Verkauf der Kreuzkirche: Das sind die nächsten Schritte
Lübeck. Trotz hochsommerlicher Temperaturen informierten sich rund 100 Gemeindemitglieder am Mittwochabend (25. Juni 2026) in der Kreuzkirche über die geplante Veräußerung des Kirchengebäudes. Die Kirchengemeinde in St. Jürgen in Lübeck hatte zu einem Info-Abend eingeladen, bei dem Mitglieder des Kirchengemeinderates, das Pastoren-Team und Vertreter:innen des Lübecker Bauvereins über die Hintergründe der Entscheidung und die möglichen Perspektiven für das Gelände berichteten.
Sinkende Mitgliederzahlen in St. Jürgen
Das Pastoren-Team stellte dabei die Entwicklungen vor, die den Kirchengemeinderat zu seiner Entscheidung geführt haben. Die Zahl der Gemeindemitglieder ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen: Waren 2014 noch 13.815 Menschen Mitglied der Kirchengemeinde, sind es aktuell 9.816. Für das Jahr 2033 wird mit einem weiteren Rückgang auf rund 8.116 Mitglieder gerechnet.
Mit den sinkenden Mitgliederzahlen gehen auch geringere Kirchensteuerzuweisungen einher. Vor sechs Jahren erhielt die Kirchengemeinde noch gut 533.000 Euro aus Kirchensteuermitteln. Derzeit sind es rund 408.000 Euro. Hinzu kommen bestehende Verbindlichkeiten sowie ein Haushaltsdefizit.
Weniger Kirchensteuern, hohe Verbindlichkeiten
„Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen: Die Kreuzkirche ist für viele Menschen ein Ort voller Erinnerungen und persönlicher Lebensgeschichten“, sagte Pastorin Judith Fincke, Vorsitzende des Kirchengemeinderates. „Hier wurden Menschen getauft und konfirmiert, hier haben sie geheiratet, Gemeinschaft erlebt und von Angehörigen Abschied genommen.“
Fincke betonte zugleich, dass der Kirchengemeinderat die Zukunft des Gebäudes mit großer Sorgfalt in den Blick genommen habe. „Wichtig war uns, dass wir nicht irgendeinen Käufer wollten. Wir haben nach einer Lösung gesucht, die dem Ort und dem Stadtteil gerecht wird.“
Gespräche mit Lübecker Bauverein vor dem Abschluss
In abschließenden Verhandlungen befindet sich die Kirchengemeinde derzeit mit dem Lübecker Bauverein. Dessen Vorstände Christine Koretzky und Stefan Probst waren ebenfalls beim Informationsabend anwesend und stellten erste Überlegungen für die künftige Nutzung des Geländes vor.
Demnach soll die architektonisch markante Kreuzkirche einem Neubauprojekt weichen. An ihrer Stelle könnten mindestens 60, möglicherweise sogar bis zu 75 Wohneinheiten entstehen. Vorgesehen sind drei- bis fünfgeschossige Gebäude, die sich in die bestehende Bebauung des Quartiers einfügen sollen. Geplant sind zudem eine Tiefgarage sowie Angebote für studentisches Wohnen. Der vorhandene Baumbestand soll nach Möglichkeit erhalten bleiben.
„Für uns ist dieses Bauvorhaben unser Prioritäts-Förderprojekt für das Jahr 2027“, sagte Vorstand Stefan Probst. Der Kaufvertrag könnte nach derzeitiger Planung im September 2026 unterzeichnet werden. Läuft alles nach Plan, soll ab 2028 etwa 18 bis 24 Monate lang gebaut werden.
Erinnerung an die Kreuzkirche soll bleiben
Auch nach einem Abriss soll die Geschichte der Kreuzkirche auf dem Gelände sichtbar bleiben. Eine Idee wäre, die Umrisse des Kirchengebäudes in der Bepflasterung des neuen neuen Wohnquartiers nachzuzeichnen. Konkrete Visualisierungen oder endgültige Bebauungspläne gibt es derzeit allerdings noch nicht.
Bereits im Jahr 2022 hatte die Kirchengemeinde ein Gebäudekonzept vorgestellt, das eine Reduzierung des Gebäudebestandes vorsieht. Hintergrund sind langfristige finanzielle, bauliche und demografische Entwicklungen, mit denen viele Kirchengemeinden in Deutschland konfrontiert sind. Auch der im Mai 2025 neu gewählte Kirchengemeinderat hat sich intensiv mit den Zukunftsperspektiven der Gemeinde und ihrer Gebäude beschäftigt.
Kreuzkirche gemeinsam verabschieden
Mit einer Veräußerung des Gebäude-Ensembles ist auch die Entwidmung des Gebäudes verbunden. „Die Kreuzkirche hat über Jahrzehnte das Leben vieler Menschen geprägt. Diesen Schatz möchten wir sichtbar machen und würdig verabschieden.“ Geplant ist ein Gottesdienst mit Bischöfin Kirsten Fehrs am Sonntag, 6. September 2026, um 15 Uhr. Bereits in der Woche zuvor, vom 31. August bis zum 5. September 2026, soll eine besondere Erinnerungswoche stattfinden. Geplant sind Begegnungen, Gespräche und Veranstaltungen, die Raum für persönliche Erinnerungen, Austausch und gemeinsames Abschiednehmen bieten.
Dabei soll es auch ein sogenanntes „Open House“ geben. Dabei sollen Gemeindemitglieder die Möglichkeit erhalten, persönliche Erinnerungsstücke aus der Kreuzkirche gegen eine Spende mitzunehmen, berichtete Pastorin Judith Fincke. Zahlreiche Gegenstände aus dem Kirchengebäude sollen auf diese Weise einen neuen Platz finden.
Verkauf von Glocke und Orgel
Eine Reihe teils religiöser Kunst- und Kulturgüter wird künftig in andere Gebäude der Kirchengemeinde in St. Jürgen umziehen und dort weiterhin genutzt werden. Andere Ausstattungsstücke – darunter die Glocke und die Orgel – sollen verkauft werden.
Zugleich blickt die Kirchengemeinde nach vorn. „Kirche lebt nicht allein von Gebäuden“, sagte die Pastorin. „Sie lebt von den Menschen, die Glauben teilen, Gemeinschaft gestalten und Verantwortung füreinander übernehmen. Deshalb wollen wir auch künftig eine lebendige, offene und einladende Kirche in St. Jürgen sein.“