„Das Herz ist schwer“: Kreuzkirche in Lübeck entwidmet
Lübeck. Die Hansestadt Lübeck ist um eine Kirche ärmer: Die Kreuzkirche im Stadtteil St. Jürgen ist am Sonntagnachmittag (6. September 2026) im Rahmen eines Gottesdienstes entwidmet worden. Bischöfin Kirsten Fehrs und Propst Oliver Erckens begleiteten die Gemeinde.
Propst: Ein Abschied in Würde
“Ich danke Ihnen, dass Sie heute diesem Abschied die Würde geben, die er verdient”, sagte Oliver Erckens zu der Gemeinde. Ein letztes Mal waren viele, sehr viele gekommen. Um die 200 Gemeindemitglieder begleiteten den Abschied, unter ihnen unter anderem Altbischof Karl-Ludwig Kohlwage und die ehemalige Pröpstin Frauke Eiben. “Hier war meine erste Predigtstätte. Und mit der ersten Kirche ist es nein bisschen so wie die erste Liebe. Man vergisst sie nie.” Auch Ann-Marie Hanne, Ehefrau des ersten Pastors der Kreuzkirche, war aus Hamburg zur Entwidmung gekommen. “Ich habe lang überlegt, ob ich es verkrafte. Aber es war richtig, an diesem sehr gelungenen Gottesdienst teilzunehmen.”
Abschied nach 55 Jahren
Es war ein emotionaler Nachmittag. Ein “intensives ein trauriges, ein fröhliches, ein dankbares Erinnern", sagte Bischöfin Kirsten Fehrs. Sie zeigte sich beeindruckt von der Kirchengemeinde in St. Jürgen und ihrer für sie herausragenden Form des Abschiednehmens. Eine ganze Woche lang hatte es Veranstaltungen in der Kreuzkirche gegeben. “In 14 Jahren als Bischöfin ist dies nicht die erste Kirche, die ich entwidmen muss, aber so wie in der Kirchengemeinde in St. Jürgen hab ich es noch nicht erlebt." Die Predigt der Bischöfin gibt es hier zum Nachlesen.
Ein letztes Glockenläuten
Beim Einholen der sakralen Ausstattung und Liturgie-Gegenstände wie dem Abendmahlgeschirr, des Kreuzes oder der Altarbibel war es totenstill in der 1971 eingeweihten Kirche. Viele rangen um Fassung. Unter Tränen brachten Mitglieder des Kirchengemeinderats und das Pastor:innen-Teams die in Tücher gehüllten Gegenstände aus der Kirche. Ein letztes Mal läutete die Glocke der Kreuzkirche.
“Dieser Tag hat auf beeindruckende und exemplarische Weise gezeigt, wie emotional und schwer es sein kann, sich von kirchlichen Gebäuden zu trennen”, sagte Broder Feddersen, Mitglied des Kirchenkreisrats und Synodaler der Nordkirche, nach dem Gottesdienst. Er selbst habe einige Jahre im Stadtteil gelebt, an Synodensitzungen des Kirchenkreises in der Kreuzkirche teilgenommen. “Das Herz ist schwer."