Ausrichtung und Ausgestaltung dienen kann”, sagte Synodenpräses Katrin Thomas. „Ich freue mich darüber, dass es eine faire Aussprache dazu gab.”

Propst Oliver Erckens dankte allen Mitgliedern der Arbeitsgruppen, die in den Workshops im Sommer „derart präzise, sachlich und engagiert diskutiert haben. Das ganze Projekt hat enorm an Tiefe gewonnen. Gleichzeitig sind wesentliche Knackpunkte deutlich geworden, über die wir in der Dezembersynode inhaltlich diskutieren müssen. Dann aber mit dem Landeskirchenamt an Bord.”

Meilenstein im Beteiligungsprozess

Der Synodale Jan Schuback aus dem Kirchengemeinderat der Laurentiusgemeinde in Lübeck betonte: „Wir stellen jetzt die Frage, ob so ein Modell möglich wäre. Dabei ist das Endergebnis offen. Der Beteiligungsprozess muss jetzt weiterlaufen. Es ist die Option: Dürfen wir uns über so eine Strukturveränderung Gedanken machen?“
Die Synode beauftragte in einem weiteren Beschluss den Kirchenkreisrat, eine Projektgruppe zu gründen, die in Abstimmung mit dem Landeskirchenamt ein zukünftiges Organisationskonzept weiter entwickeln soll.

Notfallseelsorge stellt sich neu auf

Weiteres Thema war die Notfallseelsorge im Kreis Herzogtum-Lauenburg, die sich neu strukturiert und durch ein Kompetenzteam aus 17 ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen verstärkt wird. Hintergrund ist, dass die Einsatzzahlen sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht haben, die Anzahl der Pastor:innen jedoch sinkt. „Wir haben festgestellt, dass es zunehmend eine Herausforderung ist, den Bereitschaftsdienst zuverlässig abzudecken”, so Pastorin Caroline Boysen, die mit 25 Prozent Stellenanteil in der Organisation der Notfallseelsorge beschäftigt ist. Das Kompetenzteam sichert im Hintergrund die Bereitschaft. Alle Ehrenamtlichen werden regelmäßig fortgebildet. „Ganz großer Respekt und Anerkennung für diese Arbeit, das ist Kirche im Alltag und wo sie gebraucht wird!", so Präses Thomas.

Werte und Demokratie im Fokus

Bastian Modrow aus der Medienabteilung des Kirchenkreises stellte der Synode das Schwerpunktthema „Demokratie“ für das Landtagswahljahr 2027 vor. So planen Fundraising und Medienabteilung demokratiefördernde Ideen und Projekte aus den Gemeinden vorzustellen. Im Fokus steht die Rolle der Kirche bei der Vermittlung von Werten in der Gesellschaft, besonders auch im Bereich junge Menschen. Geplant sind Mailings, ein Sonder-Newsletter, eine eigene Landingpage und die Nutzung der “spende.app”, um auf die Projekte aufmerksam zu machen und nach Bedarf zum Spenden aufzurufen. „Wir müssen uns als Kirche für Demokratie einsetzen, das ist wichtiger denn je”, betonte Katrin Thomas im Anschluss. „Das hat mit den Grundwerten des Christseins zu tun. Deswegen begrüße ich diesen Schwerpunkt sehr."

Jahresabschluss 2025 und „ökoFaire“ Gemeinden

Die Synode verabschiedete den Jahresabschluss 2025 und ließ sich unter anderem über die Fortschritte im Bereich der „ökoFairen” Gemeinden informieren. Dazu sprach Dr. Kirsten Hüttner, Projektkoordinatorin bei der Nordkirche, zu den Synodalen und betonte, wie wichtig es sei, mit kleinen Schritten anzufangen. Mit großer Mehrheit einigte sich die Synode auf die Initiative „50+ ökoFair” des Klima- und Nachhaltigkeitsausschusses. Ihr Ziel ist es, dass bis zum 31. Dezember 2028 alle Kirchengemeinden sowie alle Dienste und Werke des Kirchenkreises „ökoFair” sind.