Lübeck

Musical "Die Flut" begeistert 400 Besuchende in Lübeck

Lübeck. Das Musical “Die Flut” hat Station an der Untertrave in Lübeck gemacht und 400 Menschen begeistert. Auf dem Dreimastschoner “Swaensborgh” zeigten rund 30 junge Menschen eine beeindruckende Darbietung aus Tanz, Akrobatik, Theater und Gesang. 

Sintflut-Geschichte und moderne Bezüge

Ist unsere Welt noch zu retten und wenn ja, wie? Diese Frage steht an diesem Abend über allem. Das Musical “Die Flut“ - initiiert von der Jungen Nordkirche - erzählt die Geschichte der Arche Noah und der Sintflut neu – mit Bezügen zum antiken Gilgamesch-Mythos. Sprechchöre, Theaterszenen und Lieder tragen durch die Handlung. Lübeck ist die achte und vorletzte Station der Musical-Reise, die durch mehrere Orte an der Ostseeküste führt.

Zukunftsfragen zwischen Angst und Hoffnung

Panik vor dem Weltuntergang und Endzeitstimmung oder ein fatalistisch-trotziges “Jetzt leben wir es recht”? Als die Flut kommt, wird das “Wie geht es weiter?” zur Haltungs- und Gewissensfrage. 

In einer Casting-Show entscheidet die Gruppe, wer es auf das Schiff schafft und wer nicht. Der Traditionssegler wird an diesem Abend zur Kulisse für drängende Fragen: Gibt es Hoffnung und für wen? Wen oder was lassen wir zurück? Ist ein Neuanfang möglich? Kann aus der Katastrophe etwas Gutes entstehen?

Moderne Songs und alte Texte

Mit Songs wie “Wildberry Lillet” von Nina Chuba und “Narrenschiff” von Reinhard Mey bringt das Musical auch musikalisch eine große Spannbreite mit. Gesanglich und tänzerisch zeigt die Gruppe eine eindrucksvolle Leistung, die ahnen lässt, wie viel Probenarbeit dahintersteckt. Songs und Tanzszenen gegenüber stehen die alten mythischen Texte, die die Darsteller:innen eindringlich vortragen. 

Persönliche Flut-Schicksale bewegen

Besonders bewegend ist die Szene, als die jungen Menschen aus ihren Rollen hinaustreten und erzählen, welche Flut-Schicksale und Umweltkatastrophen sie selbst oder Menschen in ihrer Familie erlebt haben. Ein echter Gänsehautmoment. 

Im Anschluss an die Aufführung geht es auf dem Schiff mit Bischöfin Kirsten Fehrs und Propst Oliver Erckens in kleiner Runde weiter mit einem “Klima-Talk”, in dem es um das Musical geht, aber auch um Perspektiven, um aus der Krise hinauszufinden. Auch die Bischöfin haben die persönlichen Geschichten besonders bewegt. 

Klima-Talk vertieft Themen

Fehrs zeigt sich beeindruckt von der “Power und Leidenschaft”, die die Musical-Truppe mitbringt. Die jungen Menschen schildern, dass viel davon einstudiert und geprobt worden ist. Trotzdem habe sich eine eigene und neue Dynamik entwickelt, seit sie auf dem Schiff sind und das Musical vor Publikum aufführen. 

Was sagt die Bibel zur Rolle des Menschen in der Welt? Ist er Herrscher oder Beschützer oder soll er sich als ein Teil von ihr verstehen? Diese und andere Fragen stellen die jungen Menschen. Im Urtext der Bibel, so Bischöfin Fehrs, werde für den Zustand der Welt das Wort “Shalom” benutzt. Es heißt, Mensch und Welt sollen sich in Harmonie ergänzen. Eine Ideal, von dem sich die Menschheit entfernt hat und das wieder mehr in den Blick rücken sollte, sind sich alle einig.