Lübeck

Theatergottesdienst zu „Felix Krull“ in St. Aegidien

Lübeck. Was ist Fake, was ist Illusion – und was ist Realität? Wer sind wir, und wann sind wir mehr Schein als Sein? Der Theatergottesdienst in der St.-Aegidien-Kirche am Sonntag, 11. Oktober 2026, widmet sich Felix Krull, der zwielichtigen Hauptfigur aus Thomas Manns Roman „Bekenntnisse eines Hochstaplers“.

Wer bestimmt, wer ich bin?

„Auf der Theaterbühne werden die Zuschauenden in eine lustvolle Auseinandersetzung mitgenommen, die einem Spiel gleicht. Jenseits des Theaters stellt sich die Frage der eigenen Identität oft schmerzhafter. Wer bestimmt, wer ich bin?“, erläutert Pastorin Nicola Nehmzow. Wie immer werden im Theatergottesdienst der künstlerische und der theologische Aspekt miteinander verbunden. „Wir treten in den Dialog zwischen Mensch und Gott. Und fragen, wie in Psalm 8: ‚Was ist der Mensch?‘ Was macht ihn aus? Wo bin ich frei? Und wo werde ich bestimmt? Wer sieht mich und bei wem kann ich mich zeigen, wie ich bin?“
Tiefgreifende Fragen, die nicht in einer Stunde beantwortet werden können, aber zum Weiter- und Nachdenken anregen sollen. „Wir haben ein Leben lang Zeit, herauszufinden, wer wir sind. Und zugleich sind wir in verschiedenen Kontexten immer anders: als Kind, als Erwachsene, als Eltern, im Beruf, unter Freunden …“

Die Dramaturgin von „Felix Krull“, Veronika Firmenich, ist neugierig auf den Theatergottesdienst: „Ich freue mich besonders auf die Perspektive und Deutung von Pastorin Nicola Nehmzow und Gemeindemitgliedern auf unsere Arbeit. Zu hören, wie Menschen mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen, ihrer Expertise und ihren Themen auf ‚unseren‘ Felix Krull schauen oder diese Inszenierung interpretieren, ist wiederum eine bereichernde Erfahrung für uns. Es ist ein Austausch außerhalb des Theaters, den ich sehr schätze“.

Die eigene Identität im Blick

Die 16-jährige Sophie Schröder absolviert zurzeit ihr Schülerpraktikum in der St.-Aegidien-Gemeinde und hilft bei der Organisation des Theatergottesdienstes: „Das ist eine sehr spannende Aufgabe für mich“, sagt sie. Und auch sie beschäftigt die Frage nach der eigenen Identität: „Auch ich mache mir Gedanken darüber, wer ich bin. Auch ich habe Phasen, die ich als schwierig empfinde und aus denen ich anders wieder hervorgehe. An denen ich wachse. Gott hat mir dieses Leben geschenkt, und das möchte ich bestmöglich für mich gestalten.“

Theater und Religion im Dialog

„Wer Lust hat auf Identitätssuche und auf einen Dialog zwischen Theater und Religion, ist zu diesem besonderen Gottesdienst herzlich eingeladen“, wirbt Nicola Nehmzow. „Alle drei Schauspieler werden hier sein und eine Kostprobe aus dem Stück, das in den Kammerspielen aufgeführt wird, zeigen.“
Der Theatergottesdienst beginnt am Sonntag, 11. Oktober, um 10 Uhr in der St.-Aegidien-Kirche.