Sommerinterview: "Kirche muss dort sein, wo Menschen sie braucht"
Lübeck. Sommerzeit ist Interviewzeit. In unserer Serie steht heute Christine Buller-Reinartz, Leiterin der Kirchenkreisverwaltung, Rede und Antwort. Sie spricht über Meilensteine, Herausforderungen und über das steigende Interesse an der Kirche als Arbeitgeber.
Ein Gespräch mit Verwaltungsleiterin Christine Buller-Reinartz
Das erste Halbjahr 2026 ist geschafft. Wenn Sie eine Überschrift für diese Monate verfassen sollten, wie würde diese lauten?
Christine Buller-Reinartz: Hallelujah!
Das müssen Sie erklären….
Christine Buller-Reinartz: Wir haben in der Verwaltung sehr viel gemeinsam geschafft. Wir haben die Umstellung auf Microsoft365 neben dem Normalbetrieb gemeistert, die Kirchenbauhütte - hoffentlich - förderfähig gemacht und die großen Maßnahmen an St. Marien und Dom zu Lübeck vorbereitet. Wir haben eine Pröpstin in den Ruhestand verabschiedet, einen neuen Propst begrüßt, Aufgaben in den Kirchengemeinden gemeinsam angepackt, den Datenschutz neu strukturiert, gemeinsam ein Kirchenmusikkonzept entwickelt; Freud und Leid geteilt.
Das ist nicht wenig. Was werden denn die größten Herausforderungen in der zweiten Jahreshälfte werden?
Christine Buller-Reinartz: Die Landessynode und das Landeskirchenamt davon zu begeistern, dass die “Expedition Kirche” ein guter und richtiger Weg ist, um den Menschen in unserem Kirchenkreis das bieten zu können, was sie suchen. Und: der Beginn der Großmaßnahme an St. Marien Lübeck und die förderrechtlich zulässige Einbindung unserer Kirchenbauhütte.
Das Thema Finanzen spielt eine immer größere Rolle. Wie schwer ist es, sich auf der einen Seite mit stetig größer werdenden Herausforderungen konfrontiert zu sehen, aber immer weniger Mittel zur Verfügung zu haben?
Christine Buller-Reinartz: Gar nicht so schwer, wenn man den Mut hätte, Aufgaben zu reduzieren, Bürokratie zu reduzieren, kirchliche Vorschriften zu reduzieren und / oder anzupassen, und die Aufgaben dem Bedarf entsprechend ordnen würde.
Mehr Spezialisierung bei Mitarbeitenden
Der Kirchenkreis hat sich das Ziel gesetzt, 2026 eine Million Euro einsparen zu wollen. Wird das klappen?
Christine Buller-Reinartz: Ohne gutes Fundraising und die Erhöhung der Einnahmen sowie Reduzierung von Aufgaben wird es zumindest nicht leicht werden. Aber wir sind guten Mutes.
Personal ist in Unternehmen stets ein großer Kostenfaktor. Sehen Sie künftig Potenziale für Synergien?
Christine Buller-Reinartz: Ja, vor allem in der Bündelung der Tätigkeiten. Mitarbeitende können dann nach Fähigkeiten und Affinitäten tätig werden und nicht jeder und jede muss mehr alles machen, Menschen können sich spezialisieren und werden dadurch schneller und sicherer. Ebenso in weiterer konsequenter Zusammenarbeit von Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und der Landeskirche, die auch zu Aufgabenübertragungen führen müsste.
Arbeitgeber Kirche ist wieder attraktiv
Es gibt bereits Kooperationen mit Fachabteilungen des Kirchenkreises Ostholstein. Ein Erfolgsmodell?
Christine Buller-Reinartz: In manchen Bereichen wie Fundraising, Rechtsberatung, Archiv und Personal auf jeden Fall. Im Bereich Finanzen ist durchaus noch „Luft nach oben“.
Wie schwer ist es eigentlich, Fachkräfte für den Arbeitgeber Kirche zu gewinnen? Gibt es hier spürbare Veränderungen?
Christine Buller-Reinartz: Nachdem wir eine gewisse „Flaute“ hatten, scheinen wir als Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden. Die Zahl der Bewerbenden nimmt wieder merklich zu. Vielen Menschen geht es um den Sinn bei ihrer Arbeit, diesen suchen sie bei uns. Damit sind sie hier auch sehr richtig, natürlich müssen die Menschen auch sehr gute fachliche Kompetenz mitbringen.
Augen und Ohren offen halten
Die Zahl der Austritte steigt. Was macht die Kirche - in Ihren Augen - falsch bzw. was sollte unsere Kirche anders machen?
Christine Buller-Reinartz: Eventuell finden die Menschen bei uns nicht das, was sie suchen. Dafür sollten wir sehr offene Ohren und Augen haben und dahin gehen, wo uns die Menschen brauchen. Wir sollten Angebote machen, die keine Schwellenängste auslösen oder befremdlich wirken.
Was meinen Sie da konkret?
Christine Buller-Reinartz: Rituale in Veranstaltungen müssen mehr erklärt werden. Nicht jeder weiß, warum man zum Beispiel im Gottesdienst an manchen Stellen aufsteht. Liedtexte sollten in den Kontext gestellt werden, damit sie nicht aus der Zeit gefallen oder gar abschreckend wirken. Die Kirche sollte nicht mehr davon ausgehen, dass man sie kennen würde. Gute und mutige Marketingkonzepte können eventuell helfen. Wir reden zu wenig mit anderen über das, was wir tun. Wir sollten uns weniger mit uns selbst beschäftigen.
Blicken wir nach vorn: Was möchten Sie für den Kirchenkreis zum Jahresende geschafft haben?
Christine Buller-Reinartz: Die “Expedition Kirche” ist in der Landeskirche und der Kirchenkreissynode fröhlich präsent und gewollt. Microsoft 365 ist überall im Kirchenkreis und dann auch bei den Kirchengemeinden vorhanden und „normal“. Alle Jahresabschlüsse der Kirchengemeinden bis zum Jahr 2025 sind erledigt und Haushaltspläne bis zum Jahr 2026/27 geschrieben und beschlossen. Die Kirchenbauhütte kann selbstverständlich an den Gotteshäusern arbeiten und wird aus Fördermitteln finanziert.
Jetzt starten Sie in den Urlaub: Worauf freuen Sie sich am meisten?
Christine Buller-Reinartz: Ich freue mich auf Zeit für die Familie, auf Portugal, auf Nichtstun und das Gehirn zu entspannen.