Die Orgel Seedorf
- Erste Orgel der Kirche: 1887
- Erbauer der ersten Orgel:
Marcussen & Søn, Apenrade - Heutiges Instrument:
Alfred Führer, Wilhelmshaven (1975) - 14 Register
St.-Clemens-St.-Katharinen-Kirche
Dorfstraße 7
23883
Seedorf
Offene Kirche:
Ostern–Erntedank täglich 9–18 Uhr
Klangbeispiel Orgel Seedorf
Ein Instrument mit bewegter Geschichte
Die Geschichte der Seedorfer Orgel reicht bis in das Jahr 1887 zurück. Damals erhielt die Kirche ihre erste Pfeifenorgel, erbaut von der renommierten dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Sohn in Apenrade. Die Anschaffung wurde durch Spenden aus der Gemeinde sowie die Unterstützung des Kirchenpatrons Ottokar von Witzendorff ermöglicht.
Zuvor hatte in der Kirche über viele Jahre ein Harmonium den Gemeindegesang begleitet. Bereits ab 1862 ist in den Kirchenrechnungen ein Bälgetreter nachweisbar, wodurch sich die Nutzung eines Tasteninstruments belegen lässt.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Marcussen-Orgel mehrfach verändert. Ein umfassender Umbau durch Kemper & Sohn im Jahr 1951 sollte das Instrument den damaligen musikalischen Anforderungen anpassen. Nachdem sich später erhebliche technische Probleme zeigten, entschied sich die Kirchengemeinde Anfang der 1970er Jahre für einen Neubau.
1975 entstand durch die Werkstatt Alfred Führer aus Wilhelmshaven die heutige Orgel. Zahlreiche Pfeifen der historischen Marcussen-Orgel konnten dabei weiterverwendet werden und verbinden bis heute die Geschichte beider Instrumente miteinander.
Besondere Merkmale der Orgel Seedorf
- Heutiges Instrument von Alfred Führer aus dem Jahr 1975
- Erste Seedorfer Pfeifenorgel wurde 1887 von Marcussen & Sohn erbaut
- 14 Register auf zwei Manualen und Pedal
- Zahlreiche Register enthalten ganz oder teilweise Pfeifen der Marcussen-Orgel von 1887
- Verbindung historischer Klangsubstanz des 19. Jahrhunderts mit einem Neubau des 20. Jahrhunderts
- Neubau entstand unter Wiederverwendung eines großen Teils des vorhandenen Pfeifenmaterials
- Klangliche Überarbeitung und Neuintonation durch Fritz Schild im Jahr 1987
Disposition
I. Werk (C–g³)
1. Prinzipal 8'
2. Rohrflöte 8''
3. Oktave 4'
4. Gemshorn 8'
5. Mixtur 4-fach
II. Werk (C–g³)
6. Gedackt 8'
7. Flöte 4
8. Prinzipal 2''
9. Quinte 1 1/3'
10. Scharff 3-fach
11. Regal 8'
Pedal (C–f¹)
12. Subbaß 16'
13. Flötenprinzipal 8'
14. Choralbaß 4'
Spielhilfen
Drei Koppeln
Die erste Seedorfer Orgel
Nachdem viele Jahre nur ein Harmonium zur Verfügung stand, erhielt die Kirche 1887 ihre erste Pfeifenorgel. Marcussen & Sohn aus Apenrade errichtete das Instrument nach einem im März 1887 erteilten Bauauftrag. Die Abnahme erfolgte durch den Möllner Organisten Hachmeister.
Die von Marcussen geschaffene Orgel bildete die Grundlage des kirchenmusikalischen Lebens in Seedorf über viele Jahrzehnte hinweg. Teile ihres Pfeifenwerks leben bis heute in der gegenwärtigen Führer-Orgel weiter.
Umbau durch Kemper 1951
Bereits 1937 wurden erste Überlegungen angestellt, die Marcussen-Orgel zu modernisieren. Eine grundlegende Umgestaltung erfolgte schließlich 1951 durch die Firma Kemper & Sohn in Lübeck. Anlass war ein Gutachten des Sachverständigen Helmut Schröder, der die damalige Disposition als „denkbar unglücklich“ und die Intonation als „außerordentlich hart“ bezeichnete.
Der Umbau umfasste:
- Umstellung auf elektrische Winderzeugung
- Einbau selbstständiger Pedalregister
- Teilung der Schleifen als Ersatz für ein zweites Manual
- Austausch mehrerer Register zur Klangverbesserung
- Neuintonation und Überarbeitung der gesamten Anlage
Am 17. November 1951 wurde das umgebaute Instrument offiziell abgenommen und der Gemeinde in einem Orgelkonzert vorgestellt.
Die heutige Führer-Orgel
Im Zuge einer Kirchenrestaurierung wurde die Orgel 1954 an einen neuen Platz auf der Empore versetzt. Dieser Standort erwies sich jedoch als ungünstig, zudem zeigten sich zunehmend technische Probleme. Die Kosten einer dauerhaften Instandsetzung erschienen so hoch, dass schließlich ein Neubau beschlossen wurde.
Den Auftrag erhielt 1974 die Firma Alfred Führer aus Wilhelmshaven. Das neue Instrument wurde im Frühjahr 1975 eingebaut und am 11. Mai 1975 feierlich eingeweiht. Die Planung erfolgte unter maßgeblicher Mitwirkung des Möllner Organisten Rudolf Ude.
Besonderer Wert wurde darauf gelegt, möglichst viele Pfeifen der historischen Marcussen-Orgel weiterzuverwenden. Dadurch blieb ein Teil der ursprünglichen Klangsubstanz bis heute erhalten.
Vom 31. August bis 2. September 1987 wurde das Instrument durch Fritz Schild, den damaligen Inhaber der Firma Führer, klanglich überarbeitet und neu intoniert.
1861/62
Anschaffung eines Harmoniums für die Kirche.
1887
Bau der ersten Seedorfer Orgel durch Marcussen & Sohn in Apenrade.
1937
Erste Überlegungen zur Modernisierung der Orgel.
1951
Umfassender Umbau durch Kemper & Sohn in Lübeck.
1954
Versetzung der Orgel an einen neuen Standort auf der Empore.
1974
Auftrag für einen Orgelneubau an Alfred Führer, Wilhelmshaven.
1975
Einbau und Einweihung der heutigen Führer-Orgel mit 14 Registern.
1987
Neuintonation und klangliche Überarbeitung durch Fritz Schild. Gleichzeitig feiert die Kirchengemeinde „100 Jahre Orgel in Seedorf“.
Quellen
Archiv des Ev.-Luth. Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg und der Kirchengemeinde | Zusammenstellung: Claudia Tanck und Medienabteilung | Redaktionelle Unterstützung: KI Microsoft Copilot