Lübeck

Lübeck verabschiedet Pröpstin Kallies in den Ruhestand

Lübeck. Petra Kallies ist am Sonntag (19. April 2026) in St. Petri zu Lübeck als Pröpstin der Hansestadt von ihren Aufgaben entpflichtet worden. 350 Besuchende aus Kirche, Politik und Gesellschaft nahmen an der Zeremonie teil.

Aufrichtig. Nachdenklich. Geerdet. Standfest und warmherzig. Ansprechbar, pragmatisch, klar, kritisch. Strukturiert. Politisch. Verortet – vor allem aber theologisch. Viele Worte waren es, die in Grußworten, Ansprachen und persönlichen Gesprächen für das Wirken von Lübecks Pröpstin Petra Kallies gefunden wurden. Worte voller Wertschätzung und Dankbarkeit aus allen Bereichen des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens dieser Stadt.

350 Besuchende in St. Petri zu Lübeck

Lilly Schaack und Bernd Schwarze, das pastorale Duo von St. Petri, eröffneten den Entpflichtungsgottesdienst für Petra Kallies – „ein letztes Mal in Schwarz, mit Kreuz und Kragen“. Eine Laudatio in Reimform, pointiert, unterhaltsam, voll Ankerkennung. 

„Du warst und bist immer unterwegs Richtung Veränderung“, befand Kirsten Fehrs. Ein letztes Mal als Pröpstin spiegelte sich das auch im Programm dieses Nachmittags: kein Gemeindegesang, stattdessen der herausragende Chor „Vox Mandala“. Die vorgetragenen Stücke hätten kaum passender sein können – „What Happens When a Woman Takes Power“, „Sturm“ und „Freiheit“ begleiteten Predigt, Rückblick und Ausblick von Petra Kallies auf eindrückliche Weise. Auch der Begeisterung von Petra Kallies für Heavy Metal wurde bei der Abschiedsfeier Genüge getan: Nele Lucht griff in die Saiten der E-Gitarre. 

Kirsten Fehrs: Wehmut und Aufbruchsmut

„Jetzt ist der Moment gekommen, an dem wir dich verabschieden”, sagte Kirsten Fehrs. Worte, die der Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck sichtlich schwer fielen. „Zeit deines Lebens hast du diese Sehnsucht in dir: die nach Veränderung zum Guten. Um die nächste Ecke zu gucken und festzustellen: Da tut sich ein neuer Horizont auf.“

Kirsten Fehrs zeichnete das Bild eines langen, bewegten Weges von Petra Kallies – eines Weges, der von Aufbrüchen, Suchbewegungen und mutigen Entscheidungen geprägt war. Veränderung habe es reichlich gegeben, „mit allen Chancen und Schmerzen“, und doch sei sie nie Selbstzweck gewesen, sondern getragen von einer tiefen Sehnsucht nach einem Mehr an Leben, an Glauben, an Zukunft.

Eine der schönsten Stellen in der Nordkirche 

In einem sehr persönlichen Rückblick erinnerte Fehrs daran, dass Kallies erst zwei Wochen zuvor, im gemeinsamen Gespräch über 18 Jahre im Pröpstinnenamt und mehr als drei Jahrzehnte im pastoralen Dienst, selbst ein warmes und dankbares Fazit gezogen habe. Sie zitierte sie mit den Worten, es sei „eine der schönsten Stellen der Nordkirche“, Pröpstin in Lübeck zu sein.

Zugleich hob Fehrs die geistliche Tiefe hervor, die Kallies’ Wirken geprägt habe. Es sei immer auch eine ehrliche, suchende Bewegung gewesen – hin zu der Frage, „welch geistliche Haltung in unserer Zeit gebraucht wird“. Verwurzelt in einer Frömmigkeit, die Tradition und Gegenwart zusammenführe, habe Kallies gezeigt: „Tradition trägt, wenn sie Moderne kann.“

Politisch wach, theologisch weit

Geleitet habe sie dabei der Anspruch, „der guten Sache, vorzugsweise der guten Sache Jesu, gerecht werden“ zu wollen – klar in der Haltung, zugewandt zu den Menschen, politisch wach und theologisch weit. Auch im Umgang mit Konflikten sei sie ihrer Überzeugung treu geblieben: „Uns trennt nicht, wenn wir uns auseinandersetzen, sondern wenn wir uns nicht auseinandersetzen.“

„Wir danken Gott für dich, für deinen Dienst, für den Einsatz deiner Gaben und Kräfte, für deine Treue und Liebe", sagte Kirsten Fehrs und übernahm das Amtskreuz von Petra Kallies. „Du freust dich aufrichtig über deinen Amtsnachfolger Oliver Erckens und darauf, was jetzt neu wachsen und werden wird. Das legst du heute mit ein bisschen Wehmut, aber doch auch Aufbruchsmut in Gottes Hand. Wehmut und Aufbruchsmut – das gehört heute zusammen."

Bürgermeister: eine gemeinsame Verantwortung

Die Entpflichtung wurde abgerundet von Grußworten: Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau dankte der Pröpstin für ihr Tun. “Stadt und Kirche haben eine gemeinsame Verantwortung”, sagte er. Katrin Thomas, Präses der Kirchenkreis-Synode, hob hervor, dass Petra Kallies in ihrer Haltung stets klar gewesen sein. Rosemarie Scharf dankte als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen für das Engagement der ehemaligen Pröpstin. 

Das letzte (offizielle) Wort hatte an diesem Nachmittag Petra Kallies. Sie dankte ihrem Ehemann Martin für all die Unterstützung in den vergangenen Jahrzehnten, bevor sie bei Kaffee, Kuchen, Sekt und Saft unzählige Hände schütteln durfte.