Lübeck

St. Marien schließt: Im November startet die Sanierung

Lübeck. Noch einmal Reformationstag, noch einmal ein Sonntagsgottesdienst, dann schließen sich die Türen von St. Marien zu Lübeck für mindestens ein Jahr. Nach jahrelangen Vorplanungen beginnt am 2. November 2026 die umfassende Sanierung des Innenraums der Lübecker Altstadtkirche. „Wer St. Marien noch einmal in der heutigen Form erleben möchte, sollte die Zeit nutzen, denn so wie jetzt wird unsere Kirche nie wieder aussehen“, sagt Pastor Robert Pfeifer.

29 Millionen Euro für die Zukunft

Rund 29 Millionen Euro werden investiert. Die Baustelle wird das Innere noch über Jahre prägen. „Wir stehen jetzt tatsächlich am Beginn einer Sanierung, die St. Marien grundlegend verändern wird“, sagt Pfeifer. Für die Gemeinde bedeute das zunächst Abschied von einem vertrauten Ort. 

Der Zeitplan für den Abschied steht bereits fest. Am 31. Oktober wird in St. Marien der Reformationstag gefeiert. Einen Tag später, am Sonntag, 1. November 2026, gibt es den letzten regulären Gottesdienst vor der Schließung. Am Montag darauf beginnt offiziell die Bauphase.

Eine 20 Meter hohe Wand im Kirchenraum

Schon die Einrichtung der Baustelle wird unübersehbar sein. An der Westseite entstehen Containerflächen und Absperrungen. Im Inneren werden zunächst bewegliche Kunstgegenstände fachgerecht eingelagert, andere geschützt und eingehaust. Eine der auffälligsten Veränderungen wird eine rund 20 Meter hohe Staubschutzwand zur Südervorhalle sein.

Ganz verschwinden soll die Baustelle dahinter allerdings nicht. Die Wand wird Fenster bekommen. „Der Eingangsbereich soll weiter zugänglich sein, damit interessierte Bürgerinnen und Bürger einen Blick auf die Bauarbeiten werfen können“, sagt Pfeifer. Die Sanierung einer der bedeutendsten Lübecker Kirchen soll damit zumindest in Ausschnitten sichtbar und nachvollziehbar bleiben.

Bauabschnitte starten parallel

Nach der Übergabe des Zuwendungsbescheids des Bundes können nun zwei große Bauabschnitte parallel angegangen werden. In den Turmkapellen beginnt die Sanierung der Raumschale. Weitere Bereiche folgen: Mittel- und Seitenschiffe, Südervorhalle, Totentanzkapelle und die Chorkapellen. Die markanteste Veränderung wird der Rückbau des Hochchors sein. Dieser Bereich soll künftig wieder auf dem historischen Höhenniveau liegen. Hier rechnen die Verantwortlichen mit spannenden Funden. Das Team der Archäologie der Hansestadt Lübeck wird ebenfalls vor Ort sein - so wie in den vergangenen Monaten auch schon. „Wir haben ein großartiges Miteinander, die Zusammenarbeit macht richtig Spaß“, sagt Robert Pfeifer. 

„Wir arbeiten uns abschnittsweise durch einen großen und hochkomplexen Kirchenraum“, sagt Christine Johannsen, Architektin in St. Marien. Dabei gehe es nicht allein darum, Schäden an der Bausubstanz zu beheben. „Wir greifen stellenweise auch tief in die technische Infrastruktur der Kirche ein. Gleichzeitig haben wir es mit einem historischen Bauwerk zu tun, bei dem jeder Schritt sehr sorgfältig geplant und begleitet werden muss.“

Bauhütte nimmt den Fußboden auf

Besonders sichtbar wird das im zweiten Bauabschnitt. Der bestehende Fußboden der Kirche wird aufgenommen. Zunächst bergen die Mitarbeitenden der Kirchenbauhütte - bereits ab Anfang Oktober - die historischen Ziegelsteine. „Sie sollen gesichert und später wiederverwendet werden. Anschließend entfernt ein Abbruchunternehmen den darunterliegenden Bodenaufbau. Damit wird Platz für eine grundlegende technische Neuerung geschaffen: St. Marien erhält eine wassergeführte Fußbodenheizung. Die benötigte Wärme soll künftig aus erneuerbaren Energien stammen.

Gottesdienste ziehen in Briefkapelle

Für die Gemeinde beginnt mit der Schließung eine Übergangszeit. Ab November sollen die regulären Sonntagsgottesdienste sowie zu Weihnachten zunächst in der Briefkapelle stattfinden. Dort ist der Platz allerdings begrenzt. „Es werden nur 70 Plätze zur Verfügung stehen“, sagt Pfeifer. Von Januar bis März 2027 weicht die Mariengemeinde nach St. Jakobi aus. Dort sind jeweils sonnabends um 17 Uhr Gottesdienste vorgesehen. 

“Gesicht von St. Marien wird sich verändern”

Etwa ein Jahr nach Beginn der Arbeiten könnte sich die Situation erneut ändern. Dann soll St. Marien nach derzeitiger Planung in Teilen wieder zugänglich werden. „Aber wenn wir danach wieder öffnen, kommen die Menschen in eine Kirche, in der weiter gebaut wird. St. Marien wird über mehrere Jahre ihr Gesicht verändern“, sagt Pfeifer. Bis die letzte Baustelle aus dem Kirchenraum verschwunden ist, wird es noch deutlich länger dauern. Christine Johannsen rechnet damit, dass die Sanierung des Innenraums bis Ende 2030, vielleicht aber auch erst im Jahr 2031 abgeschlossen werden kann.