Lübeck-Lauenburg

Vielfalt ist #unverhandelbar: So feiert die Kirche den CSD in Lübeck

Lübeck. Wenn der Christopher Street Day am 14. und 15. August 2026 Lübeck in Regenbogenfarben taucht, feiert auch die Evangelische Kirche Lübeck-Lauenburg mit. St. Marien wird dabei zu einem zentralen Ort: Hier findet der ökumenische Eröffnungsgottesdienst statt, Paare können sich spontan kirchlich trauen oder segnen lassen, und Menschen haben die Möglichkeit, einen persönlichen Segen zu empfangen – etwa im Rahmen einer Transition, eines Coming-Outs oder als stärkenden Zuspruch für ihren weiteren Lebensweg.

Buntes Zeichen gegen Diskriminierung

Unter dem diesjährigen Motto „#unverhandelbar“ setzt der CSD Lübeck ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt, Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Gerade in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft immer stärker polarisiert ist, erleben queere Menschen wieder vermehrt Ausgrenzung und Anfeindungen – besonders im Internet. Als Kirche wollen wir dem etwas entgegensetzen. Wir möchten ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen und deutlich machen: Jeder Mensch ist von Gott geliebt und willkommen“, sagt Tobias Maximilian Knöller, Diakon bei der Servicestelle und Ritualagentur Segensreich

Segensreich koordiniert kirchliche CSD-Aktionen 

Für Lübecks Propst Oliver Erckens ist die Beteiligung der Kirche auch persönlich von großer Bedeutung. Er erinnert sich an den CSD-Gottesdienst im vergangenen Jahr: „Im August 2025 habe ich einen der bewegendsten Gottesdienste meines Lebens erlebt. Die Predigt der Küsterin Paula Claußen über ihren Weg als trans Person und ihre Beziehung zu Gott hat mir großen Mut gemacht.“ Dieser Gottesdienst habe ihn darin bestärkt, Verantwortung für die Kirche in Lübeck zu übernehmen. „Bei allem, was die erkämpften Freiheiten queerer Menschen derzeit bedroht, trägt mich mein Glaube an Gott – Liebhaber:in des Lebens, der Vielfalt und der Liebe.“

Auch Robert Pfeifer, Pastor an St. Marien, sieht die Kirche in gesellschaftlicher Verantwortung. „Wir öffnen Räume, in denen Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität willkommen sind. Kirche engagiert sich dort, wo Menschenrechte und die Würde des Menschen berührt sind. Dazu gehört, Vielfalt wahrzunehmen, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu achten und ein respektvolles Miteinander zu fördern.“

Vielfältiges Programm zum CSD in Lübeck

Den Auftakt des kirchlichen Programms bildet am Sonnabend, 8. August 2026, das Konzert „Unstoppable“ in St. Marien mit Organistin Helene Streck und Drag Queen Edgy Badge. „Die Orgel ist ein wahnsinnig vielfältiges Instrument. Das spiegelt sich auch in diesem Programm wider“, sagt Kirchenmusiker Tom Buchholz, der das Konzert organisiert. Tickets sind im Vorverkauf unter www.tonalkultur.de sowie an der Abendkasse erhältlich.

Am Montag, 10. August 2026, wird St. Marien ab 22 Uhr bei „Lights On“ in den Farben des Regenbogens erstrahlen. Ein Sektempfang lädt dazu ein, gemeinsam in die Pride-Woche zu starten.

Der ökumenische Eröffnungsgottesdienst des CSD findet am Freitag, 14. August 2026, ab 18 Uhr in St. Marien statt. Gemeinsam mit der katholischen Kirche und der Reformierten Gemeinde gestaltet die Evangelische Kirche den Gottesdienst. Die Predigt hält Tash, Pfarrperson bei der Queeren Nordkirche. Musikalisch wirken der Lübecker Kneipenchor sowie die Popularmusiker Johannes Lenz und Hannah Laackmann mit.

Am Sonnabend, 15. August, beteiligt sich die Evangelische Kirche an der CSD-Demonstration. Treffpunkt ist um 11.45 Uhr am „Teufel“ vor St. Marien, der Demonstrationszug startet um 12 Uhr. Anschließend ist der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg mit einem Stand auf dem Straßenfest auf dem Markt vertreten.

Ab 14 Uhr öffnet das Marienwerkhaus mit „Queer & Quiet“ als geschützter Rückzugsort. Besucher:innen finden dort Ruhe, Raum für Gespräche und seelsorgerliche Begleitung.

Den Abschluss bildet ab 15.30 Uhr das Angebot „Queer Blessings – Segen für alle!“ in St. Marien. Paare können sich spontan kirchlich trauen oder sich segnen lassen, ohne den Bund der Ehe zu schließen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einen persönlichen Segen zu empfangen – beispielsweise anlässlich eines Coming-Outs, einer Transition oder als stärkenden Zuspruch für den eigenen Lebensweg.

“Kirche und CSD gehören zusammen”

„Wir wollen zeigen, dass Kirche und CSD ganz selbstverständlich zusammengehören. Der Regenbogen ist schon in der Bibel ein Zeichen für Gottes Bund mit den Menschen, für Vielfalt und seinen Segen. Deshalb stehen wir als Kirche an der Seite queerer Menschen und feiern den CSD mit“, sagt Segensreich-Pastorin Anne Mareike Müller.