Corinna Mühlhausen übernimmt Projektleitung der "Expedition Kirche"
Lübeck. Seit dem 1. September 2026 hat Corinna Mühlhausen die Koordination des Zukunftsprozess “Expedition Kirche” im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg übernommen. Die Zukunfts- und Trendforscherin bringt jahrelange Erfahrung und Expertise für Veränderungsprozesse mit.
Keine Angst vor dem Ungewissen
"Ich gehe gern ins Ungewisse, weil ich die Muster im Neuen suche", bekennt Corinna Mühlhausen. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich damit, wie sich individuelle und gesellschaftliche Bedürfnisse wandeln und welche Vorhersagen man daraus für die Zukunft treffen kann.
"Die Offenheit für Veränderung und die Neugier für die Beschäftigung mit der Zukunft wurde mir in die DNA gelegt", so Mühlhausen. Ihre Jugend verbrachte sie an unterschiedlichen Orten in Deutschland. Mit zwölf Jahren kam sie von ihrem Geburtsort Düsseldorf nach Westberlin. Nach drei Jahren folgte der Umzug in einen kleinen Ort mit 5.000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz.
"Wenn man als Jugendliche in eine zweigeteilte eingemauerte Stadt kommt, mit einem völlig anderen Lebensgefühl und einer anderen Kultur, dann ist das prägend. Es war wild in Westberlin in den 80er-Jahren. Ich habe das sehr genossen und es hat mich sehr geprägt", so die 55-Jährige. Und dann von Westberlin in die Provinz. Schon früh kam Corinna Mühlhausen so mit unterschiedlichen Lebensrealitäten in Kontakt, lernte herauszufinden: Worin bin ich gut, wie kann ich mich einbringen, was passt zu mir?
Tätigkeit im Trendbüro in Hamburg
Nach dem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin zog es Corinna Mühlhausen mit Mitte zwanzig nach Hamburg, wo sie zunächst im Trendbüro von Peter Wippermann und Matthias Horx tätig war und sich wenig später als Trendforscherin selbstständig machte. "Das war eine unglaublich gute Schule, um Veränderungsprozesse genauer zu verstehen", sagt sie heute. Die Themenfelder waren dabei stets vielfältig. Über viele Jahre beriet sie Unternehmen, hielt Vorträge und publizierte.
Milieuforschung schärfte Blick auf Zielgruppen
Nach gut einem Jahrzehnt in München zog es die Diplom-Kommunikationswirtin vor 14 Jahren wieder zurück nach Hamburg, wo sie für ein Milieuforschungsinstitut die Zukunftsforschung leitete. "Ich war dafür verantwortlich, Zielgruppensysteme aufzubauen", erläutert sie. "Im Bereich der Zukunftsforschung zeigte sich, dass wir mit unseren bisherigen soziodemographischen Einteilungen nicht mehr weiterkommen. Es ging darum, genauer zu erforschen, wie Menschen sich verhalten, was ihre Bedürfnisse und Vorlieben sind, um einzelne Gruppen besser ansprechen zu können."
Nicht nur große Medienanstalten und Unternehmen, sondern auch die EKD und die Nordkirche arbeiten mittlerweile mit sogenannten "Persona", also mit fiktiven Repräsentanten gesellschaftlicher Milieus, um sich besser an bestimmte Zielgruppen richten zu können.
Eines ihrer Spezialthemen in den vergangenen Jahren war das Thema Gesundheit. Aber auch Kirche, Glaube und Religion haben Corinna Mühlhausen im Rahmen der Milieuforschung immer wieder beschäftigt. "Wir müssen uns heute fragen, was an die Stelle von Religion tritt und wo Menschen nach der Erfüllung ihres Bedürfnisses nach Sinn oder Spiritualität suchen", sagt sie. Denn – egal ob Technik, Fußball oder Gott – Corinna Mühlhausen ist überzeugt: "Ohne an etwas zu glauben, können wir nicht leben."
Vernetzung innerhalb der Nordkirche
Wie geht es mit der Kirche weiter? Dieser Frage widmete sich Mühlhausen zuletzt auch als Referentin im Zukunftsprozess der Nordkirche: "Ich habe unter anderem recherchiert, wie die Kirchenkreise das Thema angehen." Es gebe viele Parallelen, aber nicht die eine Lösung für alle, sagt sie: "Von daher macht es Sinn, sich zu vernetzen und zu prüfen, was passt zu uns und was nicht?"
Den fertigen Plan für die Zukunft des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg habe sie nicht im Gepäck, betont Mühlhausen. "Ich sehe es als meine Aufgabe, den Ablauf des Zukunftsprozesses in Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen beteiligten Gruppen zu begleiten, zu strukturieren und meine Erfahrungen und Fertigkeiten einzubringen. Es gibt nicht die eine Version der Zukunft. Deswegen entwickeln wir mit der Projektgruppe und der Steuerungsgruppe unterschiedliche Lösungen für bestehende Probleme und konkretisieren diese Ideen." Die Synode und ihr Zukunftsausschuss geben dazu Resonanz und treffen letztlich die Entscheidungen.
"Es ist eine gute Zeit, um Kirche zu verändern"
Den Veränderungsprozess sieht sie als große Chance: "Menschen sind auf der Suche nach Sinn, Halt und Gemeinschaft. Wir haben die besten Chancen, neue Mitglieder zu gewinnen – vielleicht in neuen Strukturen und Formen und mit anderen Themen." Die Kirche müsse sich immer wieder neu fragen, was Menschen suchen, die nicht mehr kirchennah sind.
"Ein echter Trend bleibt lange und ist keine kurzfristige Mode", weiß Mühlhausen. "Und das Thema Glaube ist ein Megatrend, der aber von vielen anderen gesellschaftlichen Trends flankiert wird", betont die Zukunftsexpertin. Sie sieht das spätkapitalistische System an einem Wendepunkt. "Wir werden wieder in eine viel sinnhaftere Gesellschaft hineinkommen. Es ist eine gute Zeit, um Kirche zu verändern! Ohne diese Überzeugung, könnte ich diesen Job auch nicht machen."
Immer in Bewegung in Hamburg und Lübeck
"Ich bin gern in Bewegung, im Kopf und beim Sport", sagt Corinna Mühlhausen, die jetzt zwei Wohnsitze hat, einen in Hamburg-Ottensen und einen in Lübeck in der Nähe der Bäckerstraße. Beim Schwimmen im Sportbad in der Ziegelstraße und bei Spaziergängen in der grünen Umgebung findet sie den nötigen Ausgleich zu ihrer neuen Aufgabe, die sie mit viel Optimismus angeht: "Ich wünsche mir, dass man mir zutraut, dass ich mit und für die Menschen etwas zum Guten gestalten will."