Intensiv und konstruktiv: Diskussionen um Gebäudekonzept in Mölln
Mölln. Um die Zukunft der Gemeindearbeit zu sichern, muss die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Mölln sparen. Ihr geplantes Gebäudekonzept hat die Gemeinde nun im Rahmen einer Infoveranstaltung vorgestellt. Rund 150 Menschen waren gekommen, um sich an der Diskussion zu beteiligen.
Konstruktive Ideen und rege Teilnahme
Das Gebäudekonzept, das der Kirchengemeinderat erarbeitet hat, sieht vor, dass die Gemeinde ab Ende 2027 keine Kirchensteuermittel mehr in die Heilig-Geist-Kirche und das Heilig-Geist-Zentrum fließen lässt. Die Teilnahme und das Interesse an der Infoveranstaltung waren groß. Mit vielen konstruktiven Vorschlägen und kreativen Ideen kann sich die Steuerungsgruppe nun an die weitere Arbeit machen.
Gesamtkirchliche Lage zwingt zum Sparen
Bereits eine dreiviertel Stunde vor Beginn strömen Menschen in Richtung Kirche. Bis zur letzten Minute füllen sich die Reihen. Zwei Stunden wird der Austausch an diesem Sommerabend in Mölln dauern.
Propst Philip Graffam erläuterte zunächst die gesamtkirchliche Lage, die die Kirchenkreise und Gemeinden zum Sparen zwingt. Der demographische Wandel, Kirchenaustritte, die Inflation und weitere Faktoren führten dazu, dass schon jetzt und perspektivisch weniger Geld in den Kassen ist. Graffam wies auf die “Expedition Kirche”, den Zukunftsprozess des Kirchenkreises, hin, der sich intensiv mit diesem Thema befasst.
Kirchengemeinde stellt Haushalt vor
In einer Präsentation ging Pastor Torben Stamer im Anschluss konkret auf den Haushalt der Kirchengemeinde ein und zeigte auf, dass sowohl 2026 (28.000 Euro) als auch 2027 (40.000) Geld fehlt, das nicht durch Rücklagen aufgefangen werden kann. Perspektivisch sei mit einem Defizit von rund 180.000 Euro bis 2030 zu rechnen, so Stamer. “Wir müssen dringend sparen und zwar einschneidend!" Manche Gebäude wie Pastorate dürfe die Gemeinde nicht einfach verkaufen. Das sei derzeit im Kirchenrecht so festgelegt.
Langer Prozess bis zur Entscheidung
“Wir haben das nicht ‘mal eben’ entschieden”, so Pastorin Hilke Lage, Vorsitzende des Kirchengemeinderats in Bezug auf das Gebäudekonzept. “Es war ein langer Prozess, es wurde intensiv diskutiert. Vieles sprach auch dafür, das Ensemble Heilig-Geist zu erhalten", sagte Lage zur Entscheidung des KGR. “Es gab zunächst keine klare Lösung, die sofort auf der Hand lag”.
Zwei “Gebäudepakete” habe der KGR diskutiert, erläuterte Lage. Man habe auch erwogen, St. Nicolai und das Polleyn-Zentrum nicht mehr zu nutzen. Lage wies jedoch darauf hin, dass in St. Nicolai in den vergangenen Jahren umfangreiche Sanierungen und Restaurierungen der Orgel, im Gewölbe und im Turmraum durchgeführt wurden.
Fördermittel müssten zurückgezahlt werden
“In all das sind sehr viele und hohe Fördermittel geflossen. Es hat sich herausgestellt: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir sehr hohe Summen an Fördermitteln zurückzahlen müssten, ist sehr hoch, wenn wir die Kirche nicht mehr so nutzen wie bei der Bewilligung der Fördermittel. Das können wir nicht. Für uns gab es schließlich nur diese eine Option", so Lage. “Diese Entscheidung zu treffen, war furchtbar. Wir alle haben so viele schöne Erinnerungen an Taufgottesdienste, Hochzeiten und Feste.”
Wie eine Nachnutzung der Gebäude aussehen könne, sei noch völlig offen, so die Pastorin. ”Wir hoffen sehr auf Ihre Anregungen und die Schwarmintelligenz."
Moderierte Diskussion mit vielen Impulsen
Im Anschluss moderierte Angela Harting die Diskussionsrunde mit zahlreichen Fragen, Wortbeiträgen und Anregungen aus den Reihen der Kirchengemeinde und Stadtgesellschaft. Der mutmachende Tenor: Es muss doch irgendwie möglich sein, das Heilig-Geist-Ensemble zu erhalten und weiter zu nutzen. Vielfältige Impulse waren dabei: von Fundraising-Initiativen über Mehrzwecknutzung bis zu Kooperationen mit anderen Playern aus der Stadt.
Möllns Bürgermeister Ingo Schäper betonte die Bereitschaft der Stadt Mölln, gemeinsam über Lösungen nachzudenken und hob hervor, wie wichtig die Kirche auch als gesellschaftlicher Faktor sei.
Gründung eines gemeinnützigen Vereins?
Mit einem konstruktiven Vorschlag kam auch das Ehepaar Petra und Harry Harms vom Don-Bosco-Haus in Mölln, einer heilpädagogischen Fördereinrichtung für Menschen mit Behinderung: “Wir haben uns damit beschäftigt, was getan werden kann, um das Ensemble hier zu erhalten”, so Petra Harms. “Wir feiern hier inklusive Andachten. Uns ist es wichtig, dieses Haus als sakralen Raum zu erhalten", betonte Harms. Ihr Vorschlag: die Gründung eines gemeinnützigen Vereins, der die Idee eines Inklusions- und Beratungszentrums in den bisherigen Räumen der Kirchengemeinde verfolgt.
Wie kann Kirche Menschen erreichen?
Auch die sinkenden Mitgliederzahlen beschäftigten die Anwesenden. Was kann die Kirche tun, um attraktiver zu werden und Menschen besser zu erreichen? Was wird für junge Menschen getan? In diesem Zusammenhang dankte Pastor Matthias Lage den Gemeindegliedern für die zahlreichen Spenden zur Finanzierung der Stelle von Jugendpädagogin Jessica Krass. Eva Motten, die seit vielen Jahren im Bereich der Jugendarbeit tätig ist, gab Einblicke das vielfältige Engagement der Gemeinde: "Wir haben hier eine lebendige Jugendarbeit. Wir bilden Teamer:innen aus, machen Freizeiten. Es gibt viele junge Menschen in dieser Gemeinde."
Vielfältiges Gemeindeleben in Mölln
“Ich bin sehr beeindruckt von den engagierten Rückmeldungen. Sie haben hier viele Chancen aufgezeigt", betonte Propst Graffam. Auch er wies nochmal auf das bunte Gemeindeleben in Mölln hin, das es zu erhalten gelte - mit der nun anstehenden “Langen Nacht des Friedhofs”, der Aktion “einfach heiraten” und dem Engagement für Demokratie und der Vernetzung in der Stadtgesellschaft.
In Bezug auf den weiteren Gebäudeprozesse, sagte Pastorin Lage: "Wir werden die Vorschläge über den Sommer gründlich sichten, in den Dialog gehen und den Prozess transparent gestalten. Dass so viele mitdenken, ist für mich anregend und berührend!”
Pastor Matthias Lage und Pastorin Franziska Nagel beteten im Anschluss gemeinsam mit den Anwesenden das Vaterunser und spendeten einen Abendsegen.