Orgel in St. Marien
Die Rats- und Bürgerkirche St. Marien gilt als Vorbild norddeutscher Backsteingotik im Ostseeraum. 1942 wurde sie bei einem Bombenangriff auf Lübeck zerstört. Diesem Angriff fielen auch die bedeutenden Orgeln zum Opfer, u.a. die Hauptorgel mit ihrem Prospekt von 1516/18 und die Totentanzorgel, deren Ursprung auf das Jahr 1477 zurückging.
Die Kirchenmusik in der Lübecker St. Marien-Kirche wurde berühmt durch die ‘Lübecker Abendmusiken’; eine der ältesten Konzertreihen der Welt, begründet durch den Buxtehude-Vorgänger Franz Tunder, der von 1641-1667 Marienorganist war. Dietrich Buxtehude baute sie zu Abendmusiken aus, die zu jener Zeit zum Ende des Kirchenjahres und in der Adventszeit stattfanden. 1705 kam J. S. Bach nach Lübeck um Buxtehudes Abendmusiken kennen zu lernen.
Die Große Orgel der ehemals Lübecker Firma Karl Kemper wurde 1968 eingeweiht und nach 45 Jahren im Dauereinsatz für die Musik in Gottesdiensten, Andachten und tausenden Konzerten außer Betrieb genommen. Hauptgrund waren neben statischen Problemen der großen Pfeifen im Prospekt der Orgel große Probleme mit der veralteten Elektrik.
Totentanzorgel
In einer zum nördlichen Seitenschiff angrenzenden Kapelle entstand 1475/77 das Hauptwerk der berühmten Totentanzorgel von Johannes Stephani, das 1558 von Jakob Scherer durch ein Rückpositiv und 1621/22 von Henning Kroeger durch ein Brustwerk erweitert wurde.
Bei dem Bombenangriff auf Lübeck wurde auch in diese Orgel zerstört.
1955 entstand im nördlichen Seitenschiff auf der Höhe des Hochchores eine neue dreimanualige Totentanzorgel durch Emanuel Kemper jun., die 1986 von einem viermanualigen Instrument der Orgelbauwerkstatt Alfred Führer abgelöst wurde.
Sie erinnert nur wegen ihres Standortes an die alte Totentanzorgel.
Daten:
1986, Alfred Führer Orgelbau, (Wilhelmshaven)
Hauptwerk, Brustwerk, Oberwerk, Rückpositiv, Pedal, 56 Register, Schweller OW, Koppeln RP/HW, OW/HW, BW/HW, HW/P, OW/P, RP/P; mechanische Spiel- und Registertraktur, zusätzlich elektrische Registertraktur mit 32-facher Setzerkombination, Schleifladen