Lübeck-Lauenburg

„Mit denen, die im Himmel sind“: 26 Friedhöfe laden zum Erinnern ein

Lübeck/Ratzeburg. Ein Licht anzünden. An einen Menschen denken, der fehlt. Vielleicht eine Erinnerung teilen, vielleicht auch einfach schweigen. Am Sonntag, 22. November 2026, laden 26 Friedhöfe und Kirchengemeinden im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg zu einer besonderen Aktion ein. Unter dem Motto „Mit denen, die im Himmel sind“ werden am Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt, Grablichter verschenkt, Gespräche angeboten und Menschen zum gemeinsamen Erinnern eingeladen.

Ein Licht für die, die fehlen

„Ein Friedhof ist weit mehr als ein Ort, an dem Menschen bestattet werden. Hier begegnen uns Erinnerungen, Lebensgeschichten und manchmal auch Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt“, sagt Bernd K. Jacob, Friedhofsbeauftragter des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. „Mit unserer Aktion möchten wir zeigen, dass auf unseren Friedhöfen Platz für all das ist. Für Trauer und Dankbarkeit, für Gespräche, aber auch für Menschen, die einfach nur einen Moment für sich brauchen.“

Die Vorbereitungen laufen bereits. Zurzeit werden Pakete mit Grablichtern, Postkarten, Informationsmaterial sowie Kaffee und Tee zusammengestellt und an die teilnehmenden Kirchengemeinden und Friedhöfe verteilt. Organisiert wird die Aktion von den evangelischen Friedhöfen in Lübeck-Lauenburg gemeinsam mit der Servicestelle Segensreich. „Ich freue mich, dass wir diesen besonderen tag im Kirchenkreis gemeinsam gestalten“, sagt Tobias Maximilian Knöller, Koordinator von Segensreich.  

Grablichter und persönliche Gespräche

Im Mittelpunkt stehen kleine Grablichter mit dem Aufdruck „Mit denen, die im Himmel sind“. Besuchende können sie entgegennehmen, individuell gestalten und auf einem Grab entzünden. Wer möchte, kann ein Licht auch mit nach Hause nehmen. Ergänzt wird das Angebot durch Postkarten mit Trostworten und Segensgrüßen.

An den beteiligten Standorten stehen Menschen für Gespräche bereit. Seelsorgerinnen und Seelsorger nehmen sich Zeit, hören zu oder begleiten Besuchende auf dem Weg zu einem Grab. Bei Kaffee oder Tee besteht Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Trauer braucht nicht immer viele Worte. Manchmal ist es schon viel wert, wenn jemand da ist, zuhört oder ein Stück des Weges mitgeht“, sagt Bernd K. Jacob. „Und manchmal sagt eine brennende Kerze mehr als ein langes Gespräch. Sie zeigt: Dieser Mensch ist nicht vergessen.“

Die Einladung richtet sich ausdrücklich auch an Menschen, die sonst keinen regelmäßigen Kontakt zu Kirche oder Kirchengemeinden haben. Anders als bei den traditionellen Gottesdiensten mit Totengedenken soll es auf den Friedhöfen ein bewusst niedrigschwelliges Angebot geben: ohne feste Erwartungen und ohne die Verpflichtung, an einer Andacht teilzunehmen.

Friedhöfe als Orte mitten im Leben

Mit der Aktion möchten die Verantwortlichen zugleich auf die Bedeutung der kirchlichen Friedhöfe aufmerksam machen. Rund 50 evangelische Friedhöfe gibt es im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. Sie sind nicht nur Orte der Bestattung, sondern auch grüne Rückzugsräume, Zeugnisse der Ortsgeschichte und Orte persönlicher Begegnungen.

„Unsere Friedhöfe gehören mitten ins Leben, auch wenn wir sie häufig zuerst mit dem Tod verbinden“, betont Jacob. „Hier wird gelacht und geweint, hier werden Geschichten erzählt, Blumen gepflanzt und Erinnerungen gepflegt. Diese Vielfalt möchten wir am Ewigkeitssonntag sichtbar machen.“ Wer Fragen zu Bestattungsmöglichkeiten, Grabformen oder persönlichen Abschiedsritualen hat, kann sich ebenfalls informieren. Die Friedhöfe stellen ihre Arbeit vor und geben Einblicke in die unterschiedlichen Möglichkeiten, Abschied und Erinnerung zu gestalten.

Ein Sonntag zwischen Trauer und Hoffnung

Der letzte Sonntag des Kirchenjahres trägt zwei Namen: Totensonntag und Ewigkeitssonntag. Während der eine die Erinnerung an verstorbene Menschen in den Mittelpunkt stellt, verweist der andere auf die christliche Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Beide Gedanken verbinden sich im Motto der Aktion. Denn auch wenn ein Mensch gestorben ist, bleiben Erinnerungen, gemeinsame Erlebnisse und die Verbundenheit über den Tod hinaus. „Wir können den Schmerz über einen Verlust nicht einfach wegnehmen“, sagt Bernd K. Jacob. „Aber wir können Räume schaffen, in denen Menschen mit ihrer Trauer nicht allein bleiben. Und wir können ihnen zeigen, dass Erinnerung und Hoffnung zusammengehören.“

26 Standorte sind mit dabei 

Die Aktion „Mit denen, die im Himmel sind“ findet am Sonntag, 22. November 2026, auf 26 beteiligten Friedhöfen und Kirchengemeinden in Lübeck und dem Herzogtum Lauenburg statt. Welche Friedhöfe teilnehmen und zu welchen Uhrzeiten die Angebote stattfinden, ist über die Veranstaltungsseite des Kirchenkreises unter www.kirche-ll.de sowie über die Aushänge der Kirchengemeinden zu erfahren. Aktuelle Informationen veröffentlichen außerdem die Servicestelle Segensreich und der Friedhofsbeauftragte auf Instagram.