Mützen-Challenge: Über 3.600 Mützen und kein Ende in Sicht
Lübeck. Was im Januar 2026 als kleine Strickaktion begann, ist längst zu einer bundesweiten Bewegung geworden: Für die 600-Mützen-Challenge der Deutschen Seemannsmission Lübeck haben Menschen inzwischen 3.689 handgestrickte Mützen gespendet, die zur Weihnachtszeit in Weihnachtstüten an Seeleute weitergegeben werden sollen. Und noch immer wird weiter gestrickt.
Marco Folchnandt, Diakon der Deutschen Seemannsmission Lübeck, zeigt sich überwältigt von der Resonanz: "Dass unsere Aktion so einschlägt, hätten wir nie erwartet. In diesen düsteren Zeiten ist es sehr wohltuend zu spüren, dass die Menschen etwas für die Gemeinschaft tun wollen. Manchmal kann auf diese Art unverhofft etwas Großes beginnen."
Matthias Ristau, Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission, ist beeindruckt: "Diese Mützen-Challenge ist einfach phänomenal! Über 3.600 Mützen kamen bislang zusammen." Für ihn steckt in der Aktion weit mehr als warme Kleidung: "Das ist dreifach toll: Seeleute bekommen eine warme Mütze, Menschen stricken und denken dabei an Seeleute und diese Aktion hat ein bundesweites Echo." Dabei erinnert er daran, wie wichtig die Arbeit der Seeleute für den Alltag an Land ist: "Egal, wie weit wir von der Küste weg wohnen, Seeleute sind für uns unterwegs."
Kirsten Fehrs dankt den Mützenstrickerinnen und -strickern
Auch Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs, die seit 2019 offiziell als "Stimme der Seeleute" wirkt, hat die Aktion aufgegriffen. In einem Reel in den Sozialen Medien dankt sie "all den Kreativen, die Zeit und Herzenswärme investiert haben". Die Mützen seien vor allem ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen an Bord: "Sie zeigen den Seeleuten, die oft monatelang unterwegs und von ihren Familien getrennt sind: Wir sehen euch. Wir vergessen euch nicht. Und wir danken euch von Herzen für eure Arbeit."
3.689 Mützen: Ist das schon ein Rekord?
Die ursprünglich angepeilte Zahl von 600 Mützen hat die Aktion um ein Sechsfaches übertroffen. Mit 3.689 gesammelten Mützen liegt die Deutsche Seemannsmission Lübeck inzwischen sogar über einer bestehenden deutschen Bestmarke: Bei einer Aktion in Dortmund wurden 3.449 Mützen zu einer Mützenskulptur verbunden.
Ob die Lübecker Mützen-Challenge damit einen Rekord aufstellt, lässt sich allerdings nicht einfach sagen. Das Rekord-Instituts für Deutschland (RID) antwortet auf unsere Anfrage: "Grundsätzlich haben wir keine Rekordkategorien, bei denen es um das reine Sammeln von Mützen geht, sondern es muss mit den Mützen am Ende immer etwas passieren", teilt das Rekord-Institut mit.
Weltweit hält derzeit eine Mützenausstellung in Indien den Rekord: 2022 wurden dort 41.541 gestrickte Mützen ausgestellt. "Wir sind zwar weit vom Guinnessbuch entfernt, aber es ist definitiv eine der größten Mützensammelaktionen, die es jemals in Deutschland gab", sagt Marco Folchnandt.
Von Lübeck aus gehen die Mützen auf Reisen
Für die Deutsche Seemannsmission steht ohnehin nicht die Frage nach einem Rekord im Mittelpunkt. Entscheidend ist, dass die Mützen diejenigen erreichen, für die sie gestrickt wurden: Seeleute, die oft viele Wochen oder Monate fern von ihren Familien auf den Weltmeeren unterwegs sind.
Und die große Zahl der gespendeten Mützen macht es möglich, ihnen in diesem Jahr sogar eine kleine Extraportion Wärme mitzugeben. "In den Weihnachtstüten finden statt der geplanten einzelnen Mütze nun jeweils zwei Mützen Platz. Damit haben die Seeleute auch eine zum Wechseln", erklärt Marco Folchnandt.
Die ersten Mützen haben Lübeck bereits verlassen. In den kommenden Tagen verteilt die Deutsche Seemannsmission Lübeck rund 1.830 Mützen an Kolleginnen und Kollegen im Norden. Und einige sind bereits auf dem Weg nach Hamburg, Brake und Cuxhaven. Auch die ökumenische Zusammenarbeit wächst: Die katholische Seemannsmission Stella Maris in Hamburg und Bremen hat ebenfalls Mützen erhalten. Weitere Stationen folgen. Im November sollen Mützen nach Rostock gebracht werden. Auch nach Emden sind bereits die ersten 200 Stück gegangen.