Die Orgel in Sandesneben
- Erbaut: 1876
- Orgelbauer:
Philipp Furtwängler & Söhne, Elze - 22 Register
St.-Marien-Kirche
Altes Dorf 4
23898
Sandesneben
Offene Kirche:
Ostern–Erntedank: Sonntag 15–17 Uhr
Ein historisches Instrument mit mehr als 300 Jahren Geschichte
Die Orgel der St.-Marien-Kirche in Sandesneben gehört zu den bedeutenden historischen Orgeln des Herzogtums Lauenburg. Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1701 zurück, als der bedeutende norddeutsche Orgelbauer Arp Schnitger für die Kirche ein neues Instrument schuf.
Die heutige Orgel wurde 1876 von Philipp Furtwängler & Söhne erbaut. Sie stellt das einzige bekannte erhaltene Werk dieses Unternehmens in Schleswig-Holstein dar und verbindet die Tradition der norddeutschen Orgelkultur mit den Klangvorstellungen der Romantik.
Die überlieferten Archivalien, historischen Dispositionen, Schriftwechsel und Restaurierungsunterlagen ermöglichen es, die Entwicklung der Sandesnebener Orgel über mehr als drei Jahrhunderte hinweg nachzuvollziehen.
Besondere Merkmale der Sandesnebener Orgel
- Vorgängerinstrument von Arp Schnitger aus dem Jahr 1701
- Stiftung der ersten Orgel durch Magnus von Wedderkop
- einzig erhaltenes bekanntes Werk von Philipp Furtwängler & Söhne in Schleswig-Holstein
- bedeutendes Zeugnis des romantischen Orgelbaus in Schleswig-Holstein
- wesentliche historische Substanz der Erbauungszeit erhalten
- Restaurierung durch G. Christian Lobback 1991/92
- Ausbau nach Sturmschäden 1999 und Wiedereinbau 2002
Disposition
I. Hauptwerk C-f3
1. Bordun 16'
2. Principal 8'
3. Hohlflöte 8
4. Oktave 4'
5. Gedackt 4'
6. Waldflöte 2'
7. Quinte 2 2/3'
8. Mixtur IV–V
9. Trompete 8'
II. Brustwerk (C-f³)
10. Salicional 8'
11. Gedackt 8'
12. Gemshorn 4'
13. Principal 2'
14. Terzian II
15. Blockflöte 1'
16. Scharf III
17. Oboe 8'
Tremolant
Pedal (C-d¹)
18. Subbaß 16'
19. Prinzipal 8'
20. Gedackt 8'
21. Oktave 4'
22. Posaune 16'
Koppeln: II/I, I/P
Die erste Orgel
Die erste nachweisbare Orgel der Kirche wurde im Jahr 1701 durch Arp Schnitger errichtet. Stifter war der Gutsherr Magnus von Wedderkop. Mit diesem Instrument erhielt die Kirche in Sandesneben ein Werk eines der bedeutendsten Orgelbauer Norddeutschlands.
Die erhaltenen Quellen belegen, dass die Orgel über zwei Manuale und Pedal verfügte. Mehrfach wird auf die qualitätvolle Ausstattung des Instruments hingewiesen. Die überlieferten Registerlisten und Akten geben Einblicke in die Klanggestalt der verlorenen Barockorgel.
Reparaturen und Veränderungen
Im Jahr 1781 wurde die Orgel durch den Hamburger Orgelbauer Georg Christoph Seyfert repariert und erweitert. Die überlieferten Unterlagen zeigen, dass das Instrument den jeweiligen musikalischen Anforderungen angepasst wurde.
Auch für das Jahr 1847 sind weitere Arbeiten an der Orgel belegt. Die Schnitger-Orgel blieb damit über nahezu zwei Jahrhunderte das musikalische Zentrum der Kirche.
Die Furtwängler-Orgel von 1876
Im Jahr 1876 entschloss sich die Kirchengemeinde zu einem vollständigen Neubau. Die bestehende Orgel wurde durch ein Instrument der Orgelbauanstalt Philipp Furtwängler & Söhne ersetzt.
Die neue Orgel entsprach den romantischen Klangvorstellungen ihrer Zeit. Im Mittelpunkt standen warme Grundstimmen und eine größere klangliche Verschmelzung der Register. Trotz späterer Veränderungen hat sich ein wesentlicher Teil der historischen Substanz bis heute erhalten.
Von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass die Sandesnebener Orgel nach aktuellem Kenntnisstand das einzige erhaltene Instrument von Philipp Furtwängler & Söhne in Schleswig-Holstein ist.
Forschungen zur Sandesnebener Orgel
Von der frühen Bedeutung der Orgel zeugt ein Schreiben des Musikforschers G. Fock vom 30. Mai 1930. Darin erkundigte er sich nach der Geschichte der ehemaligen Schnitger-Orgel sowie nach den erhaltenen Unterlagen und Dispositionen.
Das Schreiben dokumentiert das wissenschaftliche Interesse an der Sandesnebener Orgel bereits zu einer Zeit, als die Erforschung des norddeutschen Orgelbaus noch am Anfang stand.
Geplante Umgestaltung 1955
Ein Kostenvoranschlag der Lübecker Orgelbaufirma E. Kemper & Sohn aus dem Jahr 1955 belegt umfangreiche Umbauplanungen.
Vorgesehen waren technische Veränderungen, Eingriffe in die Registerausstattung und eine Umgestaltung des Prospekts. Die Planungen stehen beispielhaft für die Vorstellungen der damaligen Orgelbewegung. Sie wurden jedoch nicht vollständig umgesetzt.
Restaurierung und Erhaltung
Im Zuge umfangreicher Renovierungsarbeiten an der Kirche wurde die Orgel 1991/92 durch G. Christian Lobback restauriert.
Dabei erhielt das Instrument zusätzlich die Register Salicional 8' und Oboe 8'. Ziel der Arbeiten war die Sicherung der historischen Substanz sowie die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Orgel.
Nach Sturmschäden an der Kirche musste die Orgel 1999 vorübergehend ausgebaut werden. Der Wiedereinbau und weitere Arbeiten erfolgten im Jahr 2002.
1701
Neubau einer Orgel durch Arp Schnitger, gestiftet von Magnus von Wedderkop
1781
Reparatur und Erweiterung durch Georg Christoph Seyfert
1847
Weitere Arbeiten an der Schnitger-Orgel nachgewiesen
1876
Neubau der heutigen Orgel durch Philipp Furtwängler & Söhne
1914
Einbau eines Magazinbalges
1928
Erneuerung der Prospektpfeifen
1940
Einbau eines elektrischen Gebläses
Quellen
Archiv des Ev.-Luth. Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg und der Kirchengemeinde | Zusammenstellung: Claudia Tanck und Medienabteilung | Redaktionelle Unterstützung: KI Microsoft Copilot