Lübeck

Handwerk und Tradition: Kirchenbauhütte feiert 75. Geburtstag

Lübeck. Die Kirchenbauhütte Lübeck-Lauenburg hat ihren 75. Geburtstag mit einem Fest auf dem Petrikirchhof in Lübeck gefeiert. Unter den Gästen war auch die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt. 

Glückwunsch an die “Universal-Genies”

Pavillons, Biertische und Buffet, das neue Logo auf Bannern, T-Shirts und Plakaten - und viel Sonnenschein: Die Bauhütte hatte zum Geburtstagsfest geladen und es passte einfach alles zusammen an diesem Tag. “Mit ihrer Hingabe und ihrem Engagement, ihrem Teamgeist und ihrer Fachkompetenz bauen Sie an Gottes Kirche mit. Wortwörtlich und im übertragenen Sinne!”, würdigte Propst Oliver Erckens die Arbeit der Bauhütte. “Unter den Handwerkern sind Sie von der Kirchenbauhütte so etwas wie Universal-Genies”, so Erckens. “Egal wo Sie auftauchen, die gute Stimmung ist sicher, denn die Menschen vor Ort haben natürlich schon lange verstanden, welchen Sachverstand Sie mitbringen.”

Bewahrung von Geschichte, Glauben und Kultur

Zum Geburtstag kam auch Landesbischöfin Kristina Kühnbaum‑Schmidt nach Lübeck. Sie gratulierte den Mitarbeitenden: “Die Kirchenbauhütte Lübeck‑Lauenburg ist ein Schatz unserer Kirche. Seit 1951 tragen ihre Handwerkerinnen und Handwerker Verantwortung für 72 denkmalgeschützte Kirchen und Kapellen – und damit für Orte, die das geistliche Leben unserer Gemeinden prägen.” Kühnbaum-Schmidt hob die Bedeutung des handwerklichen Könnens der Bauhütte hervor: “Ich empfinde große Dankbarkeit für diese Arbeit, die weit mehr ist als Bauunterhaltung: Sie bewahrt Geschichte, Glauben und Kultur. Daher danke ich allen Mitarbeitenden der Kirchenbauhütte von Herzen. Ihr Dienst erhält unsere Kirchen als Orte, die Menschen stärken und tragen. Dieses Engagement ist ein Segen für unsere Kirche und für die Gesellschaft.”

“Verantwortung für das Erbe der Stadt”

Dr. Dirk Rieger, Leiter der Abteilung Archäologie und Denkmalpflege in Lübeck, hob die gute Zusammenarbeit mit der Kirchenbauhütte hervor. Sie zeige “gelebte Verantwortung für das Erbe unserer Stadt” und sei ein “Ort des Wissens. Ein Ort, an dem historische Materialien verstanden, traditionelle Techniken bewahrt und Erfahrungen weitergegeben werden." Jan-Dirk Verwey von der Stiftung 7Türme+ würdigte die Nachhaltigkeit, auf die der Einsatz der Bauhütte ausgelegt sei - indem sie die Kirchen, die für die Ewigkeit gebaut wurden, erhalte. Deike Möller, Baudezernentin bei der Nordkirche, dankte für das ungebrochene Engagement und gratulierte den Kolleginnen und Kollegen.

Auszubildende im historischen Handwerk

Voller Dank zeigte sich auch Liane Kreuzer, Leiterin der Bauabteilung des Kirchenkreises - gegenüber den Gratulanten und dem eigenen Team. Alle lud sie schließlich zum “Schlagabtausch zwischen Jung und Alt” ein. Dabei kam Christian Bracker, Maurer und Ausbildungsleiter, mit den Auszubildenden der Bauhütte, Amelie Höls und Oskar Rißmann, ins Gespräch. Sich mit Altbauten und Denkmalpflege auseinanderzusetzen schätzen beide Auszubildende sehr. “Es macht einfach Spaß und ich würde immer wieder mit dieser Ausbildung anfangen”, so Amelie Höls. Christian Bracker berichtete von der spannendsten Baustelle seiner Laufbahn - der Sanierung des Gewölbes über dem Café in St. Petri. Er ermunterte den Nachwuchs, mit offenen Augen durch Lübeck zu gehen: "Wir Handwerker haben einfach einen anderen Blick!” 

Begegnung und Austausch auf dem "Markplatz"

Besonders gewürdigt wurden drei Mitarbeitende der Bauhütte. So feiert Ralf Kaufmann sein 30-jähriges Dienstjubiläum, Wolfgang Saremba und Frank Schmedemann sind seit 35 Jahren in der Bauhütte tätig.

Im Anschluss gab es die Gelegenheit, sich auf dem Bauhüttengelände wie auf einem Marktplatz umzuschauen. An verschiedenen Stationen demonstrierten Mitarbeitende die Konstruktion von Spitzbögen, den Aufbau eines Kirchenpfeilers, die Nutzung von Hebekissen und Schwebebalken zum Bewegen schwerer Steine oder Bauelemente. 

Hintergrund: Die Kirchenbauhütte

Die Kirchenbauhütte Lübeck-Lauenburg, einzigartig in Norddeutschland, kümmert sich seit 1951 um den Erhalt und die Sanierung der 72 denkmalgeschützten Kirchen und Kapellen im Kirchenkreis. In diesem Jahr feiert sie ihr 75-jähriges Bestehen. Die neun Handwerker und zwei Lehrlinge der Kirchenbauhütte bewahren nicht nur Gebäude, sondern auch jahrhundertealtes Wissen: Die Tradition der Bauhütten reicht bis ins Mittelalter zurück und verbindet überlieferte Handwerkstechniken mit moderner Denkmalpflege. Das Bauhüttenwesen ist von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.